Nokia stürzt tiefer in die roten Zahlen

Stephen Elop

Nokia-CEO Stephen Elop.

Espoo – Der finnische Handyhersteller Nokia ist im zweiten Quartal noch tiefer in die roten Zahlen gestürzt. Zwischen Juli und September dürfte das Kerngeschäft ähnlich schwach verlaufen, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Nach wie vor setzt der harte Wettbewerb bei Smartphones dem einstigen Weltmarktführer deutlich zu. Allerdings konnte das Unternehmen den Geld-Abfluss durch Sondereffekte etwas eindämmen. Am Markt zeigten sich Anleger erleichtert. Nachdem die im EuroStoxx 50 notierten Papiere seit Jahresbeginn mehr als 60 Prozent ihres Werts verloren hatten, bauten die Titel ihren Tagesgewinn nach Bekanntgabe der Zahlen am Nachmittag auf mehr als 15 Prozent aus. Die Papiere waren damit mit weitem Abstand der Spitzenwert im Index.

Dabei vervierfachte sich der Verlust des Konzerns im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 1,41 Milliarden Euro, und auch der Umsatz brach um knapp ein Fünftel auf 7,5 Milliarden Euro ein. Erneut verkauften die Finnen deutlich weniger der gewinnträchtigeren Smartphones. Insgesamt sackten die Verkäufe im Jahresvergleich um knapp 40 Prozent auf 10,2 Millionen Geräte ab. Vom Hoffnungsträger Lumia gingen mit rund vier Millionen Stück zwar doppelt so viele Exemplare wie in den ersten drei Monaten über den Ladentisch. Der Durchschnittspreis des Windows-Telefons sank jedoch von 220 auf 186 Euro. Über alle Handytypen hinweg konnte Nokia im Schnitt nur noch 48 Euro einnehmen, fast ein Viertel weniger als ein Jahr zuvor.

Operative Marge bricht weiter ein
Auch operativ weitete sich der Verlust in der Handysparte aus: Nach 487 Millionen Euro ein Jahr zuvor fehlten im Kernsegment des Unternehmens nun 826 Millionen Euro. Die Gewinnspanne in der für den Konzern so wichtigen Handysparte sackte auf minus 9,1 Prozent ab. Im Vorquartal hatte die Marge noch bei minus drei Prozent gelegen. Im dritten Quartal rechnet das Management nun mit einem ähnlich schwachen Wert.

Den Konkurrenten Apple und Samsung hechelt Nokia weiter hinterher. Mit dem Betriebssystem Windows Phone von Microsoft versucht der Konzern die Wende noch zu packen. Ausserdem will Nokia Kosten zusammenstreichen und Stellen sparen. Konzernchef Stephen Elop sieht den Konzern dafür auf Kurs.

Geldverbrennen eingedämmt
Aus dem operativen Geschäft heraus konnte der Konzern das Geldverbrennen etwas eindämmen. Der Nettobargeldbestand sank vor allem wegen der gezahlten Dividende um 742 Millionen Euro auf rund 4,2 Milliarden Euro. Positiv schlugen zudem Vorauszahlungen von rund 400 Millionen Euro zu Buche, die der Konzern für die Nutzung seiner Lizenzen erhielt. Zudem bekam Nokia vom Mobiltelefonpartner Microsoft Zahlungen in Höhe von 196 Millionen Euro.

Ein weiterer und ungewohnter Lichblick kam vom Gemeinschaftsunternehmen mit Siemens : Die Netzwerktochter Nokia Siemens Networks (NSN), sonst für ihre regelmässigen Verluste bekannt, schaffte im vergangenen Quartal operativ die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Indes fielen erneut Kosten für den Umbau von NSN an, diese waren mit 68 Millionen Euro aber deutlich niedriger als im Vorquartal. (awp/mc/upd/p)

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