ZKB H1: Bruttogewinn steigt um 13%

Martin Scholl

Martin Scholl, CEO Zürcher Kantonalbank ZKB

Zürich – Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) hat im ersten Halbjahr 2012 deutlich mehr verdient als im Vorjahr. Der Bruttogewinn stieg um knapp 13% auf 452 Mio CHF, der betriebliche Halbjahresgewinn um 9,9% auf 392 Mio. Dieses Ergebnis sei insbesondere dank einem guten Zinsertrag und einem über den Erwartungen liegenden Handelsgeschäft zustande gekommen, teilt die Bank am Freitag mit.

Der Betriebsertrag der Zürcher Kantonalbank legte um 9,1% auf 1,1 Mrd CHF zu. Das Zinsengeschäft steuerte trotz dem weiter gesunkenen Zinsniveau einen Erfolg von 593 Mio (+5,3%) zum Ertrag bei. Die Margen im Passivgeschäft seien aber wegen der Zinsentwicklung weiter unter Druck geblieben. Der Ertrag aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft blieb stabil, obwohl die Befürchtungen um die Zukunft der Eurozone auf die Stimmung der Anleger drücke und geringe Aktivitäten an der Börse zur Folge hätten. Im Berichtszeitraum gingen die Erträge um 1,6% auf 269 Mio CHF zurück. Im Handelsgeschäft erzielte die Bank einen um 48% höheren Ertrag von 225 Mio CHF. Zu diesem Erfolg hätten sämtliche Handelssparten beigetragen, vor allem aber der Zinshandel und das Prime Finance-Geschäft.

Kosten im Zaum- Reingewinn 242 Mio CHF
Gleichzeitig hielt die ZKB die Kostenentwicklung im Zaum. Der ordentliche Geschäftsaufwand stieg um 6,7%. Das Cost/Income-Ratio lag bei 63,5% nach 64,6% im Vorjahr. Nach einmaligen Aufwendungen für die Pensionskasse verblieb bei der Bank ein Reingewinn von 242 Mio CHF. Die Verwaltungskommission der Pensionskasse hatte entschieden, die Pensionskasse vom Leistungs- auf das Beitragsprimat umzustellen. Der Wechsel tritt per 1. Januar 2013 in Kraft. Die ZKB übernimmt die einmaligen Kosten von 150 Mio CHF aus der gleichzeitigen Senkung des technischen Zinssatzes von 3,5% auf 3%.

150 Mio CHF für die Pensionskasse haben den Gewinn aber um ein Drittel gedrückt. Grund für die Sonderbelastung ist die Umstellung der Vorsorge vom Leistungs- zum Beitragsprimat. Die ZKB will damit die Quersubventionierung der Altersgehälter unter den Mitarbeitern verhindern. Den technischen Zinssatz zur Ermittlung der Leistungen senkt die Bank auf Anfang 2013 von 3,5 auf 3%. Unter dem Strich stehen bei der grössten der Schweizer Staatsbanken somit 242 Mio CHF. Ohne die Zusatzkosten für die Pensionskasse läge das Resultat mit 392 Mio CHF knapp 10% über dem Ergebnis des Vorjahres.

Kundenausleihungen und – neugelder steigen
Die Kundenausleihungen nahmen um 1,8% auf 72,5 Mrd CHF zu und bei den Hypotheken verzeichnete das Geldinstitut ein Wachstum von 1,4%. In den ersten sechs Monaten 2012 flossen der Bank Netto-Neugelder in Höhe von 0,7 Mrd CHF zu, nach 2,4 Mrd im Vorjahr. Die Kundenvermögen erhöhten sich um 3,2 Mrd auf über 180 Mrd CHF. Davon stammten 91,6 Mrd von Privatpersonen und 88,2 Mrd von Firmen und Institutionellen Anlegern. Im Vergleich zu früheren Jahren ist das Netto-Neugeld weniger hoch ausgefallen: Die Bank nahm nach Milliardenzuflüssen in den Vorjahren von Januar bis Juni nur 745 Mio CHF entgegen. Weil die Anlagen an Wert zulegten, stieg der Wert der verwalteten Kundenvermögen aber um 1,8% bzw. 3,2 Mrd CHF. Mit knapp 180 Mrd CHF betreuten Geldern gehört die ZKB zu den bedeutenden Schweizer Vermögensverwaltern.

Keine allzu grossen Sorgen wegen Gewinnausschüttung
Ob die Bank wie in den Vorjahren für 2012 dem Kanton und den Zürcher Gemeinden 330 Mio CHF ausschütten kann, hängt nun vom zweiten Halbjahr ab. Bezüglich der Gewinnausschüttung müsse man sich keine allzu grossen Sorgen machten, sagte ZKB-Sprecher Urs Ackermann am Freitag der Nachrichtenagentur sda. Festgelegt wird der Betrag vom Bankrat und erst dann, wenn der Jahresgewinn bekannt ist. Die Bank glaubt, ein «ansprechendes» Jahresergebnis vorlegen zu können. Dafür ruft die Bank aber auch Risiken und Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der europäischen Schuldenkrise in Erinnerung.

Wenig Neues zum Steuerstreit
Wahrscheinlich ist zudem, dass die ZKB wie zehn andere Schweizer Banken im Streit mit amerikanischen Behörden um die Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Kunden eine Strafe bezahlen muss. Im ersten Halbjahr stellte die Bank für verschiedene Risiken lediglich 25 Mio CHF zurück. Eine Busse würde mehr kosten, doch zu spezifischen Rückstellungen informiert die Bank nicht. Dass eine Strafzahlung den Gewinn der Bank belasten würde, hatte ZKB-Chef Scholl schon im Februar gesagt.

Die Bank geht im Moment eher nicht davon aus, dass eine Zahlung noch 2012 erfolgen könnte. Die ZKB führt Verhandlungen mit den amerikanischen Behörden. Sie hat zudem Daten über Mitarbeiter an die US-Behörden übergeben und wartet die weitere Entwicklung ab.

Die ZKB erwartet 2012 ein stark herausforderndes zweites Semester, rechnet aber für das Geschäftsjahr 2012 dank ihrer Universalbankenstrategie und ihrer breiten Verankerung im Wirtschaftsraum Zürich mit einem ansprechenden Jahresergebnis. (awp/mc/cs)

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