Griechischer Aussenminister reist nach Berlin

Stavros Lambrinidis

Athen – Griechenland will bei Deutschen und Österreichern um Sympathien für seinen Kampf zur Überwindung der Schuldenkrise werben. Der Athener Aussenminister Stavros Lambrinidis reist an diesem Dienstag nach Berlin und am Donnerstag nach Wien, um dort die Sparvorhaben der griechischen Regierung zu erläutern.

«Die öffentliche Meinung in Deutschland und Österreich ist uns sehr wichtig», sagte der Minister am Montag in Athen. «Allerdings glaube ich nicht, dass wir die Meinung der einfachen Leute auf der Strasse von einem Tag auf den anderen ändern können», meinte Lambrinidis. «Es ist derzeit eine schwierige Angelegenheit, die Haltung unseres Landes darzustellen.» Der Aussenminister wird in Berlin nach eigenen Angaben mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle (FDP), dem SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und dem Grünen-Vorsitzenden Cem Özdemir zusammenkommen.

Übergriffe auf Abgeordnete in Griechenland
Nach der Verabschiedung des drastischen Sparprogramms in Griechenland sind Medienberichten zufolge mehrere Abgeordnete zum Ziel von Übergriffen radikaler Gegner des Vorhabens geworden. In Lamia im Zentrum des Landes wurde der sozialistische Parlamentarier, der für die Sparbeschlüsse gestimmt hatte, nach einem Parteitreffen der regierenden Sozialisten von einer Menschenmenge geschlagen und mit Kaffee und Joghurt übergossen. Wie die Zeitung «Eleftherotypia» am Montag berichtete, suchte der Politiker in einem Wohnhaus Zuflucht. Von dort konnte ihn die Polizei in Sicherheit bringen.

«Fahndungsplakate»
In der mittelgriechischen Stadt Trikala beschmierten Anhänger der Protestbewegung der «Empörten» die Büros von fünf sozialistischen Abgeordneten mit Farbe. In Komotini und Alexandroupolis klebten Gegner der Sparbeschlüsse «Fahndungsplakate», auf denen mehrere Parlamentarier als «Verbrecher» beschimpft wurden, an die Hauswände. Am vorigen Freitag waren in Chania die Büros aller Abgeordneten aus der Stadt auf Kreta verwüstet worden. Am Mittwoch war ein Parlamentarier in Athen unmittelbar nach der Verabschiedung des Vorhabens von Demonstranten mit Wasser übergossen worden. Die Sparbeschlüsse hatten den Weg für die Gewährung weiterer Milliarden-Kredite für Griechenland frei gemacht und das Land vor einem Staatsbankrott bewahrt.  (awp/mc/upd/ps)

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