Inferno im Paradies: Dutzende Tote auf Maui

Inferno im Paradies: Dutzende Tote auf Maui
Lahaina wurde fast vollständig ein Raub der Flammen.

Washington / Honolulu – Auf der kleinen Insel Maui im US-Bundesstaat Hawaii herrscht der Ausnahmezustand. «Jeder, den ich kenne und liebe, jeder, mit dem ich verwandt bin, mit dem ich Kontakt habe, meine Kollegen, Freunde, Familie – wir alle sind obdachlos», schildert Inselbewohner Dustin Kaleiopu dem US-Sender CNN. Auch das Haus seiner Familie sei in den Flammen zerstört worden. Zu einigen seiner Angehörigen habe er noch keinen Kontakt herstellen können. So viele Menschen seien weiterhin nicht erreichbar, sagt Kaleiopu am Donnerstag.

Mindestens 53 Menschen sind Lokalbehörden zufolge bislang bei den verheerenden Busch- und Waldbränden auf Maui ums Leben gekommen, viele Menschen werden noch vermisst. Alle Opfer seien in der am stärksten betroffenen Küstenstadt Lahaina im Nordwesten Mauis gestorben, teilte der Bezirk Maui County mit. Der bei Touristen beliebte historische Ort sei weitgehend zerstört. «Wir haben kein Lahaina mehr, es ist weg», berichtet Kaleiopu. Es sei eine unausgesprochene Tatsache», dass die Zahl der Todesopfer viel höher liege, sagt er.

Der Gouverneur von Hawaii, Josh Green, sagte dem US-Sender CNN, dass möglicherweise bis zu 1700 Gebäude in dem Küstenort abgebrannt sind. Der Sachschaden gehe in die Milliarden.

Katastrophen-Hilfe
US-Präsident Joe Biden sagte am Donnerstag Hawaii Katastrophen-Hilfe der Regierung zu. Die Betroffenen der verheerenden Brände sollen finanzielle Unterstützung vom Bund bekommen. Die Katastrophenschutzbehörde Fema ist vor Ort.

In Hawaii geborene oder lebende Prominente reagierten geschockt. «Es ist schwer, einige der Bilder zu sehen, die aus Hawaii kommen – einem Ort, der für so viele von uns etwas Besonderes ist», schrieb etwa der ehemalige US-Präsident Barack Obama auf Twitter. «Michelle und ich sind in Gedanken bei allen, die einen geliebten Menschen verloren haben, oder deren Leben auf den Kopf gestellt wurde». Unter dem Post verlinkte er die Seite einer Spendenorganisation. Der «Game of Thrones»-Schauspieler Jason Momoa (44) schrieb, er sei «erschüttert und untröstlich» und rief zum Spenden auf.

Lahaina verwüstet
Riesige Rauchschwaden hingen über den sonst so paradiesisch anmutenden Palmenstränden, Einwohner und Touristen brachten sich vor den Flammen in Sicherheit. Mehrere Hundert Familien verloren den Behörden zufolge ihre Häuser. Zudem wurden Menschen mit Brandverletzungen und Rauchvergiftungen in Krankenhäuser gebracht. Hawaii News Now berichtete am späten Mittwoch, das Feuer in Lahaina sei weiter aktiv und ausser Kontrolle. Zudem gebe es auf der Insel zwei weitere grosse Feuer, die nicht unter Kontrolle seien. Feuer wüteten auch auf der östlich gelegenen Nachbarinsel Hawaii, der grössten Insel des gleichnamigen Bundesstaats. Für die beiden Bezirke Maui und Hawaii wurde der Notstand ausgerufen.

Augenzeugen beschrieben apokalyptische Szenen in Lahaina, gewöhnlich ein malerisches Touristenziel. Auf der Flucht vor schnell um sich greifenden Flammen seien Menschen ins Meer gesprungen. Die Küstenwache teilte später laut dem US-Sender CNN mit, dass mehr als ein Dutzend Menschen aus dem Wasser gerettet wurden. Weite Teile des historischen Ortes mit etwa 10 000 Einwohnern seien zerstört worden, auch der Hafen und Umgebung hätten Schaden erlitten, schrieb der Bezirk Maui in einer weiteren Mitteilung vom Mittwoch.

Hurrikan trieb Brände an
Naturkatastrophen im Paradies – davon bleiben die Inseln der Kette im Pazifik, die etwa 3800 Kilometer von der US-Westküste entfernt liegen, ohnehin nicht verschont. Der 50. Bundesstaat mit seinen etwa 1,4 Millionen Einwohnern wird häufiger von Hurrikans, Sturmfluten und Vulkanausbrüchen heimgesucht. Die Ursache für die jetzt wütenden Feuer ist nicht bekannt. Mitverantwortlich für die rasch um sich greifenden Brände sei der Hurrikan Dora, der südlich der Inseln vorbeiziehe, so die Behörden.

US-Präsident Joe Biden sagte Hawaii Hilfe der Regierung zu. Die Nationalgarde und die Marine stünden den Einsatzteams zur Seite. Das Verkehrsministerium werde dabei helfen, Urlauber von Maui auszufliegen, hiess es in einer Mitteilung. Bis zu 10 Millionen Touristen besuchen Zahlen der US-Behörden zufolge jährlich den Archipel. «Diese Waldbrände und all die schweren Stürme, die wir immer wieder erleben, sind definitiv eine Folge der steigenden Temperaturen auf der ganzen Welt», sagte der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrats, John Kirby, am Donnerstag. (awp/mc/pg)

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