Russland will ukrainische Langstrecken-Waffen zerstören

Sergej Schoigu
Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Moskau/Kiew – Das russische Militär soll sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums auf die Zerstörung von Langstrecken- und Artilleriewaffen in der Ukraine konzentrieren. Das habe Verteidigungsminister Sergej Schoigu angeordnet, teilte sein Ministerium mit. Mit den Waffen würden «Wohngebiete in Orten im Donbass beschossen werden», hiess es.

Dazu hat Russland nach Erkenntnissen britischer Geheimdienste Kräfte der Söldnergruppe Wagner zur Verstärkung seiner Truppen an der Front eingesetzt. Die Wagner-Gruppe senke ihrerseits die Rekrutierungsstandards und stelle auch verurteilte Straftäter und bisher für den Einsatz gesperrte Personen ein, teilt das Verteidigungsministerium in London mit. Dies könne potenziell Auswirkungen auf die Schlagkraft des russischen Militärs haben. Präsident Wladimir Putin hatte zu einem früheren Zeitpunkt erklärt, Wagner und ähnliche Organisationen würden weder vom russischen Staat bezahlt noch würden sie Russland vertreten.

Ukrainische Truppen hatten nach Angaben aus Kiew zuletzt erfolgreich rund 30 russische Logistikzentren und Munitionslager attackiert. Dafür setzten sie kürzlich aus dem Westen gelieferte Mehrfachraketenwerfer ein. Schoigu war am Samstag zu Soldaten gereist, die an den Kämpfen beteiligt sind. Er befahl dort die Ausweitung aller Kampfhandlungen gegen die Ukraine.

Explosionen in Mykolajiw
In der umkämpften Stadt Mykolajiw im Süden der Ukraine gab es nach Angaben des ukrainischen Generalstabs in der Nacht mindestens zehn Explosionen. Unterdessen seien in zwei Orten der Region Donezk zwei Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden. Kampfhandlungen gebe es aktuell nahe Horliwka zwischen den Städten Luhansk und Donezk. In mehreren Orten der Region Donezk seien russische Angriffe zurückgeschlagen worden. Das russische Militär setze auch Mittel der radioelektronischen Kampfführung ein, um die Kommunikation über Satelliten zu stören, berichtete der Generalstab weiter.

Fast 1350 getötete Zivilisten im Kiewer Gebiet
Seit Ende der russischen Besatzung im Kiewer Umland sind nach ukrainischen Angaben 1346 getötete Zivilisten gefunden worden. Diese Zahl nannte der Polizeichef des Gebiets, Andrij Njebytow, im ukrainischen Fernsehen. An allen Orten, an denen russische Truppen gewesen seien, finde die Polizei ermordete Zivilisten. Die Zahl sei nicht abschliessend. Von etwa 300 Menschen fehle noch jede Spur. Etwa die Hälfte der tot gefundenen Menschen sei mit Handfeuerwaffen getötet worden, sagte der Verwaltungschef des Kiewer Gebiets, Oleksij Kuleba.

Nach dem Angriff auf die Ukraine am 24. Februar waren russische Truppen bis dicht vor die Hauptstadt Kiew vorgestossen. Als sie Ende März abzogen, fanden sich in Orten wie Butscha und Irpin hunderte Leichen getöteter ukrainischer Männer und Frauen. Ukrainische Fahnder ermitteln mit internationaler Hilfe wegen Kriegsverbrechen. Moskau streitet die Massaker aber ab und nennt sie eine ukrainische Inszenierung, obwohl es mit Satellitenaufnahmen, Funksprüchen und Bildern von Drohnen etliche Beweise gibt.

Selenskyj entlässt Sicherheitschef und Generalstaatsanwältin
Am Sonntag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Chefs von Geheimdienst und Generalstaatsanwaltschaft entlassen. Das Präsidialamt in Kiew veröffentlichte Erlasse, mit denen der Leiter des Inlandsgeheimdienstes SBU, Iwan Bakanow, und Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa ihrer Ämter enthoben wurden. Aus diesen Behörden seien mehr als 60 Mitarbeiter in den russisch besetzten Gebieten geblieben und kollaborierten mit dem Feind, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache. Diese «Reihe von Verbrechen gegen die Grundlagen der nationalen Sicherheit» werfe ernsthafte Fragen an die Behördenleiter auf, sagte der Präsident.

Bakanow leitete den Geheimdienst SBU seit 2019. Für ihn wurde kein Nachfolger genannt. Der 47-Jährige war ein Freund von Selenskyj seit Kindheitstagen. Beide wuchsen in Selenskyjs zentralukrainischer Heimatstadt Krywyj Rih auf. Bakanow gehört zum Freundeskreis, mit dem Selenskyj die TV-Produktionsfirma Kwartal 95 gründete. (mc/pg)

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