Medwedjew kündigt Privatisierungs-Offensive an

Dmitri Medwedjew
Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedew.

Russlands Ministerpräsident Dmitri Medwedjew.

Berlin – Russland wird in diesem Jahr eine Privatisierungs-Offensive starten. Das kündigte der russische Regierungschef Dmitri Medwedjew im Interview mit dem «Handelsblatt» (Montagausgabe) an: «Unser Ziel ist kein Staatskapitalismus oder eine Staatswirtschaft», sagte Medwedjew. Trotz Deals wie bei der Übernahme des bisher privaten britisch-russischen Ölförderers TNK-BP durch den vom Kreml kontrollierten Rosneft-Ölkonzern gebe es keine Verstaatlichungstendenzen in seinem Land.

Vielmehr würden nach dem Verkauf eines 7,5-prozentigen Aktienpakets des grössten Geldhauses des Landes, der Sberbank, für fünf Milliarden Dollar im vorigen Jahr nun weitere Staatsanteile privatisiert. Medwedjew nannte dabei den Logistikkonzern Sowkomflot sowie Anteile des zweitgrössten Finanzkonzerns, der auch in Deutschland vertretenen VTB Bank.

Rosneft-Privatisierung «weiter forciert»
Auch die Privatisierung der zum grössten börsennotierten Ölkonzerns der Welt aufgestiegenen Rosneft werde «weiter forciert», sagte Medwedjew. Zugleich verteidigte er die Übernahme von TNK-BP durch Rosneft: Russen und Briten hätten mit dem Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP, an dem beide Seiten je 50 Prozent der Anteile besassen, einen «dämlichen Vertrag abgeschlossen», sagte Medwedjew der Zeitung. Am Ende hätten sie sich zerstritten und seien «ständig im Clinch» gelegen. Da habe der russische Staat TNK-BP kaufen müssen, um die strategisch bedeutsame Firma nicht in die Hände unliebsamer Investoren fallen zu lassen, sagte Medwedjew. «Der Ölsektor gehört zu den strategischen Bereichen. Und für Russland wäre das eine falsche Entscheidung gewesen». (awp/mc/ps)

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