Neue Angriffe bei Tripolis – Nato überwacht Flugverbot

Anders Fogh Rasmussen

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen.

Tripolis – Mit neuen Luftschlägen setzt das internationale Militärbündnis Libyens Machthaber Muammar al-Gaddafi immer weiter zu. Im Süden der Hauptstadt Tripolis wurden am Freitag Ziele des Regimes attackiert. Die Aufständischen bemühen sich unterdessen, im Schnellverfahren kampfkräftige Formationen für den Kampf gegen die Gaddafi-Truppen auszubilden.

In der Nacht hatte die Nato nach langen Diskussionen beschlossen, die Flugverbotszone in Libyen zu überwachen, die der UN-Sicherheitsrat vor einer Woche festgelegt hatte. Allerdings will die Nato schon in wenigen Tagen den gesamten Militäreinsatz in Libyen leiten.

Laute Explosionen in Tripolis
Die Mitglieder der bisherigen Koalition gegen Gaddafi – Frankreich, Grossbritannien und die USA – können auch unabhängig von der Nato Ziele bombardieren. «Wir haben die Verantwortung für die Flugverbotszone übernommen, während die Koalition ihre Aktivitäten fortsetzt», sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Brüssel. Nach den Angriffen der Koalition waren in Tripolis am Freitag laute Explosionen zu hören. Ein libyscher Militärsprecher erklärte, dass «mehrere zivile und militärische Einrichtungen in Tripolis» bombardiert worden sein. Nähere Einzelheiten nannte er nicht.

Kriegsopfer oder ermordete Regimegegner?
Der US-Sender CNN berichtete, Kampfjets hätten Stellungen in den Aussenbezirken der Hauptstadt bombardiert. Kurzfristig habe es Gegenfeuer der Luftabwehr gegeben, das dann aber wieder aufgehört habe. Ein französisches Kampfflugzeug zerstörte nach Angaben des Generalstabs in Paris eine libysche Artilleriestellung. Nach Berichten libyscher Staatsmedien wurde am Vortag eine nicht näher genannte Zahl von Menschen bei Luftangriffen auf die Stadt Tadschura bei Tripolis getötet. Laut Oppositionsmedien handelte es sich bei den Toten hingegen um Regimegegner, die von regimetreuen Milizen ermordet worden seien. Tadschura war vor Wochen ein Brennpunkt der Proteste gegen das Regime von Oberst Gaddafi gewesen. Die Sicherheitskräfte hatten die Proteste mit Waffengewalt unterdrückt.

Allianz hofft, dass Einsatz nicht Monate dauert
In Bengasi, der Metropole der Regimegegner im Osten des Landes, gingen die Bemühungen um den Aufbau eigener schlagkräftiger bewaffneter Kräfte weiter. Der arabische Nachrichtensender Al-Arabija zeigte ein Militärlager, in dem junge Männer an der Waffe ausgebildet werden. Der Nationalrat, das Gegenparlament der Gaddafi-Gegner, hatte erklärt, dass die Regimegegner über rund 1000 eigene Milizionäre verfügen. Der internationale Militäreinsatz könnte sich nach Ansicht eines ranghohen französischen Militärs noch Wochen hinziehen. Er «hoffe», dass es keine Monate werden, sagte der Chef des Generalstabs in Paris, Admiral Edouard Guillaud, am Freitag im Rundfunksender France Info.

Humanitäre Katastrophe droht
Nach Bans Worten wird die humanitäre Situation in Libyen immer schlimmer. Auch wenn den UN-Helfern oft der Zugang verweigert werde, könnten sie ein dramatisches Bild erkennen. Fast 340.000 Menschen seien auf der Flucht, etwa 9000 sässen an den Grenzen nach Ägypten und Tunesien fest. (awp/mc/ps)

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