HeidelbergCement verdient kräftig

Bernd Scheifele

Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender HeidelbergCement. (Foto: HeidelbergCement)

Heidelberg – Nach einem Gewinnsprung im Jahr 2015 blickt der Baustoffkonzern HeidelbergCement zuversichtlich in die Zukunft. «Wir werden auch 2016 von der wirtschaftlichen Entwicklung in den Industriestaaten profitieren, insbesondere in Nordamerika und Grossbritannien», sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele bei der Vorlage vorläufiger Zahlen zum Gesamtjahr 2015 am Dienstag. Für den Heimatmarkt Deutschland gehen die Heidelberger von einer weiterhin robusten Konjunktur aus. In Osteuropa soll die Nachfrage nach Baustoffen nicht zuletzt dank eines EU-Infrastrukturprogramms steigen. Aber auch in Indonesien erhofft sich die im Dax notierte Gesellschaft wieder bessere Geschäfte.

Während viele europäische Länder vom niedrigen Ölpreis profitierten, bleibe die Lage in Russland und Kasachstan aber schwierig, warnte das Unternehmen. Beide Länder sind stark von der Ölförderung abhängig. Zudem erwartet HeidelbergCement, dass die Nachfrage in China weiter zurückgeht. Zusätzlichen Auftrieb soll hingegen die geplante milliardenschwere Übernahme des Konkurrenten Italcementi bringen.

Noch mehr Synergien bei Übernahme
Bei der geplanten Übernahme der Italiener kommt HeidelbergCement gut voran. Aufgrund zusätzlich identifizierter Einsparmöglichkeiten in einer Vielzahl von Bereichen rechnet das Unternehmen jetzt mit Synergien von 400 Millionen Euro. Darin enthalten seien positive Effekte aus Finanzierungskosten und Steuern. Bereits Ende Dezember hatte Unternehmenschef Bernd Scheifele in einem Interview Einsparungen in dieser Höhe in Aussicht gestellt, die ab 2018 dann voll wirksam werden sollen. Vorher galten 300 Millionen Euro als Zielvorgabe.

Durch eine bessere Auslastung der Zementwerke von Italcementi und die Zusammenlegung mit Verkaufsstellen von HeidelbergCement im Mittelmeerraum sollen die Kosten sinken. Bei der Ankündigung der geplanten Übernahme war der Dax-Konzern von zunächst nur 175 Millionen Euro an Synergien ausgegangen. Die Aktie legte im frühen Handel um 4,2 Prozent zu.

Wettbewerbsbehörden
Die Wettbewerbsbehörden in Indien, Kanada, Marokko und Australien hätten die Übernahme bereits genehmigt, hiess es weiter. Die Gespräche mit den Behörden in den USA und in Europa dauerten aktuell noch an. In einem ersten Schritt will HeidelbergCement wie geplant den 45-Prozent-Anteil der Finanzholding der Familie Pesenti im ersten Halbjahr des laufenden Jahres erwerben und anschliessend den verbliebenen Italcementi-Aktionären ein Pflichtangebot machen.

Ende Juli 2015 hatte HeidelbergCement die milliardenschwere Übernahme der Italiener bekanntgegeben und damit die Finanzmärkte überrascht. Die Deutschen wollen mit der 3,7 Milliarden Euro schweren Transaktion zur Nummer fünf der Zementbranche werden. Bei Zuschlagsstoffen wie Sand, Kies und Schotter werden sie sogar wieder die Nummer eins. Für die Finanzierung der Übernahme stehe weiterhin eine Brückenfinanzierung von jetzt 2,7 Milliarden Euro zur Verfügung, teilte HeidelbergCement mit.

Gewinnsprung 2015
2015 verdiente HeidelbergCement dank seines Sparkurses, Preiserhöhungen und günstigen Wechselkursen im Tagesgeschäft deutlich mehr. Zudem liefen die Geschäfte in den USA, West- und Nordeuropa sowie Afrika besser. «2015 war für HeidelbergCement das mit Abstand beste Jahr seit der Finanzkrise», sagte Scheifele. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte nach ersten Berechnungen um 14,2 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro zu. Damit übertraf das Unternehmen die Erwartungen von Analysten.

Der Umsatz kletterte um 6,7 Prozent auf knapp 13,5 Milliarden Euro. Rechnet man allerdings die positiven Währungseffekte aufgrund der Euro-Schwäche heraus, dann wären die Erlöse leicht geschrumpft. Während HeidelbergCement von einer besseren Baustoffnachfrage in Grossbritannien und im Norden der USA profitierte, machten in Russland und in der Ukraine vor allem die Abwertungen der Währungen und sinkende Preise zu schaffen. (awp/mc/upd/ps)

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