Lage im belagerten Mariupol ernst – Selenskyj bleibt in Kiew

Lage im belagerten Mariupol ernst – Selenskyj bleibt in Kiew
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.

Kiew – Im russischen Angriffskrieg in der Ukraine spitzt sich die Lage der Bevölkerung in umkämpften Städten weiter zu. Am Dienstag soll es einen neuen Anlauf für Fluchtkorridore unter anderem aus Kiew und der belagerten Hafenstadt Mariupol geben. Die Angriffe und Kämpfe gingen 13 Tage nach dem russischen Einmarsch weiter.

Selenskyj: «Ich bleibe in Kiew»
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will trotz der Kämpfe um Kiew die Hauptstadt nicht verlassen. «Ich bleibe in Kiew», sagte er in einer am Montagabend veröffentlichten Videobotschaft. Er verstecke sich nicht und habe vor niemandem Angst. Man werde weiter mit Russland sprechen, sagte Selenskyj. «Wir werden auf Verhandlungen bestehen, bis wir einen Weg finden, unseren Menschen zu sagen: So kommen wir zum Frieden.» Jeder Tag des Kampfes schaffe «bessere Bedingungen» für die Ukraine. «Eine starke Position. Um unsere Zukunft zu sichern. Nach diesem Krieg.»

Behörden: Mehr als zehn Tote bei Angriffen auf ukrainische Stadt Sumy
Bei Luftangriffen auf die nordostukrainische Grossstadt Sumy wurden den örtlichen Behörden zufolge mehr als zehn Menschen getötet, darunter auch Kinder. «In einigen Ortschaften wurden Wohngebäude bombardiert. Und fast im Zentrum von Sumy wurden mehrere Häuser durch einen Bombentreffer zerstört», teilte der Chef der Gebietsverwaltung, Dmytro Schywyzkyj, mit. Die Angaben waren nicht unabhängig zu prüfen.

Lage in Mariupol ernst
In der von Russland belagerten Hafenstadt Mariupol spitzt sich die Lage nach Angaben des Stadtrats Kommune weiter zu. «Es gibt keine Strasse ohne kaputte Fenster, zerstörte Wohnungen oder Häuser.» Die Stadt sei ohne Strom, Wasser und Gas. Mariupol liegt nahe der sogenannten Kontaktlinie zwischen prorussischen Separatisten und ukrainischer Armee im Verwaltungsbezirk Donezk. Die Stadt hat strategisch grosse Bedeutung.

Russland bietet neue Feuerpause am Dienstag an
Russland bietet nach Angaben seines UN-Botschafters am Dienstag eine erneute Feuerpause zur Öffnung humanitärer Korridore in der Ukraine an. Wassili Nebensja sagte vor dem UN-Sicherheitsrat, am Vormittag sollten humanitäre Korridore in Kiew, Tschernihiw, Sumy, Charkiw und Mariupol geöffnet werden. Wie schon beim Angebot am Vortag sprach das russische Verteidigungsministerium von einem anschliessenden Transport nach Russland. Der ukrainische US-Botschafter Serhij Kyslyzja warf Russland vor, mit Routen nur über Russland und Belarus den neuen Anlauf zu untergraben. Nebensja sagte, es werde auch eine Evakuierung in Richtung ukrainischer Städte westlich von Kiew angeboten.

Aussenminister der Ukraine bestätigt geplantes Treffen mit Lawrow
Der ukrainische Aussenminister Dmytro Kuleba bestätigte den Plan für ein baldiges Gespräch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow. «Derzeit ist der 10. (März) geplant», sagte er in einer Videobotschaft. Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu hatte zuvor gesagt, beide Seiten würden am 10. März in Antalya erwartet. Kuleba sagte, wenn Lawrow zu einem ernsthaften Gespräch bereit sei, werde man von Diplomat und Diplomat reden. «Falls er anfängt, die absurde Propaganda zu wiederholen, die in letzter Zeit ausgeteilt wurde, wird er von mir die harte Wahrheit hören, die er verdient.»

