Easyjet erwartet wegen Corona herben Jahresverlust

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(Foto: Easyjet)

Luton – Die Corona-Krise hat dem britischen Billigflieger Easyjet den ersten Jahresverlust seiner Geschichte eingebrockt. Unternehmenschef Johan Lundgren lotet derzeit weitere Geldquellen aus und hofft auf Unterstützung der britischen Regierung. Denn die Ticketnachfrage bleibt immer noch weit hinter dem Vorkrisenniveau zurück. Im laufenden Quartal werde Easyjet voraussichtlich nur ein Viertel des üblichen Flugprogramms anbieten, teilte die Rivalin von Europas grösstem Billigflieger Ryanair am Donnerstag in Luton bei London mit. Entsprechend viel Geld fehlt in der Kasse. An der Börse führten die Nachrichten zu weiteren Verlusten.

Der Kurs der wegen der Corona-Krise stark unter Druck stehenden Easyjet-Aktie fiel zuletzt um knapp drei Prozent; seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit 64 Prozent an Wert eingebüsst. Unter den grossen Fluglinien Europas gaben nur die Aktien von Air France-KLM (67 Prozent) und der British-Airways-Mutter IAG (75 Prozent) stärker nach. Mit einem Minus von 14 Prozent hat die Aktie des Konkurrenten Ryanair deutlich weniger verloren, und auch die Lufthansa-Anteile schnitten mit einem Verlust von etwas mehr als der Hälfte besser ab.

Die Signale für den Auftakt des gerade angelaufenen neuen Geschäftsjahres seien deutlich schwächer als gedacht, schrieb Branchenexperte David Perry von der US-Bank JPMorgan. Ein Medienbericht, demzufolge Easyjet um weitere Staatshilfen angefragt habe, sei bedenklich. Der Sender „Sky“ hatte berichtet, dass Easyjet mit der britischen Regierung über zusätzliche Kredite und andere Finanzhilfen spreche.

Easyjet-Chef fordert von Regierung „massgeschneidertes Massnahmenpaket“
Easyjet-Chef Lundgren forderte die Regierung am Donnerstag öffentlich auf, ein „massgeschneidertes Massnahmenpaket“ voranzutreiben. Dieses solle es Fluggesellschaften ermöglichen, eine Erholung der Wirtschaft nach der Pandemie zu unterstützen. „Der Luftverkehr sieht sich nach wie vor mit der grössten Bedrohung in seiner Geschichte konfrontiert“, sagte Lundgren.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr bis Ende September steuerte Easyjet tief in die roten Zahlen. Wegen des weitgehenden Geschäftsausfalls infolge der Pandemie stand nach vorläufigen Berechnungen vor Steuern und Sonderposten ein Verlust von 815 bis 845 Millionen britischen Pfund (895 bis 928 Mio Euro). Hinzu kommen Belastungen von 440 Millionen Pfund – vor allem durch Abschreibungen, das eingeleitete Sanierungsprogramm und den Wertverlust bei Geschäften zur Treibstoffpreissicherung.

Keine Dividende
Zu einer Prognose für das neue Geschäftsjahr, das Anfang Oktober begonnen hat, sieht sich Lundgren angesichts der unsicheren Geschäftsaussichten und der anhaltend schwachen Ticketnachfrage nicht in der Lage. Wegen der angespannten Finanzlage rät Easyjets Verwaltungsrat davon ab, für das abgelaufene Jahr eine Dividende an die Aktionäre auszuschütten. Ende September verfügte die Airline über Barreserven von rund 2,3 Milliarden Pfund und sass auf einem Schuldenberg von 1,1 Milliarden Pfund.

Wenn notwendig, will das Management weitere Finanzmittel besorgen und möglicherweise noch mehr Flugzeuge verkaufen und zurückmieten. Easyjet hat sich seit Beginn der Pandemie bereits mehr als 2,4 Milliarden Pfund an frischem Geld verschafft. Davon stammen 419 Millionen Pfund aus einer Kapitalerhöhung und 608 Millionen aus Flugzeugdeals. Auch nutzt Easyjet das staatliche britische Pandemie-Kreditprogramm.

Das Geld fliesst allerdings immer noch schnell ab. Im abgelaufenen Quartal verbrannte das Unternehmen nach eigenen Angaben weniger als 700 Millionen Pfund. Im vorangegangenen Jahresviertel waren es allerdings noch 774 Millionen Pfund. Um die Kosten zu senken, hat Easyjet bereits den Abbau von bis zu 30 Prozent der Arbeitsplätze angekündigt.

Fluggesellschaften global hart getroffen
Die Reisebeschränkungen und -verbote infolge der Pandemie haben Fluggesellschaften in aller Welt schwer getroffen. Viele können sich nur mithilfe staatlicher Hilfsgelder in der Luft halten. Deutschland stieg als Anteilseigner bei der Lufthansa ein, die jetzt mit Staatsgeldern von neun Milliarden Euro gestützt wird. Nachdem das Geschäft mit Europaflügen im Sommer wieder angelaufen war, bremsten neue Infektionswellen und darauffolgende Reisewarnungen die Erholung wieder aus. Branchenvertreter erwarten, dass die Passagierzahlen erst in einigen Jahren wieder das Niveau von 2019 erreichen. (awp/mc/ps)

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