Chinas Industrie verliert an Schwung

China Industrie

Peking – In der chinesischen Industrie hat sich die Stimmung im August überraschend stark eingetrübt. Der Einkaufsmanagerindex der britischen Grossbank HSBC fiel um 1,4 auf 50,3 Punkte, wie HSBC am Donnerstag nach vorläufigen Daten meldete. Es ist der erste Rückschlag nach vier monatlichen Anstiegen in Folge. Im Juli hatte der Frühindikator noch den höchsten Stand seit Anfang 2013 erreicht.

Volkswirte hatten zwar für August eine Eintrübung der Stimmung erwartet, waren aber von einem höheren Indexstand von 51,5 Punkten ausgegangen. Der Stimmungsindikator steht damit nur noch knapp über der sogenannten Expansionsschwelle von 50 Punkten und lässt damit aber immer noch ein Wachstum in der Industrie erwarten.

«Kein Grund zur Panik»
Der wichtige Indikator sei weiter im Wachstumsbereich und es gebe keinen Grund zur Panik, kommentierte Experte Frederik Kunze von der NordLB. Der China-Chefvolkswirt von HSBC, Qu Hongbin, erklärte die überraschend starke Stimmungseintrübung unter anderem mit der zuletzt enttäuschenden Entwicklung der Auftragslage. Im August seien sowohl aus dem Ausland als auch aus dem Inland weniger neue Aufträge in den Industriebetrieben eingegangen als im Vormonat.

Nach Einschätzung von Qu Hongbin stehen die Zeichen in der chinesischen Wirtschaft aber weiter auf Wachstum, allerdings verliere der Aufschwung an Fahrt. Die politische Führung in Peking müsse daher das Wachstum stärker unterstützen, damit sich die konjunkturelle Erholung stabilisieren kann, forderte der Experte. Spielraum für wirtschaftspolitische Massnahmen der Regierung in Peking sieht die HSBC-Bank bei Investitionen in den sozialen Wohnungsbau und beim Ausbau des Eisenbahnnetzes.

«Achillesferse» Immobilienmarkt
Allerdings bleibt der Immobilienmarkt die «Achillesferse» der Konjunktur, meinte Experte Kunze. Er rechnet zwar nicht mit einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft. Allerdings wäre für die Führung in Peking ein «weiter wie bisher» sicherlich das falsche Mittel.

Die Finanzmärkte reagierten nur wenig auf die Stimmungsdaten. Die Ölpreise gingen am Morgen zwar etwas zurück und die chinesischen Aktienmärkte zeigten sich schwächer. An der Frankfurter Börse gab es hingegen keinen Dämpfer. (awp/mc/upd/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.