Absatzkrise hat Autobauer voll erfasst

Alan Mulally

Ford-Chef Alan Mulally.

Köln / Stuttgart – Die Absatzkrise in Europa zwingt die Autohersteller zu immer härteren Einschnitten. Wegen der seit Monaten zurückgehenden Kauflaune in Europa rechnet Ford 2012 mit einem Verlust von mehr als 1,5 Milliarden US-Dollar und schliesst drei Werke. Betroffen sind insgesamt mehr als 6.000 Jobs. Der erfolgsverwöhnte Stuttgarter Autobauer Daimler schraubt wegen schrumpfender Gewinne seine Erwartungen nach unten und spart kräftig. Gänzlich unbeeindruckt von den Turbulenzen präsentiert sich Porsche . Der Sportwagenbauer hat vor allem eines im Blick: Rekorde am laufenden Band.

Von solch positiven Nachrichten ist Ford meilenweit entfernt. Zu dem am Donnerstag bekanntgegebenen Milliarden-Verlust kündigte Ford Europe zudem an, zwei kleinere Werke in Grossbritannien – in Southampton und in Dagenham – dichtmachen zu wollen. Bereits am Mittwoch hatte das Unternehmen angekündigt, seinen Standort Genk in Belgien schliessen zu wollen.

Ford will durch Schliessungen 500 Mio Dollar jährlich einsparen
Die tiefroten Zahlen seien vor allem ein Resultat des strategischen Abbaus der Fahrzeugflotten bei den Händlern im vierten Quartal. Die Werksschliessungen sollen helfen, die Überkapazitäten in der Produktion an den europäischen Standorten abzubauen. So werde die derzeit installierte Kapazität um 18 Prozent oder 355.000 Fahrzeuge schrumpfen. Die angestrebten Einsparungen durch die geplanten Werksschliessungen bezifferte Ford auf eine Summe von bis zu 500 Millionen US-Dollar jährlich.

«Wir werden die Krise in Europa mit einem Fokus auf neue Produkte, einer stärkeren Marke und einer verbesserten Kosteneffizienz angehen», sagte Ford-Chef Alan Mulally laut Pressemitteilung. Ford wisse um die Auswirkungen der Pläne auf viele Beschäftigte und deren Familien.

Uebber: «Kurzfristig geht es in erster Linie um Ergebnissicherung»
Daimler-Chef Dieter Zetsche verordnet dem Autobauer ein milliardenschweres Sparprogramm. Als Reaktion auf die Absatzkrise schraubte der Manager die Erwartungen auf breiter Front nach unten. Der Dax-Konzern plant, keinen Bereich seiner schwächelnden Kernmarke Mercedes zu verschonen. Auch die Grösse der Belegschaft wird hinterfragt. Gut eine Milliarde Euro will Daimler schon 2013 freischaufeln, 2014 soll noch einmal eine ähnlich hohe Summe folgen.

«Kurzfristig geht es in erster Linie um Ergebnissicherung», kündigte Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber am Donnerstag in Stuttgart an. «Alle Ausgaben kommen auf den Prüfstand – mit einem Kriterium: Was unsere Wettbewerbsfähigkeit stärkt, wird gemacht.» Aufgrund einer E-Mail-Panne in den USA waren Teile davon allerdings schon am Vortag bekanntgeworden. Die Börse strafte Daimler ab.

Uebber: «Wir können momentan die Markteinflüsse nicht ignorieren»
Allein im dritten Quartal war der Gewinn um 11 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro eingebrochen. Die Schwaben rechnen daher künftig nur noch mit einem operativen Ergebnis von ungefähr 8 Milliarden Euro, was rund 9 Prozent unter dem Vorjahreswert wäre. Eigentlich wollte Daimler das Niveau von 2011 erneut erreichen. Damals waren aus dem laufenden Geschäft rund 8,75 Milliarden Euro geblieben.

«Wir können momentan die Markteinflüsse nicht ignorieren», sagte Uebber. «Wir können uns nicht hinstellen und sehen, dass ganz Europa runtergeht, und an Zielen festhalten, die dann nicht realistisch sind.» Das geplante Spar- und Effizienzprogramm mit dem Namen «Fit for Leadership» soll zunächst helfen, Gewinn und Profitabilität in der Autosparte zu steigern. Daimler hatte zuletzt auch seine Renditeziele kassieren müssen.

Porsche kratzt an alten Bestmarken von 2011
Dagegen kratzt der Sportwagenbauer Porsche bei Umsatz und operativem Gewinn schon nach neun Monaten an den alten Bestmarken von 2011. Der Start ins letzte Viertel des laufenden Jahres werde mit Rekorden in allen Bereichen in Angriff genommen, wie die seit August komplett zu Volkswagen gehörende Luxuswagenschmiede in Stuttgart mitteilte. (awp/mc/upd/ps)

 

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