Orange überrascht beim operativen Gewinn

Stéphane Richard

Stéphane Richard, CEO Orange. (Foto: Antonin Bourgeaud (Havas) pour Orange)

Paris – Der französische Telekomkonzern Orange sieht sich nach dem ersten Halbjahr gestärkt und will künftig in Europa eine grössere Rolle spielen. Beim Umsatz hat der ehemalige französische Staatsmonopolist wieder festeren Boden unter den Füssen und profitiert von der Nachfrage nach Breitbandanschlüssen und mobilem Internet. Dem Unternehmen griff auch der günstige Euro unter die Arme, und beim Gewinn konnte das Management um Stephane Richard ebenfalls Fortschritte vorweisen.

Der Konzernchef verwies für das zweite Quartal am Dienstag stolz auf die Rückkehr zu Umsatzwachstum aus eigener Kraft, also ohne Zukäufe und Rückenwind vom Eurokurs – wenn man die Tarifkürzungen durch die Regulierungsbehörden herausrechnet. Nach dieser Sichtweise habe der Konzern erstmals seit 2011 wieder ein Plus erzielt. Damit folgt Orange den grossen europäischen Konkurrenten Deutsche Telekom und Vodafone , die in den vergangenen Quartalen bereits auf den Wachstumspfad zurückgefunden hatten.

Talsohle im Heimmarkt erreicht?
Für Orange gab es nun auch im wichtigen und umkämpften Heimatmarkt Anzeichen der Besserung – hier bröckelten die Erlöse im zweiten Quartal deutlicher weniger ab als noch in den ersten drei Monaten. Konzernweit lag der Umsatz mit 9,89 Milliarden Euro dank des günstigen Eurokurses ein Prozent höher als ein Jahr zuvor. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um gut ein Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Mit beiden Werten schnitt das Unternehmen besser ab als von Analysten erwartet, die Prognose wurde bestätigt. Die Aktie legte in Paris am Vormittag um fast 2 Prozent zu.

Richard begründete das Abschneiden beim operativen Ergebnis unter anderem mit laufenden Kostensenkungen. Beim Nettoergebnis, das Orange nur halbjährlich ausweist, ergab sich nach dem ersten Halbjahr ein Sprung auf 1,10 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie vor einem Jahr. Das lag vor allem an einer höheren Gewinnausschüttung des britischen Gemeinschaftsunternehmens Everything Everywhere (EE), das Orange noch zusammen mit der Deutschen Telekom betreibt, aber an die britische BT Group verkauft. Eine geringere Steuerbelastung half zusätzlich.

Bei anstehender Konsolidierung in Europa mitmischen
Auch wenn Orange das Geschäft in Grossbritannien zusammen mit der Telekom milliardenschwer an den Festnetzprimus BT abgibt: Die Franzosen wollen bei einer anstehenden Konsolidierung in Europa kräftig mitmischen, wie Finanzchef Ramon Fernandez im Interview des Finanzfernsehsenders Bloomberg sagte. Dazu könnten auch die Milliarden aus dem EE-Verkauf hilfreich sein. Rund 3,4 Milliarden Pfund (4,8 Mrd Euro) will Orange dafür neben einer Aktienbeteiligung von 4 Prozent an BT einstreichen.

Die jüngste grössere Übernahme hatte sich Orange in Spanien mit dem Breitbandspezialisten Jazztel für 3,4 Milliarden Euro geleistet. Daneben ist das Management vor allem auch in Afrika und im Nahen Osten umtriebig: In Marokko baut Orange sein Engagement aus, und auch in Ländern wie Burkina Faso, dem Tschad und im Kongo stehen Zukäufe auf dem Plan. Seinen armenischen Mobilfunker will das Unternehmen hingegen abgeben. (awp/mc/upd/ps)

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