Euro-Inflation fällt auf tiefsten Stand seit Oktober 2009

Eurozone
(Bild: WimL - Fotolia.com)

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Luxemburg – Die Inflation im Euroraum ist im Juli auf den tiefsten Stand seit Oktober 2009 gefallen. Die Jahresrate der Teuerung sank auf 0,4 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Brüssel nach einer ersten Schnellschätzung mitteilte. Ökonomen hatten im Schnitt mit einem unveränderten Wert von 0,5 Prozent gerechnet. Die Inflationsrate hat sich damit noch weiter vom Zielwert der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt, die eine Rate von knapp zwei Prozent anstrebt. Anfang Juni hatte die Notenbank noch ein Massnahmenpaket gegen die zu niedrige Inflation beschlossen.

Gedrückt wurde die Inflationsrate durch fallende Preise im Energiesektor (-1,0%) und im Nahrungsmittelsektor (-0,3%). Ein noch stärkerer Rückgang wurde durch den Anstieg der Preise im Dienstleistungssektor (+1,3%) verhindert. Die Preise für Industriegüter blieben stabil.

Kernrate verharrt erwartungsgemäss bei 0,8%
Die sogenannte Kernrate verharrte im Juli bei 0,8 Prozent. Dies war von Ökonomen erwartet worden. Bei der Kernrate werden stark schwankende Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausklammert. Sie gilt als aussagekräftig für den langfristigen Inflationstrend und wird deshalb von der EZB genau beobachtet. Eine zu niedriger Anstieg der Verbraucherpreise gilt als schädlich für das Wirtschaftswachstum und erschwert den Schuldenabbau.

Volkswirte sehen zunächst keinen weiteren Handlungsbedarf für die EZB. «Spekulationen über weitere EZB-Massnahmen sollten aber nicht verstärkt werden, zumal Teile des im Juni beschlossenen Massnahmenpakets noch umgesetzt werden müssen», schreibt Ulrich Wortberg, Volkswirt bei der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) in einem Kommentar. Die Finanzmärkte reagierten kaum auf die Daten. Angesichts des disinflationären Trends in einigen Ländern sollte sich die Notenbank jedoch in ihrer lockeren Geldpolitik bestätigt sehen. So sind in Spanien die Verbraucherpreise im Juli um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gefallen.

Keine Anzeichen für Inflationsdruck
Nach Einschätzung der Volkswirte von Capital Economics dürfte die Spar- und Reformpolitik in den Euro-Krisenländer die Inflationsrate weiter drücken. Aber auch in Deutschland gibt es keine Anzeichen für Inflationsdruck. In der grössten Volkswirtschaft der Eurozone war die Jahresinflationsrate im Juli laut Daten vom Mittwoch um 0,2 Prozentpunkte auf 0,8 Prozent gefallen. (awp/mc/ps)

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