Celgene und Novo Nordisk halten Fusionskarussell in Schwung

Celgene und Novo Nordisk halten Fusionskarussell in Schwung
Celgene-CEO Mark J. Alles.

Summit / Bagsvaerd – In der Pharmabranche dreht sich das Fusionskarussell weiter: In einem Milliardendeal schnappt sich der US-Pharmakonzern Celgene den Krebsspezialisten Impact Biomedicines. Derweil greift der dänische Insulinhersteller Novo Nordisk mit einem rund 2,6 Milliarden Euro schweren Bar-Angebot nach dem belgischen Biotechunternehmen Ablynx – doch das lehnt die Übernahme bislang ab.

Wie Celgene am Sonntag in Summit im US-Bundeststat New Jersey mitteilte, legt das Unternehmen für Impact Biomedicines zunächst 1,1 Milliarden US-Dollar auf den Tisch. Der Preis kann noch bis auf 7 Milliarden Dollar steigen, wenn bestimmte an die Zulassung und den Umsatz eines Krebstherapeutikums verknüpfte Meilensteine erreicht werden. Die Übernahme wäre damit eine der grössten in den Geschichte des Unternehmens.

Konsolidierungswelle
Die Pharmabranche wächst seit Jahren zusammen. Um im zunehmend härteren Wettbewerb zu bestehen und ihr eigenes Arzneiangebot zu verbessern, gehen die Hersteller auf Einkaufstour. Auch der Tausch von Unternehmensteilen oder das Schmieden von Allianzen sind probate Mittel, um an Stärke zu gewinnen. Der US-Konzern Celgene hat hier in den vergangenen Jahren kräftig mitgemischt. Noch teurer als die jetzige Übernahme von Impact war der Zukauf des Herstellers Receptos im Jahr 2015, den sich Celgene damals 7,2 Milliarden Dollar kosten liess.

Celgene steht enorm unter Druck, seine Medikamenten-Pipeline aufzufüllen. Im Oktober brachte eine viel beachtete Studie zu einem Prüfmedikament gegen die entzündliche Darmkrankheit Morbus Crohn nicht den erhofften Erfolg. Kurz darauf kappte das Unternehmen seine Gewinnziele für 2020. Zudem drohen dem bisherigen Kassenschlager, dem Krebsmittel Revlimid, Umsatzeinbussen durch Nachahmerprodukte.

Auf Impact Medicines hat Celgene vor allem wegen des vielversprechenden Krebsmittels Fedratinib ein Auge geworfen. Das Medikament wird derzeit in Studien zur Behandlung einer seltenen und chronischen Erkrankung des Knochenmarks (Myelofibrose) getestet.

Auch Novo Nordisk steckt aktuell in der Bredouille und kämpft mit einem zunehmend schwierigeren Insulinmarkt. Insbesondere in den USA macht der Wettbewerbsdruck durch ähnliche Produkte von Herstellern wie Eli Lilly, Sanofi und anderen den Dänen zu schaffen und hat zu einem schonungslosen Preiskampf geführt. Für das laufende Jahr hatte der Konzern daher bereits eine recht verhaltene Prognose abgegeben. Für Abhilfe soll nun der Milliarden-Zukauf von Ablynx sorgen.

Mehrwöchiger Übernahmekampf um Ablynx
Offenbar hat sich hinter den Kulissen bereits ein mehrwöchiger Übernahmekampf abgespielt: Anfang Dezember hatte Novo Nordisk nach eigener Aussage bereits eine erste Offerte gemacht. Mitte Dezember folgte demnach ein erhöhtes Angebot. Zuletzt habe das Gebot bei 28 Euro je Aktie plus einem möglichen Aufschlag von 2,50 Euro beim Erreichen bestimmter Ziele gelegen, teilte Novo Nordisk am Montag mit. An der Börse kostete eine Ablynx-Aktie zum Freitagsschlusskurs 21,20 Euro. Am Montag wurden die Papiere zunächst vom Handel ausgesetzt.

Doch trotz des hohen Aufschlags auf den Aktienkurs beisst der Insulinhersteller bei den Belgiern auf Granit: Das Management von Ablynx lehnt nach Angaben von Novo Nordisk bislang jegliche Gespräche ab. Deshalb ging der Konzern nun an die Öffentlichkeit. Angetan hat es Novo Nordisk vor allem das Ablynx-Medikament Caplacizumab zur Behandlung einer seltenen und lebensbedrohlichen Bluterkrankung, das die Dänen als gute Ergänzung zum eigenen Konzernportfolio sehen.

An der Frankfurter Börse sorgten die Nachrichten aus der Branche am Montag für neue Übernahmefantasien und beflügelten vor allem die Kurse des Hamburger Biotechunternehmens Evotec , das bereits Ende 2016 eine Forschungs- und Entwicklungsallianz mit Celgene eingegangen war. Auch die Morphosys -Aktie bekam neuen Schub. Beide TecDax -Unternehmen sind ebenfalls in der Krebsforschung aktiv. (awp/mc/ps)

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