Bayer geht vorsichtig ins Jahr 2018 – Monsanto-Zeitplan geändert

Werner Baumann
Werner Baumann, Vorstandsvorsitzender Bayer AG. (Foto: Bayer)

Leverkusen – Der Pharma- und Agrochemiekonzern Bayer blickt vor der geplanten Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto verhalten auf das Jahr 2018. Der Umsatz sowie das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen (Ebitda) und Sonderposten werden auf dem Niveau von 2017 erwartet, wie der Dax -Konzern am Mittwoch in Leverkusen mitteilte. Zudem braucht der 66 Milliarden US-Dollar schwere Kauf mehr Zeit als gedacht. „Unser Ziel ist es jetzt, die Transaktion im zweiten Quartal 2018 abschliessen zu können“, hiess es nun, bisher war von Anfang 2018 die Rede gewesen.

Für 2018 peilt Bayer einen Umsatz von etwa 35 Milliarden Euro an, nachdem dieser bereits 2017 nahezu stagnierte. Das Ebitda vor Sonderposten lag 2017 mit 9,29 Milliarden Euro knapp unter dem Wert von 2016. Beides war etwas weniger als Analysten im Durchschnitt erwartet hatten. Unter dem Strich verdiente der Konzern mit 7,34 Milliarden Euro zwar 62 Prozent mehr als 2016. Das lag aber auch am Verkauf von Anteilen der ehemaligen Kunststoff-Tochter Covestro , die nicht länger konsolidiert wird.

Licht und Schatten
„Operativ war 2017 ein Jahr mit Licht und Schatten“, sagte Unternehmenschef Werner Baumann. Investoren reagierten verstimmt auf die Zahlen. Der Aktienkurs fiel nach rund zwei Handelsstunden zuletzt um etwas über 3 Prozent und war damit Schlusslicht im Dax. Der Ausblick sei in allen Belangen eher trist, schrieb Analystin Marietta Miemietz von der Equinet-Bank in einer ersten Reaktion.

Da half es wenig, dass die Leverkusener unter Ausklammerung von Wechselkursveränderungen sowie Zu- und Verkäufen, also vor allem ohne Monsanto, ein Umsatzwachstum im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich anstreben. Das um Sonderposten bereinigte Ebitda soll im mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen. Der Ausblick berücksichtigt auch Belastungen durch Lieferausfälle und Überarbeitungen der Produktion in Höhe von etwa 300 Millionen Euro. Ein Tadel der US-Gesundheitsbehörde FDA zwingt Bayer zu Änderungen bei der Herstellung einiger Medikamente aus dem reifen Produktportfolio. Analysten hatten bereits mit einer Belastung gerechnet.

Kogenate-Einbruch bremst Pharmageschäft
Im abgelaufenen Jahr bremste ein Einbruch beim Blutgerinnungsmittel Kogenate das Pharmageschäft. Der Umsatz erreichte mit einem leichten Anstieg auf 16,85 Milliarden Euro knapp das im Herbst etwas reduzierte Ziel von etwa 17 Milliarden Euro. Die Erlöse im wichtigen Geschäft mit neueren Medikamenten wie dem Gerinnungshemmer Xarelto, dem Augenmedikament Eylea, Adempas gegen Lungenhochdruck sowie mit den Krebsmitteln Stivarga und Xofig legten wie geplant auf mehr als 6 Milliarden Euro zu. Für 2018 peilt Bayer im Pharma-Segment einen Umsatz von 16,5 Milliarden Euro an.

Im Geschäft mit rezeptfreien Mitteln sowie mit Saatgut und Pflanzenschutzmitteln fielen die Umsätze und operative Gewinne hingegen. Ersteres litt unter einer weiterhin schwachen Entwicklung in den USA sowie der Umklassifizierung zweier Hautmedikamente in China zu rezeptpflichtigen Arzneien. Im Pflanzenschutzbereich drückte vor allem das schwierige Umfeld in Brasilien auf die Entwicklung. Neben der Belastung durch den schwachen brasilianischen Real machten dem Konzern hohe Lagerbestände der Kunden zu schaffen. Im laufenden Jahr peilen die Leverkusener bei Consumer Health wechselkursbereinigt einen Umsatz auf Vorjahresniveau an, im Saatgut- und Pflanzenschutzgeschäft ein leichtes Wachstum.

Sollte die Übernahme von Monsanto im zweiten Quartal gelingen, rechnet Bayer 2018 mit einer deutlichen Steigerung des Umsatzes und des um Sondereinflüsse bereinigten Ebitda. Im ersten vollen Jahr nach dem Kauf soll es dann einen ordentlich Schub bei allen relevanten Kennziffern.

Insgesamt hat laut Unternehmensangaben mittlerweile mehr als die Hälfte der rund 30 zuständigen Behörden weltweit den Deal genehmigt. Erst kürzlich hatten die brasilianischen Wettbewerbshüter ihren Segen erteilt. Weitere Genehmigungen – allen voran die der EU – stehen aber noch aus. Die EU hat eine Prüffrist bis Anfang April festgesetzt. (awp/mc/ps)

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