ArcelorMittal schiebt nach Milliardenverlust Kapitalerhöhung an

Lakshmi Mittal
Lakshmi Mittal, CEO und VRP ArcelorMittal.

ArcelorMittal-CEO Lakshmi Mittal.

Luxemburg – Der ungebremste Verfall der Stahl- und Rohstoffpreise hat dem weltgrössten Stahlhersteller ArcelorMittal im vergangenen Jahr einen Rekordverlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von fast acht Milliarden US-Dollar, wie der Konzern am Freitag in Luxemburg mitteilte. Es ist der vierte Jahresverlust nacheinander und der höchste seit der Fusion der Stahlunternehmen Arcelor und Mittal im Jahr 2007. Als Reaktion bittet der Konzern die Aktionäre nun um frisches Geld und streicht die Dividende. Zudem kündigte der Vorstand neue Kürzungen an. Die ArclelorMittal-Aktien verloren am Vormittag gut sechs Prozent an Wert.

Um den bestehenden Schuldenberg zu verkleinern, will sich das Unternehmen nun drei Milliarden Dollar am Aktienmarkt beschaffen. Die Mittal-Familie – mit 37 Prozent grösster Aktionär des Konzerns – kündigte an, voll mitzuziehen und rund 1,1 Milliarden Dollar beizusteuern. Zudem kündigte das Unternehmen den Verkauf seiner Minderheitsbeteiligung am spanischen Autozulieferer Gestamp für 875 Millionen Euro an. Diese Schritte sollen die Schulden um 4 Milliarden auf unter 12 Milliarden Dollar drücken.

Hohe Abschreibungen
Im vergangenen Jahr war der Umsatz wegen des beschleunigten Preisverfalls um fast ein Fünftel auf 63,6 Milliarden Dollar abgesackt. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) fiel mit 5,2 Milliarden Dollar um rund 2 Milliarden niedriger aus als im Vorjahr. Dass unter dem Strich ein Rekordverlust zusammenkam, lag an umfangreichen Aufräumarbeiten in der Bilanz. So korrigierte der Konzern den Wert seiner Beteiligungen an Bergbauprojekten um 3,4 Milliarden Dollar nach unten. Weitere 1,4 Milliarden schrieb ArcelorMittal auf seine Stahlwerke ab. Hinzu kamen 1,3 Milliarden Dollar Wertberichtigungen auf Lagervorräte.

Seit Jahren kämpft die Stahlbranche vor allem in Europa mit Überkapazitäten und niedrigen Preisen. Die Nachfrage liegt weit unter dem Niveau von 2007. Im vergangenen Jahr hat sich die Situation verschärft, weil China als grösser Stahlproduzent weltweit wegen der eigenen Wirtschaftssorgen massenhaft Stahl auf den Weltmarkt wirft. Das setzt allen Stahlkonzernen zu. Die beiden grössten deutschen Stahlhersteller Thyssenkrupp und Salzgitter schrieben zuletzt nur dank harter Sparprogramme noch schwarze Zahlen.

Eigene Erzförderung belastet
ArcelorMittal sitzt gleich doppelt in der Preisfalle. Denn dass die Rohstoffpreise ebenfalls kräftig fallen, bedeutet für den Konzern keine Erleichterung. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren, als Rohstoffe zunehmend teurer wurden, in den Ausbau einer eigenen Erzförderung investiert. Das erweist sich nun als Belastung.

Der Konzern bemühte sich am Freitag aber, etwas Hoffnung zu schüren. «Die Preise dürften im vergangenen Quartal ihren Tiefpunkt erreicht haben», sagte Finanzchef Aditya Mittal vor Journalisten. Zudem dürfte die Stahlnachfrage in Europa und den USA in diesem Jahr steigen. Ausserdem hofft der Konzern darauf, dass die EU die Branche bald mit effektiven Schutzzöllen vor Dumping-Importen schützt. Bis sich das allerdings in den Ergebnissen des Konzern niederschlägt, werde es etwas dauern, sagte Mittal. So prognostiziert der Vorstand für dieses Jahr einen weiteren Ebitda-Rückgang auf bis zu 4,5 Milliarden Dollar und ein schwaches ersten Quartal.

Weitere Einschnitte
Um langfristig wieder Licht zu sehen, plant das Management weitere Einschnitte im operativen Geschäft. So wird ein kleines Stahlwerk in Spanien geschlossen. In den USA sollen einige Anlagen verkauft werden. Was das für Arbeitsplätze bedeutet, liess Mittal offen. Bis 2020 sollen die Sanierungsschritte das Ebitda um drei Milliarden Dollar verbessern.

In den vergangenen Jahren hatte der Konzern wegen der hohen Überkapazitäten bereits 4 seiner 25 Hochöfen in Europa stillgelegt. In Deutschland sind laut Mittal derzeit keine Einschnitte vorgesehen. ArcelorMittal ist hierzulande mit 4 Werken vertreten. In Bremen, Eisenhüttenstadt, Duisburg und Hamburg beschäftigt der Konzern gut 9000 Mitarbeiter. (awp/mc/upd/ps)

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