Anthem will Cigna für 54 Milliarden Dollar kaufen

Joseph Swedish

Anthem-CEO Joseph Swedish. (Foto: Anthem)

Indianapolis – In der US-Gesundheitsbranche könnte es bald zu der grössten Übernahme unter auf Versicherungen spezialisierten Konzernen kommen. Der Krankenversicherer Anthem will den Konkurrenten Cigna für insgesamt 54 Milliarden Dollar (rund 47,6 Mrd Euro) kaufen, stösst dabei aber auf den Widerstand der Führungsspitze des umworbenen Unternehmens. Den Cigna-Aktionären winkt dabei eine Offerte über 185 Dollar je Aktie und damit rund ein Fünftel mehr als das Papier nach der jüngsten Rally an der Börse zuletzt kostete. Anthem will die Offerte in etwa zu zwei Drittel in bar und zu einem Drittel mit eigenen Aktien bezahlen. Dies teilte das Unternehmen am Samstag in Indianapolis mit.

Der Wert der Cigna-Anteile liegt bei dem Gebot bei rund 47 Milliarden Dollar – dazu kommen noch rund sieben Milliarden Dollar Schulden. Wegen der Folgen der Gesundheitsreform, die vergangenes Jahr endgültig in Kraft getreten ist, gibt es seit Monaten Spekulationen über Fusionen in der Branche. Die ohnehin schon seit einigen Jahren stark steigenden Aktienkurse haben noch mal an Fahrt aufgenommen. So zog zum Beispiel der Cigna-Kurs alleine in diesem Jahr bereits um rund 50 Prozent an und baute damit die Gewinne der vergangenen drei Jahre auf 240 Prozent aus.

Anthem hofft auf neue Verhandlungen
Anthem versucht bereits seit August 2014 mit der Cigna-Spitze über einen möglichen Zusammenschluss sprechen. Nachdem diese aber bisher nicht ernsthaft verhandeln wollte, machte Anthem die Bemühungen öffentlich und teilte den Aktionären mit, wie eine konkrete Offerte aussehen könnte. Damit steigt der Druck auf das Cigna-Management. Anthem hofft jetzt auf neue Verhandlungen und ein vom umworbenenen Unternehmen gestütztes formelles Gebot bis Ende Juni. Cigna wies aber auch den neuen Vorstoss umgehend zurück. Die Offerte sei nicht hoch genug und würde keinen Wert für die Aktionäre schaffen.

Das Anthem-Interesse an Cigna ist derzeit nicht das einzige mögliche Vorhaben in der Branche. Einem Bericht des „Wall Street Journal“ von vergangener Woche zufolge zeigt der grösste Konzern der US-Gesundheitsranche, UnitedHealth , Interesse am Versicherer Aetna . Und falls es mit diesem nicht klappt, könnte auch Cigna ins Visier der Nummer eins geraten.

„Obamacare“ beflügelt Spekulationsfieber
Ausserdem soll der Gesundheitsdienstleister Humana auf mehreren Einkaufszetteln stehen: An dem Unternehmen könnten wiederum Cigna oder eventuell auch Aetna interessiert sein, um zum Beispiel auch eine nicht gewollte Offerte eines anderen Unternehmens abwehren zu können, indem man selbst zu teuer wird. Der Wert der Konzerne, die dabei über den Tisch gehen könnten, liegt im dreistelligen Milliardenbereich. „Es sind verrückte Zeiten“, hatte ein Analyst vor kurzem gesagt.

Ausgelöst wurde das Spekulationsfieber durch die von US-Präsident Barack Obama eingeleitete Reform des US-Gesundheitswesens. Durch das vergangenes Jahr endgültig in Kraft getretene Gesetz „Patient Protection and Affordable Care Act“ (PPACA) – wegen der heftigen politischen Auseinandersetzung darüber auch „Obamacare“ genannt – ist die Zahl der Krankenversicherten in den USA deutlich gestiegen.

Gleichzeitig stieg der Kostendruck in der Branche, so dass es bereits zu einigen Fusionen und Übernahmen unter Gesundheitsdienstleistern gekommen ist – wobei die Versicherer hier bisher grösstenteils aussen vor geblieben sind. In diesem Segment der Branche laufen nach Einschätzung der Experten allerdings die ersten positiven Wachstumseffekte der Reform aus und der Kostendruck steigt, so dass jetzt hier eine Reihe von Zusammenschlüssen erwartet werden. (awp/mc/ps)

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