IWF senkt Wachstumserwartungen erneut

Christine Lagarde
IWF-Direktorin Christine Lagarde. (Foto: IWF / Flickr)

IWF-Direktorin Christine Lagarde. (Foto: IWF / Flickr)

Washington –   Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Erwartungen an das globale Wirtschaftswachstum abermals reduziert. Wie der IWF am Dienstag in Washington mitteilte, dürfte die Weltwirtschaft in diesem Jahr um 3,1 Prozent und 2016 um 3,6 Prozent wachsen. Das sind jeweils 0,2 Prozentpunkte weniger als noch im Juli angenommen. Während sich die Konjunktur in den Industrienationen tendenziell erhole, trübe sie sich in den Schwellenländern ein.

Sechs Jahre nach der schwersten Rezession der Nachkriegszeit sei ein gleichmässiges und robustes Wachstum der Weltwirtschaft immer noch sehr schwer zu erreichen, sagte IWF-Chefökonom Maurice Obstfeld. Zudem seien die Wachstumsrisiken grösser als noch vor wenigen Monaten. Dies sei im Wesentlichen auf drei Faktoren zurückzuführen: den wirtschaftlichen Wandel Chinas mit all seinen Problemen, den starken Fall der Rohstoffpreise sowie die sich abzeichnende Zinswende in den USA.

Schweizer Wachstumserwartung erhöht
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumsprognosen für die Schweiz erhöht. Die Ökonomen rechnen für die Schweiz neu mit einem Wachstum von 1,0% im laufenden Jahr und von 1,3% im Jahr 2016. Im April war der IWF von 0,8% im laufenden und 1,2% im nächsten Jahr ausgegangen. Im Sog der Konjunkturabkühlung in China werde das Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt dieses Jahr aber an Fahrt verlieren, teilt der IWF am Dienstag mit.

Brasilien und Russland schrumpfen
Besonders deutlich senkte der IWF seine Wachstumsprognose für Brasilien. Die grösste Volkswirtschaft Lateinamerikas dürfte 2015 um 3,0 und 2016 um 1,0 Prozent schrumpfen. Ähnlich pessimistisch bewertet der Fonds die Aussichten für Russland. Die USA dürften dieses Jahr um robuste 2,6 und im kommenden Jahr um 2,8 Prozent wachsen. Auch das Wachstum im Euroraum wird der Prognose zufolge mit jeweils rund eineinhalb Prozent solide bleiben. Deutschland dürfte ähnlich stark wachsen.

Risiko fallender Öl- und Rohstoffpreise
Der IWF sieht allerdings das Risiko, dass seine Wachstumserwartungen kurzfristig eher enttäuscht werden. Als ein Risiko nennt der Fonds weiter fallende Öl- und Rohstoffpreise. Dies würde zwar den importierenden Ländern zugute kommen, andererseits aber zusätzlichen Druck auf Rohstoffexporteure ausüben. Auch könnte ein weiter aufwertender US-Dollar Kreditnehmer unter Druck setzen, die sich in der amerikanischen Währung verschuldet haben. Hierzu zählen in erster Linie Unternehmen aus den Schwellenländern.

Wirtschaftlicher Umbau Chinas bremst
Der wirtschaftliche Umbau in China und schwache Signale aus den Schwellenländern dämpfen die Weltwirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognose für das laufende sowie das darauffolgende Jahr nach unten korrigiert, wie er am Dienstag mitteilte. Der IWF geht für 2015 von einem Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent in der Welt aus, anstelle von 3,3 Prozent in der Juli-Prognose. „Wenn man die Risiken abwägt, zeigt die Tendenz noch immer eher nach unten“, heisst es in dem Bericht des IWF. Vom 9. bis 11. Oktober steht die gemeinsame Jahrestagung von IWF und Weltbank in Perus Hauptstadt Lima an.

„Kurzfristig wird das weltweite Wachstum nach unserer Projektion moderat und unausgewogen ausfallen“, sagte der erst seit wenigen Wochen amtierende neue Chefvolkswirt Maurice Obstfeld. Grösster Unsicherheitsfaktor seien die wegbrechenden Rohstoffpreise, auf die sich die Volkswirtschaften einstellen müssten. Kurzfristig helfe der günstige Ölpreis vielen Ländern, Energieexporteure wie Kanada oder Norwegen litten jedoch darunter. Vor allem mache der niedrige Ölpreis Exporteuren in Entwicklungsländern zu schaffen. Die Gruppe der Schwellenländer wachse nur noch um vier Prozent, nach 4,6 Prozent im Vorjahr.

In der Eurozone stehen die Zeichenm auf Wachstum
Diese Länder – normalerweise für den Löwenanteil des weltweiten Wachstums verantwortlich – sind hauptsächlich ausschlaggebend für den eingetrübteren Ausblick. Für Deutschland sieht der IWF mit 1,5 Prozent im laufenden und 1,6 Prozent im nächsten Jahr nur ein leicht schwächeres Wachstum als bisher prognostiziert. Etwas günstiger sieht es in den USA und Grossbritannien aus, wo der IWF bald ein Anziehen der Zinsschraube erwartet. Allerdings deuten hier schwache Produktivitätswerte auf ausgebliebene Investitionen hin, was auf längere Sicht erneute Risiken für das Wirtschaftswachstum bedeutet.

In der seit längerer Zeit schwächelnden Eurozone stehen die Zeichen wieder auf Wachstum, wenngleich dies zunächst nur äusserst moderat ausfällt. Der günstige Ölpreis, die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und die Abwertung des Euro gegenüber anderen Währungen wie dem Dollar begünstigten die Entwicklung. Für das laufende Jahr sagt der IWF ein Wachstum von 1,5 Prozent, für 2016 von 1,6 Prozent voraus. Besonders Sorgenkinder wie Italien, Spanien und auch Frankreich scheinen langsam wieder Fuss zu fassen.

Schwache Entwicklung in den Schwellenländern
In den Entwicklungs- und Schwellenländern geht das Wirtschaftswachstum im fünften Jahr in Folge zurück. Nach 4,6 Prozent Wachstum im Jahr 2014 sieht der IWF nur noch vier Prozent im laufenden Jahr. Vor allem das von Sanktionen des Westens in der Ukraine-Krise sowie vom Ölpreis-Sturz getroffene Russland trägt dazu bei.

In China, der zweitgrössten Volkswirtschaft der Welt, sieht der IWF für dieses Jahr unverändert ein Wachstum von 6,8 Prozent sowie 6,3 Prozent im nächsten Jahr. Stärkerer privater Konsum und eine Konzentration auf Dienstleistungen könnten dort strukturelle Probleme mittelfristig zum Teil auffangen. Im kommenden Jahr sagt der IWF für die Entwicklungs- und Schwellenländer ein Wachstum von 4,5 Prozent voraus. Weltweit wird ein Anstieg der Wirtschaftsleistung um 3,6 Prozent erwartet. (awp/mc/cs)

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