Lufthansa wird nach Gewinnsprung nicht übermütig

Carsten Spohr
Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa. (Foto: (Christian Schlueter / Lufthansa)

Carsten Spohr, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa. (Foto: (Christian Schlueter / Lufthansa)

Frankfurt – Die Lufthansa will nach einem kräftigen Gewinnsprung fürs laufende Jahr keine Euphorie aufkommen lassen. Trotz deutlich sinkender Treibstoffkosten dürfte der Gewinn 2016 nur leicht zulegen, kündigte Vorstandschef Carsten Spohr am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz in Frankfurt an. Nachdem der Absturz eines Germanwings-Flugs mit 150 Toten und heftige Streiks das Unternehmen im vergangenen Jahr durchschüttelten, winkt den Aktionäre dank verbesserter Ergebnisse wieder eine Dividende. Die Ticketpreise dürften aber weiter fallen.

Die Lufthansa-Aktie reagierte am Morgen mit einem deutlichen Kursverlust auf die Nachrichten. Kurz nach Handelsstart verlor sie gut 4 Prozent an Wert und lag damit am Ende des Dax. Vor allem der Geschäftsausblick für 2016 dürfte einige Investoren enttäuschen, sagte ein Börsianer.

Billiges Kerosin treibt Gewinn an
Im vergangenen Jahr legte Europas grösste Fluggesellschaft trotz der Tiefschläge kräftig zu. Der Umsatz wuchs um knapp sieben Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (bereinigtes Ebit) stieg um 55 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro, obwohl der Flugbegleiterstreik im Herbst das Unternehmen nach mehreren Ausständen der Piloten weitere 100 Millionen Euro kostete. Analysten hatten ein solches Ergebnis erwartet. Unter dem Strich ging es dank des lukrativen Verkaufs der Beteiligung an der US-Fluglinie JetBlue sogar von 55 Millionen auf 1,7 Milliarden Euro nach oben.

Vorstandschef Carsten Spohr und Finanzchefin Simone Menne sprachen von einem «emotional schwierigen Jahr» durch den Absturz und die Streiks. «Aber die Zahlen stimmen», ergänzte Menne. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 50 Cent erhalten, nachdem sie 2014 wegen des mickrigen Gewinns leer ausgegangen waren.

Passagiergeschäft wirft mehr ab – Fracht bricht ein
Das billige Kerosin kam vor allem den Passagier-Airlines des Konzerns zugute. Die Kernmarke Lufthansa, Swiss, Austrian Airlines sowie die Billig-Ableger Eurowings und Germanwings konnten ihren operativen Gewinn von 701 Millionen auf 1,5 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Germanwings flog erstmals einen operativen Gewinn ein, und die gesamte neue Formation unter der Marke Eurowings kam auf ein bereinigtes Ebit von 38 Millionen Euro. Auch die Wartungstochter Lufthansa Technik und die Bordverpfleger LSG Sky Chefs legten zu. Lufthansa Cargo musste wegen Überkapazitäten auf dem Luftfrachtmarkt jedoch einen Gewinnrückgang um 40 Prozent hinnehmen.

Konzernweit gingen die Treibstoffkosten um rund eine Milliarde auf 5,8 Milliarden Euro zurück, wie Finanzchefin Menne berichtete. Im laufenden Jahr sollen sie um eine weitere Milliarde auf 4,8 Milliarden Euro sinken. Allerdings erwartet die Lufthansa nicht, diesen Vorteil komplett als Gewinn einzustreichen. Die Ticketpreise dürften angesichts der harten Konkurrenz von Billigfliegern wie Ryanair und Easyjet weiter fallen, sagte Menne. Bei der Eurowings-Gruppe rechnet sie 2016 mit einem leichten Verlust – auch wegen der Investitionen in den Geschäftsausbau.

Brussels-Übernahme möglich
Die Expansion von Eurowings könnte mit der Komplettübernahme der Fluglinie Brussels Airlines ihre Fortsetzung finden. Eine Entscheidung dazu solle im zweiten Quartal fallen, sagte Menne. Lufthansa gehören bisher nur 45 Prozent an Brussels, aber der Konzern hat bis 2018 weiterhin jedes Jahr das Recht, den Rest der Anteile zu kaufen. Konzernchef Carsten Spohr hat bereits darüber gesprochen, dass Brussels wie auch die italienische Regionaltochter Air Dolomiti bei Eurowings eine neue Heimat finden könnten. Namen wie Dolomitiwings oder Brusselwings könnten gut als Teil von Eurowings vermarktet werden, sagte er vergangenen Sommer. (awp/mc/ps)

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