Zurich rechnet mit hohen Corona-Kosten

Zurich rechnet mit hohen Corona-Kosten
Zurich-CEO Mario Greco. (Foto: Zurich)

Zürich – Die Corona-Pandemie kommt die Zurich-Gruppe teuer zu stehen. Ins Gewicht fallen vor allem Schäden, die bei Firmen im Zuge eines Betriebsunterbruchs entstanden sind. Unklar bleibt, wie stark die Verwerfungen an den Börsen und eine Rezession die Rechnung zusätzlich belasten werden.

Die Auswirkungen im Zusammenhang mit Corona seien mit grossen Unsicherheiten behaftet, teilte die Zurich am Donnerstag mit. Mithilfe von Modellrechnungen versuchte der Versicherer dennoch, die in der Schadensparte zu erwartenden Kosten so gut wie möglich einzuschätzen. Und es zeigt sich: Es wird teuer.

Den Szenario-Berechnungen zufolge könnten sich die Schadenforderungen an die Zurich auf rund 750 Millionen US-Dollar summieren. Allein für das erste Quartal seien 280 Millionen erfasst worden, hiess es weiter.

Betriebsunterbrüche belasten
„Das ist ein hoher Betrag und in etwa mit dem vergleichbar, was wir im Jahr 2017 zur Deckung der Schäden zu den verheerenden US-Windstürmen Harvey, Irma und Maria aufwenden mussten“, versuchte Finanzchef George Quinn die zu erwartende Corona-Schadenlast einzuordnen.

Der Grossteil der Leistungen fliessen an Firmen, die den Betrieb wegen Lockdown-Massnahmen vorübergehend schliessen mussten. „Diese Forderungen machen rund 60 Prozent der Gesamtsumme aus“, sagte Quinn. Ein weiteres Viertel gehe auf Reiseversicherungen und -dienstleistungen zurück und 15 Prozent für Leben- und Krankendeckungen.

Regional am stärksten von den Corona-Forderungen betroffen sei Europa und da komme ein grosser Teil der erwarteten Belastungen aus dem Heimmarkt Schweiz, fuhr der Finanzchef fort. Seit Beginn der Gesundheitskrise sei man den Verpflichtungen nachgekommen. Den Kunden seien Prämiennachlässe, Zahlungsaufschübe oder Deckungserweiterungen gewährt worden.

Kapitalquote sinkt
Mit Blick auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten und die daraus zu erwartenden Folgen auf das Anlageergebnis, gibt die Gruppe keine Prognose ab. Dazu sei die Marktlage zu unsicher, hiess es.

Einen Eindruck davon, wie stark die Bilanz im ersten Quartal in Mitleidenschaft gezogen wurde, geben Solvenzberechnungen. Die firmeneigene Z-ECM-Quote rutsche von Jahresbeginn bis Ende März geschätzt um knapp 30 Prozentpunkte auf 101 Prozent ab. Und die Schweizer Solvenzquote (SST) liegt noch bei 186 nach zuvor 198 Prozent.

Die Zurich sei damit aber nach wie vor sehr robust kapitalisiert und verfüge über genügend finanziellen Spielraum, versicherte Quinn. Er zeigte sich zudem zuversichtlich, dass die Kapitalanlagen gut gerüstet seien, sollten die Finanzmärkte von einem erneuten Beben und Verwerfungen erfasst werden.

Wachstum im Schadengeschäft
Am Donnerstag hat die Zurich auch wenige Kennzahlen zum Geschäftsverlauf veröffentlicht. Demnach sind die Prämieneinnahmen in der Schadenversicherung im Startquartal um 5 Prozent auf 9,68 Milliarden Dollar angewachsen. Währungs- und akquisitionsbereinigt resultierte gar ein Plus von 7 Prozent.

Gewachsen ist der Versicherer in erster Linie in der Marktregion Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) mit bereinigten 8 Prozent sowie in Nordamerika mit einem Plus von 7 Prozent. Vor allem in Nordamerika konnten die Prämiensätze deutlich erhöht werden.

Im Neugeschäft der Lebensversicherung nahm das sogenannte Jahresprämienäquivalent (APE) dagegen um knapp einen Fünftel auf 958 Millionen Dollar ab. Die Kennzahl setzt sich aus neu gewonnenen Prämien und einem Zehntel der eingenommenen Einmalprämien zusammen.

Der Rückgang sei auf die ersten Auswirkungen der Coronakrise insbesondere in Asien und Brasilien zurückzuführen, hiess es. Da mussten nämlich von den Regierungen verordnet sämtliche Vertriebskanäle mit Kundenkontakten geschlossen werden, was das Gewinnen neuer Kunden erschwert. Zudem entwickelte sich das Neugeschäft im letzten Jahr sehr gut.

An der Börse hielten sich die Zurich-Aktien in einem schwachen Gesamtmarkt mit einem Minus von 0,1 Prozent stabil. (awp/mc/ps)

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