Europas Airlines und Flughäfen vor weiteren fundamentalen Veränderungen

Flughafen Zürich
Flughafen Zürich. (Foto: Flughafen Zürich AG)

(Foto: Flughafen Zürich AG)

Zürich – Die europäischen Fluggesellschaften und Flughäfen durchleben tiefgreifende Veränderungen: Die steigende Akzeptanz der Low-Cost-Carrier sowie der Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten verändern das Wettbewerbsbild. Die hohe Preissensitivität der Privat- und Geschäftskunden wirkt sich negativ auf die Durchschnittserlöse der Fluggesellschaften aus. Hinzu kommen strengere regulatorische Rahmenbedingungen wie etwa ausgedehnte Nachtflugbeschränkungen oder zusätzliche Sicherheitsvorschriften, die den operativen Betrieb von Fluggesellschaften und Flughäfen in Europa weiter einschränken.

Darauf haben bereits viele Unternehmen aus der Luftfahrtbranche mit umfassenden Effizienz- und Restrukturierungsprogrammen reagiert. Aus diesem Grund schauen sind sie im laufenden Jahr etwas optimistischer als im vergangenen Jahr. So rechnen sowohl Passagier-Airlines als auch Flughäfen bis Jahresende mit einer steigenden Anzahl der Fluggäste, bleiben aber mit ihrer Wachstumsprognose vorsichtiger als die International Air Transportation Association (IATA).

Fracht-Volumen dürfte steigen
Lediglich im Cargo-Bereich erwarten die Befragten eine positivere Entwicklung als bei der IATA-Prognose für 2013: So gehen 83 Prozent der Cargo-Anbieter davon aus, dass das Auftragsvolumen in diesem Jahr um mehr als 2,4 Prozent wachsen wird. Doch die Experten warnen vor zu grossem Optimismus: «Was auf den ersten Blick positive Erwartungen weckt, kann grössere Risiken bergen, sollten sich der Luftverkehrsmarkt schwach entwickeln oder die Umsetzung der geplanten Massnahmen verzögern», erklärt Björn Maul, Partner von Roland Berger Strategy Consultants.

Weiter steigende Kerosinpreise befürchtet
Die Top-Entscheider sorgen sich vor allem um die Kerosinpreise: 54 Prozent fürchten, dass sie im laufenden Jahr weiter steigen werden. Dies würde die Geschäftsentwicklung der Fluggesellschaften negativ beeinflussen. Ausserdem erwartet mehr als ein Drittel der Befragten, dass die asiatischen Märkte langsamer wachsen werden als bisher – mit deutlichen Folgen sowohl für das Passagier- als auch für das Cargo-Geschäft. Doch auch eine schnellere Marktkonsolidierung (96%), eine stärkere Präsenz der Billig-Airlines (79%) sowie eine weitere Expansion der Golf-Fluggesellschaften nach Europa (88%) könnten den Wettbewerbsdruck deutlich erhöhen.

Strengere Vorschriften und Richtlinien
Eine weitere Hürde für die Marktteilnehmer stellen strengere Vorschriften und Richtlinien in fast allen Geschäftsbereichen der Branche dar. Demnach müssten etwa Flughäfen neue Nachtflugverbote durchsetzen; sowohl Passagier- als auch Cargo-Airlines sind gezwungen, mit ihrer Flotte strengere Lärmschutzvorgaben und kürzere Betriebszeiten einzuhalten – für europäische Marktteilnehmer ein grosser Nachteil im globalen Wettbewerb.

Marktteilnehmer mit unterschiedlichen Strategieschwerpunkten
Um einen Ausweg aus dieser schwierigen Marktlage zu finden, will die Luftfahrtbranche auf verschiedene Massnahmen setzen – allen voran auf ein effizienteres Kostenmanagement. So planen 80 Prozent der Passagier-Airlines, die Kosten entlang der Wertschöpfungskette weiter zu senken, um dem verschärften Wettbewerb und den Treibstoffsteigerungen entgegenzusteuern. Doch Kostensenkungen allein sind nicht ausreichend: «Die europäischen Passagier-Airlines etwa wollen auf den höheren Wettbewerbsdruck auch mit strategischen Joint-Ventures und mit neuen Pricing-Modellen und Services reagieren», sagt Roland Berger-Stratege Björn Maul. «Übernahmen in der Branche stehen derzeit nicht im Fokus.»

Cargo-Airlines hingegen sehen die Akquisition neuer Kunden durch eine grössere Produktdifferenzierung als wichtiges Ziel, um weiter zu wachsen. Zusätzlich wollen die Marktteilnehmer vor allem ihre Einkaufsprozesse verbessern und generell ihre Effizienz erhöhen.

Flughäfen nehmen Non-Aviation-Bereich stärker ins Visier
Flughäfen setzen mehrheitlich darauf, neue Kunden zu gewinnen und Erlöse im Non-Aviation-Bereich – wie zum Beispiel im Geschäft mit Läden, Immobilien und Parkhäusern – weiter auszubauen. Aber auch neue Kooperationsmodelle mit Airlines und wichtigen Lieferanten stehen bei über drei Viertel der Flughäfen auf der Massnahmenliste. «Das Wachstum der Fluggesellschaften aus dem Nahen Osten sowie der Billig-Airlines wird die Wettbewerbssituation weiter verändern», erklärt Björn Maul. «Darauf müssen Flughäfen mit strukturellen Änderungen entsprechend reagieren, wenn sie sich weiteres Wachstum für die kommenden Jahre sichern möchten.»

Download Studie «Aviation Radar 2013»

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