HeidelbergCement verdient operativ weniger

Bernd Scheifele

Bernd Scheifele, Vorstandsvorsitzender HeidelbergCement.

Heidelberg – Der Baustoffkonzern HeidelbergCement hat im zweiten Quartal wie bereits seine Konkurrenten auch die höheren Energie- und Rohstoffkosten zu spüren bekommen. Während das operative Ergebnis im Zeitraum April bis Juni im Vergleich zum Vorjahr sank, legten Umsatz und Nettogewinn zu.

Mit seinen Zahlen verfehlte die im Dax notierte Gesellschaft überwiegend die Schätzungen der von dpa-AFX befragten Analysten. Die HeidelbergCement-Aktien gab im frühen Handel um mehr als drei Prozent nach.

Anhaltend hohe Energie- und Rohstoffkosten
«Trotz einer positiven Umsatz- und Ergebnisentwicklung sind wir mit dem zweiten Quartal nicht zufrieden», sagte Unternehmenschef Bernd Scheifele am Freitag in Heidelberg. Das Unternehmen habe die höheren Energiekosten im Zement-Geschäft nicht mit den bislang durchgeführten Preiserhöhungen ausgleichen können. Auch für die zweite Jahreshälfte rechnet Scheifele mit anhaltend hohen Energie- und Rohstoffkosten. Zudem erwartet er eine Zunahme der Inflation vor allem in den Schwellenländern und steigende Personalkosten unter anderem in Asien. Dennoch hält Scheifele an den Jahreszielen fest und peilt für seinen Konzern Zuwächse bei Umsatz und operativem Ergebnis vor Abschreibungen (EBITDA) an.

Sparkurs bleibt
Auch zukünftig will der HeidelbergCement-Chef am Sparkurs festhalten und Preise erhöhen. Zudem will er die Verschuldung weiter senken. Im ersten Halbjahr konnte der Baustoffkonzern die Kosten um 134 Millionen Euro senken. Die Nettoverschuldung sank bis Ende Juni im Jahresvergleich um knapp eine halbe Milliarde Euro auf 8,57 Milliarden Euro. Zuletzt beschäftige HeidelbergCement 54.539 Mitarbeiter weltweit, fast 1.000 mehr als noch vor einem Jahr. Von einem anhaltend starken Wachstum geht der Heidelberg-Chef weiterhin in Asien vor allem in China, Indonesien und Indien aus. Auch in Afrika rechnet er mit weiteren deutlichen Zuwächsen. Der Baustoffkonzern betreibt unter anderem in Tansania, Ghana und der Demokratischen Republik Kongo Produktionsanlagen. In den Krisenregionen wie Libyen ist HeidelbergCement nicht tätig.

Schuldenkrise belastet US-Geschäft
In Nordamerika hinterlässt hingegen die Schuldenkrise in den USA ihre Spuren. Der nordamerikanischen Zementverbands PCA zeigte sich laut HeidelbergCement zuletzt weniger zuversichtlich für den US-Zementabsatz und rechnet nun nur noch mit einer sehr geringen Erholung für 2011 und 2012. Von einem deutlich besseren Geschäft gehen hingegen die Heidelberger wegen der starken Wirtschaft vor allem in Deutschland und Skandinavien aus. Während der Konzern in Ungarn und Rumänien von einer anhaltend schwachen Entwicklung ausgeht, erwartet er eine steigende Nachfrage vor allem in Polen und Zentralasien.

Nettogewinn steigt

Im zweiten Quartal sank der operative Gewinn vor Abschreibungen (EBITDA) um 6,1 Prozent auf 651 Millionen Euro. Analysten waren im Schnitt von 683 Millionen Euro ausgegangen. Unter dem Strich stand ein Gewinn nach Minderheiten in Höhe von 159 Millionen Euro nach 120 Millionen Euro im Vorjahr. HeidelbergCement profitierte dabei vor allem von niedrigeren Finanzierungskosten. Der Umsatz kletterte von 3,296 Milliarden auf 3,394 Milliarden Euro – das war ein Plus von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch HeidelbergCement machten im zweiten Quartal ungünstige Wechselkurse zu schaffen. Ohne diesen Effekt stiegen die Erlöse um sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Zement- und Klinkerabsatz nahm um 8,2 Prozent auf 23,7 Millionen Tonnen zu. Zum Zuwachs trugen vor allem die Regionen Osteuropa-Zentralasien, West- und Nordeuropa, Asien-Pazifik und Afrika-Mittelmeerraum bei. (awp/mc/ps)

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