Microsoft umschifft PC-Flaute

Steve Ballmer

Steve Ballmer, scheidender Microsoft-CEO.

Redmond – Microsoft kommt mit dem schrumpfenden PC-Markt besser klar als erwartet. Dank guter Software-Verkäufe an Firmenkunden konnte der US-Konzern in seinem ersten Geschäftsquartal von Juli bis September den Umsatz um 16 Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 17 Prozent auf unterm Strich 5,2 Milliarden Dollar.

«Wir sehen eine robuste Nachfrage nach unseren Produkten für Firmenkunden und unseren Cloud-Services», erklärte der für das Tagesgeschäft zuständige Manager Kevin Turner am Donnerstag. Einer der grössten Gewinnbringer ist die Büro-Software Office.

Fortschritte im Endkundengeschäft
Auch im zwischenzeitlich schwachen Geschäft mit Privatkunden gab es Lichtblicke. So verkaufte sich der hauseigene Tablet-Computer Surface besser. Der Konzern aus Redmond hatte den Preis vor dem kürzlichen Erscheinen des Nachfolgemodells Surface 2 gesenkt. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kommt zudem die neue Spielekonsole Xbox One heraus.

Zwischenzeitlich hat Microsoft auch das Computer-Betriebssystem Windows überarbeitet. Die jüngst erschienene Version 8.1 besitzt wieder eine Art Start-Button, den viele Nutzer bei Windows 8 vermisst hatten. «Wir machen bedeutsame Fortschritte in unserem Endkunden-Geschäft», fasste es Finanzchefin Amy Hood in einer Telefonkonferenz mit Analysten zusammen.

Nokia-Kauf soll Hardware-Geschäft vorantreiben
Die Anleger waren mehr als zufrieden. Sie hatten mit schlechteren Geschäftszahlen gerechnet. Nachbörslich stieg die Aktie um mehr als 5 Prozent. Sie kratzte damit am Jahreshöchststand.

Microsoft befindet sich unter dem Eindruck des schrumpfenden PC-Marktes und der steigenden Verkäufe von Smartphones und Tablets im Umbruch. Ähnlich wie der grosse Rivale Apple bietet Microsoft zunehmend Geräte, Software und Dienstleistungen aus einer Hand an. Früher hatte Microsoft die Hardware-Seite fast vollständig den Computerherstellern überlassen.

In die neue Microsoft-Welt passt auch der milliardenschwere Zukauf des Handygeschäfts von Nokia . Die Lumia-Smartphones der Finnen laufen mit dem Betriebssystem Windows Phone. Das mobile Geschäft ist bislang die Schwachstelle von Microsoft. Der Markt wird von Apple sowie Geräten mit Googles Betriebssystem Android beherrscht. Der Anteil von Windows-Smartphones und -Tablets wuchs jedoch zuletzt beständig.

Microsoft kam zuletzt auch zugute, dass der PC-Markt im vergangenen Quartal weniger stark nachgab als befürchtet. Der Marktforscher IDC errechnete gegenüber dem Vorjahreszeitraum einen Rückgang der PC-Auslieferungen um 7,6 Prozent. IDC hatte ursprünglich ein Minus von 9,5 Prozent erwartet.

Nichts Neues in Sachen Ballmer-Nachfolge
Keine Neuigkeiten gab es zur Nachfolge des scheidenden Konzernchefs Steve Ballmer. Das Microsoft-Urgestein hatte im August angekündigt, sich binnen zwölf Monaten zurückzuziehen. Seine Abschiedsvorstellungen bei Mitarbeitern und Analysten hat Ballmer bereits gegeben. Deshalb wird in der Branche mit einem baldigen Wechsel gerechnet. Als Kandidaten gelten der bisherige Nokia-Chef Stephen Elop und Ford -Chef Alan Mulally. (awp/mc/ps)

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