Deutschland: Wirtschaftsdynamik schwächt sich ab

Deutschland: Wirtschaftsdynamik schwächt sich ab

Wie lange hält die aktuelle Hochkonjunktur in Deutschland noch an?

Berlin – Ein weiteres Jahr mit einem kräftigen Aufschwung, doch dann droht der deutschen Wirtschaft Experten zufolge 2012 eine merkliche Abkühlung. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet in diesem Jahr 2,7 Prozent mehr Wirtschaftsleistung, danach werde sich das Wachstum jedoch auf 1,4 Prozent halbieren, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichte Prognose.

Parallel sind die monatlich bei Finanzexperten ermittelten Konjunkturerwartungen nach Angaben des Zentrums für Europäische Wirtschaftsförderung (ZEW) im April um 6,5 Punkte auf 7,6 Zähler gefallen. Dies liegt weit unter dem historischen Mittelwert von 26,6 Punkten. Hintergrund: Zum einen die Katastrophen in Japan und die Bürgerkriege im arabischen Raum, zum anderen aber auch ein eher ungewöhnliches Phänomen: Es gebe eine gewisse Unsicherheit, wie lange die derzeitige Hochkonjunktur in Deutschland noch anhalten kann, sagte ZEW-Präsident Wolfgang Franz am Dienstag in Mannheim.

DIW pessimistischer als andere Institute
Beim DIW hiess es, dass Exporte und Importe im kommenden Jahr «in etwa mit dem gleichen Tempo wachsen, so dass vom Aussenhandel keine nennenswerten Wachstumsbeiträge zu erwarten sind». Die Berliner Konjunkturexperten sind damit pessimistischer als die anderen grossen Forschungsinstitute, die in ihrem Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung vergangene Woche 2,8 Prozent Wachstum für 2011 und 2,0 Prozent für 2012 vorhergesagt hatten. Derzeit ergäben sich Risiken vor allem aus den steigenden Rohstoffpreisen, betonte ZEW-Chef Franz. Zudem werde ein restriktiverer Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) befürchtet. Die aktuelle Lage wird aber im Gegensatz zu den gedämpften Erwartungen weiterhin als sehr gut bewertet: Der entsprechende Indikator stieg um 1,7 Punkte auf 87,1 Punkte. Das Zentrum befragt dazu jeden Monat rund 300 Experten.

Inflation erneut über Warnschwelle der EZB
Die Teuerungsrate lag in Deutschland getrieben vom immer höheren Energiekosten im März bei 2,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch wegen der Einführung des bei deutschen Autofahrern bisher unbeliebten Biosprits E10 kletterten die Kraftstoffpreise binnen Jahresfrist um 11,2 Prozent. Heizöl war im März sogar fast ein Drittel (32,8 Prozent) teurer, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Inflation lag damit zum dritten Mal in diesem Jahr über der Warnschwelle der EZB von knapp unter zwei Prozent. Der scheidende Bundesbank-Präsident Axel Weber hatte zuletzt Preissteigerungsraten «knapp unter drei Prozent» zum Jahresende in Deutschland nicht ausgeschlossen. In der vergangenen Woche läuteten die Notenbanker daher im Kampf gegen die Inflation die Zinswende ein. Dies wiederum macht es für Unternehmen schwerer, sich günstig frisches Kapital zu besorgen. (awp/mc/upd/ps)

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