HeidelbergCement muss Milliarden abschreiben

HeidelbergCement muss Milliarden abschreiben
Einbringen von Farbbeton am Frankfurter Flughafen Fraport. (Bild: HeidelbergCement)

Heidelberg – Der Baustoffkonzern HeidelbergCement muss im Zuge der Corona-Krise Milliarden abschreiben. Der überwiegende Teil betrifft dabei die zwei grossen Übernahmen aus den vergangenen Jahren, Hanson und Italcementi, wie das Unternehmen am Montagabend in Heidelberg mitteilte. Die Wertberichtigungen belaufen sich dabei auf insgesamt 3,4 Milliarden Euro. Den grössten Batzen muss HeidelbergCement dabei in Grossbritannien abschreiben. Hier belastet nicht nur die Corona-Krise, sondern auch der anstehende Brexit.

Die Aktie verlor am Dienstagmorgen zeitweise knapp 2 Prozent. Für Marktteilnehmer dürfte dieser Schritt nicht gänzlich überraschend kommen, erläuterte Robert Gardiner von Davy Research. Jedoch seien die Abschreibungen empfindlich hoch. Das sei unabhängig der aktuellen Umstände eine bittere Pille für die Aktionäre.

Reinen Tisch machen?
Elodie Rall von JPMorgan vermutet, dass der erst seit Februar amtierende Chef Dominik von Achten vor dem Mitte September geplanten Kapitalmarkttag reinen Tisch machen will. Dann will der Nachfolger des langjährigen Unternehmenschef Bernd Scheifele seine Strategie für den Baustoffkonzern für die kommenden Jahre vorlegen.

Zwei Drittel der Wertberichtigungen belaufen sich dabei auf die Übernahmen von Hanson und Italcementi. Rund die Hälfte – Davy Research schätzt rund 1,8 Milliarden Euro – muss HeidelbergCement dabei insgesamt auf britische Aktivitäten im Zusammenhang mit der Hanson-Übernahme wertberichtigen. Der Konzern hatte Hanson 2007 kurz vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise für einen niedrigen zweistelligen Milliardenbetrag gekauft. Die Übernahme der italienischen Italcementi liess sich HeidelbergCement 2016 ebenfalls Milliarden kosten.

Sparprogramm am Laufen
Die Wertminderung sei dabei unabhängig von der kurzfristigen operativen Entwicklung des Unternehmens, erklärte HeidelbergCement. Der Dax-Konzern hatte Ende Februar ein Sparprogramm aufgesetzt, um die Kosten zu senken und die Liquidität zu sichern. Die Massnahmen, etwa geringere Personalaufwendungen, freiwillige Kürzungen der Management-Gehälter, die Beschränkung von Investitionen sowie geringere Steuerzahlungen – sollen bereits kurzfristig greifen. Die Belastungen durch die Absatzrückgänge im zweiten Quartal will HeidelbergCement damit teilweise kompensieren. Langfristig rechnet der Baustoffhersteller weiterhin mit guten Geschäftsaussichten.

Das Unternehmen will am 30. Juli seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegen. Die Analysten von JPMorgan rechnen dabei mit einem vergleichbaren Rückgang des operativen Ergebnisses (Ebitda) von rund 36 Prozent. Seinen Ausblick auf 2020 hat das Unternehmen im März zurückgezogen. (awp/mc/ps)

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