Putin will Donbass in weniger als anderthalb Jahren erobern
Moskau – Kremlchef Wladimir Putin hat die komplette Eroberung des ukrainischen Donbass-Gebiets in weniger als anderthalb Jahren angekündigt. Zugleich gehe er davon aus, «dass dies angesichts des Vormarsches unserer Truppen viel früher geschehen wird», sagte Putin beim internationalen Waldai-Diskussionsforum in Moskau. Demnach verbleiben aktuell etwa elf Prozent der Region unter ukrainischer Kontrolle.
Er warf zudem Kiew vor, sinnlos Menschen für den Kampf um das ukrainische Staatsgebiet zu opfern. «Wenn der Verlust dieser Gebiete unvermeidlich ist, macht es dann Sinn, daran festzuhalten und dafür Menschen, ihre Sicherheit und ihr Leben zu opfern?», fragte der Präsident.
Putin hatte in der Vergangenheit immer wieder ukrainische Orte wie Swjatohirsk oder Kupjansk für erobert erklärt, die weiterhin zum Teil recht deutlich unter ukrainischer Kontrolle stehen. Zuletzt hatten ukrainische Einheiten im Donezker Gebiet bei Lyman sogar Geländegewinne erzielt und Dutzende Quadratkilometer zurückgeholt. Von festungsartig ausgebauten Städten wie Slowjansk und Kramatorsk sind russische Truppen noch mehr als ein Dutzend Kilometer entfernt. Die Frontlinie ist an vielen Abschnitten seit mehreren Monaten weitgehend unverändert.
Kiew verkündet ersten Einsatz eigener ballistischer Rakete
Die Ukraine hat derweil nach eigenen Angaben erstmals eine selbst entwickelte taktische ballistische Rakete des Typs FP-7 im Krieg mit Russland eingesetzt. «Der erste Kampfeinsatz. Ich danke für das Ergebnis», teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf sozialen Netzwerken mit. Die nächste Aufgabe sei die Ausweitung der Raketenproduktion. Zum Ziel machte der Staatschef keine Angaben, veröffentlichte aber ein Video eines nächtlichen Raketenstarts.
Die ukrainische Rüstungsfirma Fire Point hatte zuvor die ersten Kampfeinsätze für ihre ballistische Rakete mehrfach verschoben. Anfänglich wurden von der Unternehmensführung erste Raketenschläge auf die russische Hauptstadt Moskau für den Sommer angekündigt. Vor wenigen Tagen ruderte die dem Selenskyj-Umfeld zugeschriebene Firma zurück und kündigte einen ersten Einsatz für das Herbstende an. Moskaus Zentrum ist gut 450 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. (awp/mc/pg)