Russland droht mit Gas-Lieferstopp über Nord Stream 1
Russland droht erstmals offen mit einem Gas-Lieferstopp durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. «Wir haben das volle Recht, eine «spiegelgerechte» Entscheidung zu treffen und ein Embargo auf die Durchleitung des Gases durch die Pipeline Nord Stream 1 zu erlassen», sagte Vize-Regierungschef Alexander Nowak in einer am Montagabend ausgestrahlten Rede. Er bezog sich auf die gestoppte Leitung Nord Stream 2, deren Inbetriebnahme Russland anstrebt. «Aber noch treffen wir diese Entscheidung nicht. Niemand gewinnt dabei», sagte Nowak.

Lwiw: Brauchen Unterstützung für Flüchtlinge
Die westukrainische Stadt Lwiw bittet internationale Organisationen um Unterstützung bei der Unterbringung von Kriegsflüchtlingen. Die Stadt sei zu einem Zufluchtsort für etwa 200 000 Menschen geworden, die vor Bombeneinschlägen und Raketenangriffen geflohen seien, sagte Bürgermeister Andrij Sadowyj einer Mitteilung zufolge. Die Menschen bekämen warmes Essen und alles Nötige. «Dies ist eine extrem schwere Belastung für die Stadt, und heute stehen wir am Rande unserer Fähigkeiten», warnte er.

Ukraine: Milliardenschäden an Verkehrs-Infrastruktur
Die ukrainische Regierung schätzt die bisherigen Schäden am Verkehrssystem des Landes durch den russischen Angriffskrieg auf bisher mehr als zehn Milliarden Dollar (etwa 9,2 Mrd Euro). Betroffen seien etwa Brücken, Eisenbahn und Flughäfen, sagte der ukrainische Infrastrukturminister Alexander Kubrakow der Onlinezeitung «Ukrajinska Prawda» zufolge. Er sei überzeugt, dass die meisten Schäden in spätestens zwei Jahren beseitigt sein könnten.

US-Demokraten bereiten Milliarden-Hilfspaket für Ukraine vor
Die Demokraten im US-Senat bereiten ein Paket für die Ukraine im Umfang von mehr als zwölf Milliarden Dollar (elf Milliarden Euro) für humanitäre Hilfe und Unterstützung des Militärs vor. Die Mittel würden Flüchtlingen und Vertriebenen zu Gute kommen, genauso wie der medizinischen Versorgung, der Ernährungssicherheit und dem Transfer von Waffen in die Ukraine, sagte der Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer. Das Paket solle noch im Laufe der Woche als Teil des Haushalts beschlossen werden.

Weltbank mit Ukraine-Hilfspaket von über 700 Millionen Dollar
Die Weltbank beschloss zur Unterstützung der Ukraine ein Paket, das dem Land 723 Millionen Dollar (665 Millionen Euro) neuer Kredite und Hilfen einbringen soll. Die schnelle Auszahlung werde der Regierung helfen, Sozialleistungen zu finanzieren sowie Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Renten zu zahlen, erklärte die Weltbank. Dies sei nur «der erste von vielen Schritten», um der Ukraine zu helfen.

Estée Lauder verlässt russischen Markt
Als weiterer Grosskonzern stellt der Kosmetik-Riese Estèe Lauder wegen des Angriffskrieges in der Ukraine alle Lieferungen nach Russland ein. Die russischen Mitarbeiter sollen unterdessen weiter ihr Gehalt bekommen, wie der US-Konzern in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Zu den Marken von Estée Lauder gehören unter anderem auch Clinique, Aveda, Bobbi Brown, MAC und La Mer. Die wohltätige Stiftung des Unternehmens habe eine Million Dollar an Spenden für die Ukraine zugesagt und wolle Produkte der Firma an Flüchtlinge liefern.

Das wird am Dienstag wichtig
In der Ukraine wird weiter auf Fluchtkorridore gehofft. Die EU-Kommission legt einen Plan vor, der den Ausbau von erneuerbaren Energien ankurbeln und dabei helfen soll, insbesondere von russischem Gas loszukommen. Rund 40 Prozent des in die EU importierten Gases kommt über Pipelines aus Russland. «Wir müssen uns aus der Abhängigkeit von Gas, Öl und Kohle aus Russland befreien», sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. (awp/mc/ps)

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