Bertelsmann will bei Wachstum aufs Tempo drücken

Thielen Gunter

Gunter Thielen, Vorsitzender des Vorstands der Bertelsmann-Stiftung.

Gütersloh – Der Medienriese Bertelsmann will unter seinem neuen Chef beim Wachstum stärker auf die Tube drücken als bisher. Diese Erwartung brachte der Aufsichtsratsvorsitzende Gunter Thielen in Interviews zum Ausdruck. «Die Wachstumsdynamik muss grösser werden. Dafür wollen wir eine Milliarde Euro im Jahr investieren», sagte Thielen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ/Mittwoch).

Am Montag hatte Europas grösster Medienkonzern bekanntgegeben, dass Hartmut Ostrowski zum Jahresende den Vorstandsvorsitz in Gütersloh an Finanzvorstand Thomas Rabe abgeben wird. Ostrowski hatte das Imperium – dazu gehören unter anderem die RTL Group, der Buchverlag Random House sowie der Zeitschriftenverlag Gruner+Jahr – erfolgreich durch die schwere Werbekrise geführt und stärker auf Rendite ausgerichtet. Thielen bestätigte indirekt, dass Ostrowski aus Sorge vor einem Burn-Out vom Vorstand zum Aufsichtsrat wechseln wolle. «Herr Ostrowski hat darum gebeten, weil er sich nicht sicher ist, ob er weitere fünf Jahre mit voller Kraft und voller Gesundheit arbeiten kann. Die Gesundheit ist wichtiger, als diesen Job zu machen.» Im «Westfalen-Blatt» (Mittwoch) wurde Thielen noch etwas deutlicher: «Der Weg zu einem möglichen Burn-out ist ja nicht geradlinig. Es ist ein Auf und Ab, doch die Anzeichen wurden graduell stärker.»

Thielen wird nach eigenen Worten Ende 2012 ausscheiden
Thielen, der zugleich Vorsitzender der Bertelsmann Stiftung ist, wird nach eigenen Worten Ende 2012 ausscheiden. Er ist dann 70 Jahre alt. Die FAZ sprach Thielen auf Spekulationen an, Brigitte Mohn solle nach ihm die Bertelsmann-Stiftung führen – und Christoph Mohn den Bertelsmann-Aufsichtsrat. Thielen stellte auf diese Frage hin klar: «Über meine Nachfolge ist noch in beiden Fällen nicht entschieden.» Brigitte und Christoph Mohn gehören zur Bertelsmann-Gründerfamilie.

«Das wird unser erster Blockbuster»
Dass Thomas Rabe (46) irgendwann auf Ostrowski folgen sollte, sei hingegen von Anfang an geplant gewesen, sagte Thielen der Zeitung «Neue Westfälische» (Mittwoch). «Aber er hätte auch erst Vorstandsvorsitzender werden können, wenn Ostrowski 60 geworden wäre.» Der scheidende Ostrowski ist 53 Jahre alt. Auf der Suche nach Wachstumsfeldern drängt Bertelsmann stärker in das Musikrechtegeschäft. Auch im Filmgeschäft ist der Konzern aktiv. In der Potsdamer Filmstadt Babelsberg bereitet die zum Konzern gehörende UFA Cinemadie Verfilmung von Noah Gordons «Der Medicus» vor. «Das wird unser erster Blockbuster», sagte Thielen der «NW» (Mittwoch). Weiterer Schwerpunkt soll der Bereich Erwachsenenbildung werden. «Bertelsmann wird in fünf Jahren anders aussehen», prophezeite Thielen. «Aber die bestehenden Bereiche werden wir nicht vergessen. Das bleibt unser Brot- und Buttergeschäft.» Aller Voraussicht nach werde es keine grosse Einzelinvestition geben, sagte Thielen dem «Westfalen-Blatt». «Stattdessen wollen wir aus vielen internetnahen Einzelunternehmen heraus wachsen, die wir eine Zeit lang mit Finanzpartnern betreiben werden.» Für einen neuen Finanzvorstand nach Rabe suche der Konzern nach externen Kandidaten. (awp/mc/gh)

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