Zurich mit Rückstellungen in Deutschland – Belastung 550 Mio USD

Martin Senn

Martin Senn, CEO Zurich Insurance Group. (Bild: Zurich)

Zürich – Der Erstversicherer Zurich Insurance muss in Deutschland in der Sparte General Insurance die Reserven verstärken und zudem einen Teil der aktivierten Abschlusskosten abschreiben. Von den finanziellen Anpassungen, die im dritten Quartal vorgenommen werden, sind vor allem Haftpflichtfälle mit einer langen Schadenabwicklungsdauer betroffen. Analysten zeigen sich enttäuscht über die erneute Reservestärkung in diesem Geschäft. Die Aktie verliert deutlich an Wert.

Die Zurich schätzt die finanziellen Anpassungen derzeit gesamthaft auf rund 550 Mio USD vor Steuern. Diese werden im operativen Gewinn (Business Operating Profit – BOP) der ersten neun Monate berücksichtigt. Nach Abzug von Steuern werde die Belastung auf rund 390 Mio geschätzt, teilte der Versicherungskonzern am Mittwoch überraschend mit. Etwa 80% davon seien durch die Erhöhung der Rückstellungen für Schadenfälle, die restlichen 20% durch die Abschreibungen der aktivierten Abschlusskosten bedingt, ergänzte ein Unternehmenssprecher gegenüber AWP.

Höhe der Rückstellungen für diese Schadenfälle zu tief bemessen
Die Zurich habe im Rahmen einer Überprüfung des Geschäftsbereichs General Insurance in Deutschland, einschliesslich einer umfassenden Beurteilung von Schadendossiers mit langer Schadenabwicklungsspanne, festgestellt, dass die Höhe der Rückstellungen für diese Schadenfälle zu tief bemessen war. Ebenso war die Qualität der vorhandenen Daten ungenügend. Auf Grund dieser Überprüfung und neuer Erkenntnisse, seien Nachreservierungen nötig geworden, so der Sprecher weiter. Dies sei zum Beispiel in der Ärzte-, der Architekts- oder der Ingenieurshaftpflichtversicherung der Fall gewesen. Die Untersuchung der Schadenfälle mit langer Abwicklungsspanne sei mittlerweile abgeschlossen und die Qualität der Datenerhebung respektive der Detaillierungsgrad der Daten sei verbessert worden, erklärte der Sprecher. Die Zurich ist zuversichtlich, dass die Rückstellungen in Deutschland gut bemessen sind. Die Überprüfung des gesamten Geschäftsbereichs General Insurance in Deutschland ist derweil noch im Gange und wird auch von externen Experten begleitet.

«Strategisch gut unterwegs»
Das Zurich-Management zeigt sich in der Mitteilung über diese signifikante finanzielle Anpassung enttäuscht, in Deutschland seien die entsprechend notwendigen Massnahmen eingeleitet. Alle anderen Geschäftsbereiche der Gruppe hätten sich im dritten Quartal jedoch wie erwartet entwickelt. Die Zurich sei weiterhin gut unterwegs, ihre strategischen Ziele zu erreichen, heisst es. Die Gruppe will unter anderem den Schaden-Kosten-Satz im Vergleich zu den globalen Mitbewerbern um 3 bis 4 Prozentpunkte verbessern. Langfristig wird eine Eigenkapitalrendite zum BOP von 16% angestrebt. Im derzeitigen Tiefzinsumfeld sei dies aber sehr schwer zu erreichen, hiess es an der Halbjahresmedienkonferenz im August. Derzeit strebe man eher einen Wert von 14% an. Die Finanzergebnisse für die ersten neun Monate 2012 veröffentlicht die Zurich am 15. November.

Aktie unter Druck
Die Aktien des Versicherungskonzerns stehen am Mittwoch von Beginn weg unter Druck und verlieren bis um 10.30 Uhr 3,2% auf 236,60 CHF, während der Gesamtmarkt (SMI) mit 0,10% leicht an Wert verliert. Die Ansage der Zurich sei eher überraschend gekommen und die Sonderbelastungen seien erheblich, kommentieren Analysten. Sie kritisieren, dass die Zurich bereits in früheren Geschäftsabschlüssen in diesem Geschäft Sonderaufwendungen verbuchen musste. Schon damals habe es geheissen, man habe die Probleme im Griff, was nun aber offenbar nicht der Fall war. (awp/06/mc/hfu)

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