„Sabine“ fegt über die Schweiz

„Sabine“ fegt über die Schweiz
SRF Meteo hat für weite Teile der Schweiz eine Sturmwarnung der Kategorie "grosse Gefahr" (rot) verhängt. (Bild: SRF)

Bern – Orkantief „Sabine“ hat am Montagmorgen in der Schweiz viel Wirbel verursacht. Flugzeuge am Flughafen Zürich mussten durchstarten, Bäume behinderten den Verkehr auf Strassen und Schienen. Schulkinder dürften sich aber gefreut haben: In zahlreichen Gemeinden gab es schulfrei.

Am Flughafen Zürich wurdenam Montag bis Ende Nachmittag 67 Landungen und 63 Starts abgesagt, die meisten wegen des Sturms „Sabine“. Einige Flugzeuge mussten durchstarten. Für 15 Minuten wurden zudem die Betankung und das Abfertigen von Flugzeugen unterbrochen. Es könnten aber noch weitere Flüge tangiert werden, wie eine Flughafensprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Auf dem Euroairport Basel-Mülhausen kam es zu zahlreichen Ausfällen und teils massiven Verspätungen. Nach Auskunft einer Flughafensprecherin wurden auf dem Euroairport am Montag Vormittag bis um 10 Uhr 29 von insgesamt 180 Flügen annulliert.

Ein Todesopfer im Kanton Freiburg
Bei der Kollision eines Autos mit dem Anhänger eines leichten Anhängerzugs kam am frühen Montagmorgen bei Les Montets FR der Automobilist ums Leben. Die Freiburger Kantonspolizei geht davon aus, dass starker Wind den hinteren Teil des Anhängerzugs auf die Gegenfahrbahn wehte.

Im luzernischen Rickenbach wurde ein Mann verletzt, als er von einem Tor getroffen wurde, das vom Wind zugeweht wurde, wie die Luzerner Polizei mitteilte. Der Mann lud am Montagmorgen einen Lagercontainer aus, als er vom zuschlagenden Tor überrascht wurde. Der Rettungsdienst brachte ihn ins Spital.

In Adliswil ZH wurden zwei Personen beim Versuch verletzt, ein weggeblasenes Festzelt von der Strasse zu bergen. Sie wurden von Ambulanzen ins Spital gefahren.

Glimpflich gingen zwei Bahnunfälle aus: In Wald ZH und Moutier BE kam es zu Zusammenstössen zwischen S-Bahn-Zügen und Bäumen Bäume. In beiden Fällen wurde niemand verletzt. Der Unfall in Wald ZG ereignete sich gegen 8.40 Uhr, wie die Kantonspolizei Zürich mitteilte. Kurz vor Wald hatte der Sturm eine massive Tanne umgeweht. Der Lokführer leitete eine Schnellbremsung ein, doch das Zugfahrzeug kollidierte mit dem Baum.

Grossbrand und grossflächiger Stromausfall
Wegen des Sturms griff ein Feuer in Bauma ZH auf ein benachbartes Waldstück über. Beim Grossbrand wurden fünf landwirtschaftliche Gebäude zerstört. Die Feuerwehr rückte mit einem Grossaufgebot aus.

Im Kanton Uri und in Teilen der Kantone Schwyz und Zug kam es zudem zu einem grossflächigen Stromausfall. Grund war der Ausfall der Höchstspannungsleitung von Plattischachen nach Göschenen wegen des Sturms. Ein zu Boden fallender Leiter verursachte einen Kurzschluss, welcher dann einen Brand auslöste, sagte Werner Jauch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Elektrizitätswerks Altdorf (EWA), auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Der Stromausfall in Uri führte zu technischen Problemen in mehreren Tunnel in der Zentralschweiz. Sowohl der Gotthard-, der Seelisberg-, sowie der Flüelen- und der Mositunnel mussten gesperrt werden, weil wichtige Einrichtungen wie etwa Lampen nicht mehr mit Strom versorgt werden konnten; die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet. Der Stromausfall wurde am Nachmittag behoben und die Tunnel wieder freigegeben.

Bäume behinderten Strassenverkehr
Auf Hauptstrassen behinderte „Sabine“ wegen umgestürzten Bäumen den Verkehr. Dies war etwa in den Regionen Schaffhausen, Aargau, Solothurn, Jura, Bern und Zentralschweiz der Fall gewesen, wie Viasuisse in einer Mitteilung schreibt. Auf Hauptstrassen behinderte „Sabine“ wegen umgestürzter Bäume den Verkehr. Dies war etwa in in den Regionen Schaffhausen, Aargau, Solothurn, Jura, Bern und Zentralschweiz der Fall gewesen, wie Viasuisse in einer Mitteilung schreibt. Die Aufräumarbeiten dürften dort etwas länger dauern, wo Hauptstrassen durch Waldgebiete führen.

Schulen und Skigebiete zu
Wegen der Gefahr auf dem Schulweg gaben zahlreiche Schulen schulfrei, so etwa in einigen Gemeinden in den Kantonen Schwyz, Zürich und St. Gallen. In einigen Gemeinden wurde es den Eltern und Erziehungsberechtigten überlassen, ob der Schulweg sicher genug ist für ihre Kinder. In Jonschwil SG wird auch am Dienstagmorgen kein Unterricht stattfinden.

Die stürmische Wetterlage forderte auch von den Schneesportlern Geduld oder Verständnis: Zahlreiche Skigebiete blieben wegen des starken Windes den ganzen Tag geschlossen.

Rekordgeschwindigkeit und hohe Temperaturen
In ihrem Kerngebiet war „Sabine“ am Montag stärker unterwegs als die Vorgängerin „Petra“. In Rünenberg BL wurde am späten Sonntagabend ein neuer Rekordwert von 148 km/h gemessen, wie Meteoschweiz am Nachmittag mitteilte. Der bisherige Höchstwert wurde im Dezember 2011 mit 143 km/h gemessen. Im Flachland schickte „Sabine“ am Montagmorgen Böen mit Spitzen von 85 bis 125 Kilometern pro Stunde (km/h) über die Schweiz. Auf den Berggipfeln lagen die Spitzen vereinzelt bei 150 km/h.

„Sabine“ zog mit hohen Windspitzen vor allem über das zentrale und östliche Mittelland sowie über die daran anschliessende Nordschweiz. Die Westschweiz und der Alpenraum waren weniger betroffen. Auf der Alpensüdseite wurden keine erhöhten Windgeschwindigkeiten gemessen.

In der Nacht auf Montag sorgte der starke Föhn in den Alpentälern zudem für hohe Temperaturen. So war es in der Nacht in Sachseln OW 20 Grad warm. In Luzern waren es 17,6 Grad, während das Thermometer in Thun 17,1 Grad anzeigte.

Kräftige Schauer und weitere Böen
Der Sturm soll in der Nacht kräftige Schauer bringen und dann mit Sturmböen von 90 bis 110 km/h durch die Nacht ziehen – auf den Bergen mit starken Orkanböen. Warme Temperaturen wie in der Nacht auf Montag sind nicht mehr zu erwarten, die Luft soll wechseln feucht und kühl werden, die Schneefallgrenze auf 700 bis 900 Meter sinken. (awp/mc/pg)

SRF Meteo
Meteo Schweiz

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