EY-Studie: Big Pharma vor historischen Umwälzungen

Labor

Zürich – Big Pharma steht unter Zugzwang: Gemäss einer Analyse der grössten Pharmaunternehmen durch die Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY sind die Verkäufe in den letzten beiden Jahren sowie im ersten Quartal 2014 zurückgegangen. Auch die operativen Margen sanken und liessen die Gewinne schrumpfen. Der Preisdruck der Kostenträger, eine stagnierende Nachfrage sowie die Konkurrenz durch Generika machen den Firmen zu schaffen. Kostensenkungen und Restrukturierungen sind ausgereizt. Nun nimmt die Branche eine neue Welle von Fusionen und Übernahmen in Angriff und wird dadurch grundlegend umgewälzt. Langfristig muss Big Pharma zudem enger mit den Kostenträgern zusammenarbeiten und Vertrauen aufbauen.

Verschiedene Analysen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY der grossen Pharmaunternehmen zeigen klar: Die Umsätze sanken nach einem Rückgang 2012 auch im vergangenen Jahr um 3,0 % auf noch gut 460 Mrd. Euro. Auch die Gewinne schrumpfen: Der operative Gewinn (EBIT) der 20 grössten Pharmakonzerne ging um 6,0 % auf noch 112 Mrd. Euro zurück. Und die operative Gewinnmarge sank im Jahresvergleich von 25 auf 24 %, nach einem beinahe gleich grossen Rückgang im Vorjahr.

Rückgang den Ausgaben für Forschung und Entwicklung
Die Unternehmen haben in den letzten Jahren intensive Sparbemühungen an den Tag gelegt: Sie legten verschiedene Bereiche zusammen, verkleinerten den Overhead und trimmten die ganze Organisation auf Effizienz. Folge dieser Sparbemühungen sind auch stagnierende Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E). Gemäss der Analyse von EY reduzierten die grössten 20 Pharmakonzerne der Welt 2013 ihre F&E-Ausgaben um 1,8 %. Diese hatten ihren Höhepunkt 2010 erreicht und sind seither rückläufig.

Aus eigener Kraft zu wachsen wird für Big Pharma immer schwieriger: Weltweit stehen die Arzneimittelpreise aufgrund des Sparzwangs der Kostenträger und Leistungserbringer erheblich unter Druck. Versicherungen und Zulassungsbehörden verlangen einen klar nachweisbaren Mehrwert bevor sie die Kosten für neue Medikamente übernehmen. Die Expansion in Schwellenländer bietet zwar noch Wachstumschancen – angesichts des tieferen Preisniveaus allerdings bei klar niedrigeren Margen. Zudem bevorzugen die Kostenträger immer stärker Generika statt die teureren Originalpräparate.

Schon länger suchen die grossen Pharmakonzerne nach spezialisierten Firmen mit innovativen Wirkstoffen in der Entwicklungspipeline, um auf diesem Weg zusätzliches Wachstum zu generieren und in einzelnen Marktsegmenten ihre Position zu verbessern. Ausdruck dieser intensivierten Bemühungen sind die umfangreichen Transaktionen der letzten Monate.

Weitere Konsolidierung unvermeidlich
Vor dem Hintergrund der Wachstumsschwäche von Big Pharma sei diese erhöhte Aktivität nicht überraschend – zumal die Rahmenbedingungen dafür gut sind, beobachtet Patrick Flochel, weltweiter Leiter des Pharma-Bereiches bei EY: «Die einzelnen Marktsegmente sind immer noch stark fragmentiert. Um sich langfristig erfolgreich behaupten zu können wird es immer wichtiger, sich als Unternehmen unter den grössten drei oder vier in einem Segment anzusiedeln. In kaum einer Branche ist der Konsolidierungsdruck derzeit so gross wie im Pharmasektor.» Auch das allgemeinwirtschaftliche Umfeld stimmt. Es herrscht noch immer ein niedriges Zinsniveau und die Börsen sind weiterhin freundlich.

«Die Aktienmärkte belohnten in den vergangenen Jahren Pharmaunternehmen, die strategisch sinnvolle Akquisitionen getätigt, ihre Portfolios fokussiert und ihr Kapital effizient eingesetzt haben», erläutert Flochel. Ein weiteres Momentum verstärkt gemäss Flochel den aktuellen historischen Umbruch in der Pharmabranche: «Die grossen Player haben in den letzten Jahren nur wenig zugekauft, dank guten Gewinnen, gestiegenen Aktienbewertungen, Kosteneinsparungen und Schuldenrückzahlungen sind ihre Kassen nun gefüllt und ihre Übernahmekraft gestärkt. Um nicht hinter dem Wachstum des Gesamtmarkts zurückzubleiben, halten sie verstärkt Ausschau nach Firmen und Sparten, die zum bestehenden Portfolio passen.» US-Unternehmen mit Bargeldreserven im Ausland haben zudem die Möglichkeit, bei Akquisitionen in Europa Steuernachteile in der Heimat zu vermeiden.

Zusammenarbeit mit Kostenträgern und Vertrauensfrage
Um auch langfristig erfolgreich zu sein, müssen Pharmaunternehmen enger mit den Kostenträgern zusammenarbeiten. Letztere sind gemäss einer Umfrage von EY davon überzeugt, dass Pharmaunternehmen entscheidend dazu beitragen können, Gesundheitskosten zu senken und Therapieresultate zu verbessern. «Die Kostenträger wollen Lösungen, die den ganzen Behandlungszyklus abdecken und mit denen sich Produkte unterschiedlicher Hersteller objektiv vergleichen lassen», sagt Flochel.

Wollen Pharmaunternehmen mehr auf die Anforderungen der Kostenträger und Leistungserbringer eingehen, gelingt dies nur, wenn das herrschende Misstrauen überwunden werden kann: Die Umfrage zeigt nämlich, dass das Vertrauen der Kostenträger und der Öffentlichkeit in die Pharmaindustrie derzeit massiv gestört ist. «Eine der grössten Herausforderung für die Pharmaindustrie liegt darin, Vertrauen wiederzuerlangen», ist Flochel überzeugt. (EY/mc/ps)

Umfragemethode  
Für die Studie Progressions 2014 befragte EY je 30 Kostenträger in den USA und in Europa sowie 18 Vertreter von Pharmaunternehmen aus Funktionsbereichen wie Marktzugang und Managed Care. Die Umfrage wurde im Januar 2014 durchgeführt. Ergänzt wurde sie von ausführlichen Interviews mit über 30 internationalen Führungskräften aus Ländern wie den USA, Deutschland, Grossbritannien, der Schweiz, den Niederlanden und Frankreich.
http://www.ey.com/progressions2014

Über die globale EY-Organisation
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