Italiener strafen Rechtsparteien ab – Triumph für Politkomiker

Beppe Grillo

Politkomiker Beppe Grillo – Jetzt gilt es, Verantwortung zu übernehmen.

Rom – Die Italiener haben bei den Bürgermeisterwahlen in 118 Städten und Gemeinden dem Populisten Beppe Grillo einen Triumph beschert und die etablierten Parteien abgestraft. Die Rechtsparteien erlitten eine Schlappe. Die Linken konnte einige Erfolge verbuchen.

In Parma zog der Kandidat von Grillos «Fünf-Sterne-Bewegung«, Federico Pizzarotti, mit 60 Prozent ins Rathaus ein. Er ist der erste Bürgermeister der Protestgruppierung um den Politkomiker in einer grösseren Stadt. Auch in Mira in der Provinz Venetien und in Comacchio in der Provinz Ferrara wurden «Grillini» Bürgermeister, wie das Innenministerium in Rom nach der am Montagnachmittag beendeten Wahl mitteilte. Die Bewegung gewann damit in insgesamt drei von fünf Kommunen, in denen sie zur Stichwahl angetreten war. Grillo hat sich stets gegen Regierungschef Mario Monti und die etablierten Parteien gestellt.

Anti-Mafia-Kämpfer und Monti-Gegner in Palermo an der Spitze
In Palermo gewann wie erwartet der populäre Politiker Leoluca Orlando von der Mitte-links-Partei IdV (Italien der Werte), ebenfalls ein Gegner von Monti. Orlando, der als Kämpfer gegen die Mafia bekannt geworden war, stand schon dreimal an der Spitze der sizilianischen Stadt und erhielt 72,4 Prozent. In Genua konnte sich Marco Doria durchsetzen, der für die Mitte-Links-Partei PD (Demokratische Partei) angetreten war, er holte 59,7 Prozent.

Rechtsparteien die grossen Verlierer
Verlierer sind die bis vor einem halben Jahr regierenden Rechtsparteien PdL (Volk der Freiheit) und die populistische Lega Nord. Die PdL verlor viele Orte, in denen sie traditionell am Ruder war. Die Lega konnte sich bei der Stichwahl in keiner der sieben Kommunen durchsetzen, in denen ihre Kandidaten angetreten waren. Die Partei wird von einem Skandal um verschwundene Parteigelder und Korruption erschüttert. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem gegen Parteigründer Umberto Bossi und seine Söhne Riccardo und Renzo.

Es war die erste Wahl seit dem Rücktritt von Ministerpräsident Silvio Berlusconi im vergangenen November. Sie galt auch als Stimmungstest für die Politik der Expertenregierung von Mario Monti. Die Wahlbeteiligung war gering. Rund 51,4 Prozent der Stimmberechtigten gingen an die Urnen, in der ersten Wahlrunde vor zwei Wochen waren es noch 65,4 Prozent gewesen. Das Ministerium betrachtet bei diesen Zahlen allerdings stets nur 100 Kommunen auf dem Festland ohne Sizilien. Insgesamt waren rund 4,5 Millionen Bürger an die Urnen gerufen. (awp/mc/pg)

Blog von Beppe Grillo: Gnocchi fritti a Parma

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