Reckitt winkt in Rennen um Merck & Co-Sparte ab

Rakesh Kapoor
Rakesh Kapoor, CEO Reckitt Benckiser.

Reckitt-CEO Rakesh Kapoor.

London – Im Rennen um die Merck & Co-Sparte mit rezeptfreien Medikamenten gibt sich der britische Pharma- und Konsumgüterkonzern Reckitt Benckiser geschlagen. Man stehe nicht länger in aktiven Verhandlungen mit dem amerikanischen Pharmakonzern, teilte Reckitt am Mittwochabend in London mit. Damit steigen die Chancen für den angeblich ebenfalls interessierten deutschen Pharma- und Chemiekonzern Bayer . Ein Sprecher der Leverkusener wollte auf Nachfrage auch weiterhin keinen Kommentar abgeben. Der Wert der Sparte von Merck & Co wird von Experten auf rund 14 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuletzt unter Berufung auf Kreise berichtet, Bayer sei zu einem Tausch von einigen Pharmageschäften oder anderen Vermögenswerten bereit, um die Briten auszustechen, die lediglich eine reine Barofferte ins Auge gefasst hätten. Reckitt hatte am Montag offiziell sein Interesse bekundet.

Reckitt hält weiter Ausschau nach geeigneten Übernahmekandidaten
Reckitt-Chef Rakesh Kapoor begründete den Rückzug nun damit, dass der Kauf des Geschäfts nicht den internen Investment-Kriterien gerecht geworden sei. Gleichwohl kündigte Kapoor an, weiter Ausschau nach geeigneten Kandidaten zu halten. Der Markt für rezeptfreie Medikamente sei stark fragmentiert, sagte er. Ein Kauf müsse aber sowohl strategisch als auch finanziell für den Konzern passen.

Merck & Co-Chef Kenneth Frazier nannte am Dienstag bei Vorlage des Quartalsberichts keine Details zum Verkauf der Sparte. Am 6. Mai hat der Manager aber zu einem Investorentag eingeladen. Auch dem französischen Pharmakonzern Sanofi wird Interesse nachgesagt.

Begehrte rezeptfreie Mittel
Rezeptfreie Mittel sind derzeit begehrt. Sie gelten als wichtiger Stabilisator mit geringeren Risiken im Vergleich zum klassischen Pharmageschäft. Beim Schweizer Konkurrenten Novartis kam Bayer zuletzt hier nicht zum Zuge. Vor gut einer Woche hatte sich Novartis einen grossangelegten Umbau verordnet. Bei den milliardenschweren Tauschgeschäften mischen die britische GlaxoSmithKline (GSK) und der US-Konzern Eli Lilly mit.

Derzeit fegt eine regelrechte Übernahmewelle durch die Branche. So lässt der US-Pharmakonzern Pfizer beim britischen Konkurrenten AstraZeneca nicht locker. Erst am Samstag hatte Pfizer einen erneuten Anlauf gestartet, um mit den Briten über eine Übernahme zu sprechen. Doch AstraZeneca liess den Konzern wie schon im Januar abblitzen. Das Volumen liegt hier bei knapp 100 Milliarden Dollar. Es wäre einer der grössten Deals in der Geschichte. Bis Ende Mai hat Pfizer nach britischem Übernahmerecht nun Zeit, ein Gebot vorzulegen. (awp/mc/ps)

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