Peter Fankhauser wird neuer Chef des Reiseveranstalters Thomas Cook

Peter Fankhauser
Peter Fankhauser, CEO Thomas Cook. (Foto: Thomas Cook)

Peter Fankhauser. (Foto: Thomas Cook)

Peterborough – Der Reiseveranstalter Thomas Cook bekommt schon wieder einen neuen Chef: Die Saniererin Harriet Green tritt überraschend nach zwei Jahren an der Spitze ab. Nachfolger ist ab sofort der Schweizer Peter Fankhauser, der im Konzern mit Marken wie Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor zuletzt das Tagesgeschäft leitete. Nach der Managerin mit ihrem Blick von aussen brauche es jetzt einen Reisefachmann an der Spitze, sagte Verwaltungsratschef Frank Meysman. Es gehe um die Umsetzung des Geschäftskonzepts, mit dem Green Thomas Cook aus der Krise geführt hatte.

Die Thomas-Cook-Aktie reagierte mit einem Kurssturz auf die Nachrichten. Am Nachmittag lag das Papier über 20 Prozent im Minus. Neben dem Chefwechsel ziehe die vorsichtige Prognose für das laufende Geschäftsjahr den Kurs nach unten, sagte Experte Wyn Ellis vom Analysehaus Numis.

Schweizer übernimmt die Führung
Green war vor zwei Jahren vom Elektronikgrosshändler Premier Farnell zu dem Reiseveranstalter gewechselt, der nach einem Rekordverlust in einer tiefen Krise steckte. Sie verordnete Thomas Cook einen harten Sanierungskurs, schloss Reisebüros, strich Arbeitsplätze und beschaffte frisches Geld von Anlegern und Banken. Mit Erfolg: An der Börse stieg Thomas Cooks Wert von 148 Millionen auf knapp zwei Milliarden britische Pfund (2,5 Mrd Euro), bevor Greens Abgang am Mittwoch die Aktionäre überraschte. «Harriet hatte einen äusserst positiven Einfluss auf das Unternehmen», sagte Meysman. Ihr sei immer klar gewesen, dass ihre Aufgabe irgendwann erfüllt sein werde.

Ihrem Nachfolger Fankhauser geht es nun «um die Umsetzung und darum, zu liefern». Den Aktienkurs will er durch konsequente Leistung wieder nach oben bringen. Dazu peilt er auch unter dem Strich wieder einen Gewinn an. Der 54-Jährige hat bereits die deutsche Konzerntochter zum Erfolg geführt und die angeschlagene Grossbritannien-Sparte saniert. Vor einem Jahr übertrug ihm der Verwaltungsrat das komplette Tagesgeschäft. In diesem Moment sei schon klar gewesen, dass Fankhauser Green irgendwann an der Spitze ablöse, sagte Meysman. Fankhauser war zwischen 1989 und 1999 in verschiedensten Funktionen für Kuoni tätig, ehe er zur LTU Gruppe nach Düsseldorf wechselte.

Nettoverlust halbiert
Der Schweizer übernimmt nun die Führung, während die Sanierung noch in vollem Gange ist. Im Geschäftsjahr bis Ende September steigerte Thomas Cook den um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn um 23 Prozent auf 323 Millionen britische Pfund. Unter dem Strich halbierte sich der Verlust im Vergleich zum Vorjahr nahezu auf 118 Millionen Pfund. Der Umsatz schrumpfte aber um acht Prozent auf 8,6 Milliarden Pfund, nachdem sich der Konzern von Geschäftsbereichen getrennt und viele Billigreisen aus dem Programm genommen hatte. Zudem zogen ungünstige Währungskurse und die schwache Nachfrage nach Ägypten-Reisen die Erlöse nach unten.

Dass es unter dem Strich dennoch besser lief, verdankte Thomas Cook der Konzentration auf exklusive Reiseangebote wie Konzepthotels, deren Häuser auf bestimmte Urlaubergruppen wie junge Paare, junge Familien oder Sportbegeisterte ausgerichtet sind.

Billigere Reisen gebucht
Trotz dieses Erfolgs nahm Thomas Cook je Reise im Schnitt weniger ein als im Vorjahr. Der durchschnittliche Reisepreis sank im Sommer um ein Prozent. Auch für das Winterhalbjahr buchten die Urlauber im Schnitt billiger als im Vorjahr. Allerdings kommen bei der Preisentwicklung viele Effekte zusammen. So kann auch ein Trend zu mehr kürzeren Reisen den Durchschnittspreis nach unten drücken. Die Gewinnspanne von Thomas Cook sei jedenfalls merklich gestiegen, sagte Fankhauser.

Für das Geschäftsjahr bis September 2015 sagt Thomas Cook eine positive Entwicklung voraus, doch der operative Gewinn dürfte langsamer wachsen als in den vergangenen beiden Jahren. Dabei baut Fankhauser auf das 2012 gestartete Sanierungsprogramm. Im laufenden Geschäftsjahr sollen die Verbesserungen nun rund 500 Millionen Pfund erreichen, 40 Millionen mehr als zuletzt angekündigt. (awp/mc/pg)

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