«Petrolão»-Affäre erschüttert Brasilien – Top-Firmen im Visier

Dilma Rousseff
Brasiliens suspendierte Präsidentin Dilma Rousseff.

Auch Dilma Rousseffs Arbeiterpartei PT soll Schmiergeld kassiert haben.

Rio de Janeiro – Brasiliens Ermittlungsbehörden gehen mit Hochdruck an die Aufklärung eines der grössten Korruptionsskandale des Landes. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen Top-Baukonzerne jahrelang in einem elitären Club Ausschreibungen und Aufträge des staatlich kontrollierten Öl-Konzerns Petrobras unter sich ausgemacht haben. Es flossen Schmiergelder in Millionenhöhe. Staatschefin Dilma Rousseff betonte, der Fall könne Brasilien für immer verändern. Auch ihre Arbeiterpartei PT soll Schmiergeld kassiert haben.

Rund 20 Topmanager, unter ihnen Vorstandschefs und ein Ex-Petrobras-Direktor, wurden am Freitag vorläufig festgenommen. Weitere stellten sich am Wochenende. Der Korruption verdächtigt werden neben Petrobras unter anderem die beauftragten Firmen Camargo Corrêa, OAS, Engevix und Queiroz Galvao. Bei der als «Petrolao» bekannten Affäre geht es um illegale Finanzaktionen, die sich auf zehn Milliarden Reais (rund 3,1 Milliarden Euro) summieren sollen. Durch überhöhte Vertragsabschlüsse sollen bei Petrobras-Projekten auch Geldmittel an politische Parteien geflossen sein, vor allem an Rousseffs regierende PT.

Rousseff: Straflosigkeit beenden
Rousseff meldete sich vom G20-Gipfel in Brisbane zu den Vorgängen zu Wort: «Ich glaube, das kann Brasilien de facto für immer verändern. … In dem Sinne, dass die Straflosigkeit beendet wird», sagte Rousseff, die lange Zeit Petrobras-Aufsichtsratschefin war. Sie warnte aber vor einer Pauschalverurteilung des Konzerns, der 2013 rund zehn Milliarden Dollar Gewinn machte und über 80’000 Mitarbeiter beschäftigt. Die absolute Mehrheit der Petrobras-Funktionäre sei nicht korrupt. Es müssten aber diejenigen verurteilt werden, die sich hätten korrumpieren lassen und die, die bestochen hätten.

Justizminister José Eduardo Cardozo (PT) versicherte, der Skandal werde aufgeklärt, unabhängig davon, wen es treffe und wem es wehtue. Allerdings dürfe der Vorgang nicht politisiert werden. In Sao Paulo waren am Samstag rund 10 000 Menschen auf die Strasse gegangen, um gegen die Regierung Rousseffs zu demonstrieren. Dabei forderten sie vor dem Hintergrund der Petrobras-Affäre auch die Einleitung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen die Staatschefin. (awp/mc/ps)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.