Rentenversicherung: eine Frage des Glaubens?

Pensionskasse
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Frankfurt am Main – Das deutsche Rentensystem wird von drei Stützpfeilern getragen: der gesetzlichen, der betrieblichen und der privaten Vorsorge. Was vor den Nuller Jahren noch als gute Idee galt, um sich abzusichern, ist heute unabdingbar, um zumindest das Existenzminimum im Rentenalter zu halten.

Denn die Faktenlage ist klar: Das Niveau der gesetzlichen Rente wird weiter sinken. Im Jahr 2030 wird ein Durchschnittsverdiener nicht einmal die Hälfte seines Gehalts ausgezahlt bekommen. Alle anderen, also Niedrigverdiener oder Minijobber, von denen es immer mehr in Deutschland gibt, werden allerhöchstens ein paar hundert Euro Rente erhalten. Damit aber nicht genug, auch die Zukunft der betrieblichen Altersvorsorge sieht nicht gerade rosig aus. Was bei Beratungsgesprächen, aber auch in der Politik gerne verschwiegen wird: Aktuell wird für die Zusatzrente der volle Betrag für die Kranken- und Pflegekasse fällig. Besonders bei Geringverdienern geht so der Profit Richtung Null.

Riester-Rente: hinter den Erwartungen zurückgeblieben
Bei der privaten Altersvorsorge scheitert es aktuell an dem fehlerhaft kalkulierten Riester-System. Die Riester-Rente kann das sinkende Rentenniveau nicht wie versprochen ausgleichen: Verträge wurden zu niedrig verzinst, und die Kosten sind zu hoch, als dass am Ende etwas übrig bleiben würde. Einige Versicherer haben die Riester-Produkte bereits aus ihren Angeboten entfernt. Stattdessen wird auf neue Formen der privaten Rentenversicherung gesetzt. Der Anbieter Cosmosdirekt hat dem Verbraucherportal biallo.de zufolge bereits 2013 als erster Anbieter eine Online-Altersrente eingeführt. Der aktuellen Kritik zum Trotz rechnet die Bundesregierung selbst laut Frankfurter Allgemeinet Zeitung mit einem Anstieg der Altersvorsorge bis 2019 von derzeit 2,4 Milliarden auf 3,3 Milliarden und erhofft sich im selben Zug eine wachsende Nachfrage nach Riester-Systemen. Zynisch formuliert, wird die Riester-Rente zu einer Glaubensfrage degradiert, an der nur noch die Bundesregierung selbst festhält.

Verbesserungen der drei Stützpfeiler sind von der grossen Koalition nicht geplant. Stattdessen schmückt man sich mit einer Rente ab 63 und einer Erhöhung der Mütterrente. Der Preis für das Rentenpaket ist zu hoch, als dass dabei von einem Erfolg gesprochen werden könnte. Die angesetzten 160 Milliarden Euro (tatsächlich: 233 Milliarden) für das neue Rentenpaket sind bis spätestens 2030 weg. Die Lösung kann demnach nur als temporär bezeichnet werden. Die jetzige Arbeitnehmer-Generation, ganz zu schweigen von der jüngeren Generation, wird sich künftig mit den finanziellen Konsequenzen auseinandersetzen müssen. (CD/mc/hfu)

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