Ein Fünftel der unter 56-Jährigen in der Schweiz fordert einen Corona-Impfzwang

Impfen
(Foto: Pixabay)

Zürich – Sollte dereinst eine Impfung gegen das Corona-Virus auf den Markt kommen, wünscht sich die Hälfte der Erwachsenen in der Schweiz eine freiwillige und von der Grundversicherung bezahlte Impfung. Besonders bei den jüngeren Generationen zeigt sich aber eine radikale Haltung: Ein Fünftel der unter 56-Jährigen fordert einen allgemeinen Impfzwang. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von comparis.ch. «Das Thema Impfen polarisiert stark, denn auf der anderen Seite steht eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Impfgegnern», sagt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Eine klare Mehrheit will zudem, dass das Nichteinhalten der Quarantänepflicht gebüsst wird. Beim Thema Grenzschliessungen tut sich ein Stadt-Land-Graben auf.

Noch ist kein Impfstoff gegen das Corona-Virus in Sicht. Doch welche Strategie soll eingeschlagen werden, wenn Impfungen in der Schweiz erhältlich sind? Der Online-Vergleichsdienst Comparis hat mit einer repräsentativen Befragung der Bevölkerung den Puls gemessen.

Die Hälfte wünscht sich eine freiwillige, von der Grundversicherung gedeckte Impfung
Für 49,2 Prozent der Umfrageteilnehmenden wäre eine freiwillige Impfung wünschenswert. Anders als etwa bei der Grippeimpfung soll die Grundversicherung die Kosten dafür nicht nur für Risikogruppen tragen, sondern für alle. Diese Haltung ist vor allem in der deutschsprachigen Schweiz verbreitet (51,2 Prozent gegenüber 43,9 Prozent in der Romandie und im Tessin) und bei den unteren / mittleren Bildungsschichten (53,9 Prozent gegenüber 44,1 Prozent bei den Personen mit hoher Bildung).

Impfzwang findet Akzeptanz
Besonders bei den jüngeren Generationen bis 55 Jahren findet die radikale Forderung nach einem Impfzwang für alle beachtliche Akzeptanz. 19,6 Prozent der 15- bis 35-Jährigen und 19,4 Prozent der 36- bis 55-Jährigen wünscht sich diesen.

Der Anteil der Impfzwangbefürworter ist besonders hoch in der Romandie mit 23,2 Prozent in allen Altersgruppen (gegenüber 15,1 Prozent bei den Deutschschweizern) und bei Personen mit hoher Bildung.

«Das Thema Impfen polarisiert stark, denn auf der anderen Seite steht eine kleine, aber lautstarke Gruppe von Impfgegnern», erklärt Comparis-Krankenkassenexperte Felix Schneuwly. Offensichtlich gingen Impfzwangbefürworter nicht davon aus, dass mit freiwilligem Impfen rasch Herdenimmunität und damit wieder der Normalzustand erreicht werden könne.

Vier Fünftel befürworten Bussen für Nichteinhaltung von Quarantänepflicht
Bezüglich der Corona-Massnahmen fordern vier Fünftel der Befragten eine Busse bei Nichteinhalten der Quarantänepflicht bei positivem Testresultat sowie nach der Einreise aus Risikogebieten.

Bussen fordert die überwiegende Mehrheit zudem bei der Angabe von falschen Personendaten z.B. in Restaurants oder Clubs (73,4 Prozent) sowie beim Verschweigen von Kontaktpersonen nach einem positiven Corona-Test (68,7 Prozent).

Auch das Nichteinhalten der Maskenpflicht an vorgeschriebenen Orten sollte gemäss einer Mehrzahl der Befragten (66,7 Prozent) gebüsst werden.

Die Mehrheit der Befragten foutiert sich um die Abstandsregeln
Anders sieht es aus bei der Einhaltung der Abstandsregeln, die erwiesenermassen wirkungsvoller zur Eindämmung der Ansteckungsverbreitung beitragen als eine nicht korrekt getragene Maske. Hier finden 67,9 Prozent eine Busse nicht nötig. Das gilt vor allem für die unter 35-Jährigen: In dieser Altersgruppe lehnen drei Viertel eine Busse ab (gegenüber 62,1 Prozent bei den 36- bis 55-Jährigen und 64,3 Prozent bei den 56- bis 74-Jährigen).

Deutlich grösser ist zudem der Anteil der Bussengegner bei den Männern (71,0 Prozent gegenüber 64,8 Prozent bei den Frauen). «Der hohe Anteil Bussengegner spricht für eine starke Selbstverantwortung. Dagegen spricht die mangelnde Disziplin bei den Schutzmassnahmen, solange sie nur empfohlen werden», so Schneuwly.

Uneinigkeit gegenüber erneuten Grenzschliessungen
Uneinigkeit herrscht unter der Befragten bezüglich erneuter Grenzschliessungen, sollte irgendwann doch ein ganzes Nachbarland der Schweiz auf die Liste der quarantänepflichtigen Risikoländer kommen. Hier findet die Hälfte eine temporäre Grenzschliessung für Privatpersonen sinnvoll. Die andere lehnt eine solche ab.

Der Anteil der Befürworter einer Grenzschliessung ist auf dem Land (51,7 Prozent) deutlich höher als bei Stadtbewohnern (40 Prozent). Personen mit einer hohen Bildung lehnen eine erneute Grenzschliessung deutlich ab (48 Prozent gegenüber 40,6 Prozent mit mittlerer und tiefer Bildung).

«Die wirtschaftliche Bedeutung offener Grenzen und die Reiselust ist bei Städtern wesentlich stärker als bei der Landbevölkerung. Wie bei anderen politischen Themen ist der Röstigraben kleiner als der Stadt-Land-Graben», so Schneuwly. (comparis.ch/mc/ps)

Methodik
Die repräsentative Befragung wurde durch das Marktforschungsinstitut innofact im Auftrag von comparis.ch im August 2020 unter 1041 Personen in allen Regionen der Schweiz durchgeführt.

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