Ifo-Index fällt auf den tiefsten Stand seit 2012 – Rezession droht

Ifo-Index fällt auf den tiefsten Stand seit 2012 – Rezession droht
Ifo-Präsident Clemens Fuest. (Foto: Ifo / Flickr)

München – Der Pessimismus in der deutschen Wirtschaft nimmt immer mehr zu. Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China hat das vom Ifo-Institut erhobene Geschäftsklima im August auf den tiefsten Stand seit 2012 gedrückt. Das Ifo-Geschäftsklima fiel um 1,5 Punkte auf 94,3 Zähler, wie das Forschungsinstitut am Mittwoch in München mitteilte. Es ist der fünfte Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers in Folge. Analysten hatten im Schnitt nur mit einem Rückgang auf 95,1 Punkte gerechnet.

„Die Sorgenfalten der deutschen Wirtschaft werden immer tiefer“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Die Anzeichen für eine Rezession in Deutschland verdichten sich.“ Ökonomen sprechen von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt zwei Quartale in Folge schrumpft. Im zweiten Quartal war die Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent zurückgegangen.

Trübe Aussichten für die Industrie
Besonders trübe sieht es in der Industrie aus. „Ein ähnlicher Pessimismus unter den Industriefirmen war zuletzt im Krisenjahr 2009 zu beobachten“, so Fuest. Bei keiner der deutschen Schlüsselindustrien zeigten sich Lichtblicke. Vor allem die Industrie leidet unter der schwächelnden Weltwirtschaft.

Als wichtigsten Belastungsfaktor sehen Ökonomen den Handelskonflikt zwischen den USA und China. „Der jüngste Schlagabtausch begräbt die Hoffnung auf eine konjunkturelle Erholung im wichtigen deutschen Absatzmarkt China“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Es bestehe die Gefahr, dass der Konflikt zu einem Dauerzustand werde. „Damit fehlen der exportorientierten deutschen Industrie, die seit anderthalb Jahren unter dem nachlassenden Schwung im China-Geschäft leidet, wichtige Impulse“, so Krämer

Kein Silberstreif am Horizont
„Der berühmte Silberstreif am Horizont fehlt leider“, kommentierte Chefvolkswirt Thomas Gitzel, von der VP Bank. „Donald Trump scheint beim Thema Handel auf volle Eskalation zu setzen, auch wenn kurzzeitig immer wieder Hoffnungen auf eine Beilegung der Handelskonflikte aufkommen.“ Die Exportabhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft werde derzeit zum Bumerang, so Gitzel. Jetzt sei die Bundesregierung am Zug. Sie täte gut daran, kräftig in die Infrastruktur zu investieren.

Die Unternehmen schätzen ihre aktuelle Lage und die künftige Entwicklung auf Sicht von sechs Monaten negativer ein. Die Beurteilung der aktuellen Lage fiel im August um 2,3 Punkte auf 97,3 Punkte. Die Erwartungen verschlechterten sich um 0,8 Punkte auf 91,3 Punkte. Bei beiden Werten hatten Volkswirte einen weniger deutlichen Rückgang erwartet. Die Kursreaktionen an den Finanzmärkten hielten sich in Grenzen.

Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator gilt gemeinhin als verlässliche Schätzgrösse für das künftige Wirtschaftswachstum in der grössten Volkswirtschaft Europas. (awp/mc/ps)

Ifo-Institut

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