SAP macht für Tempo in der Cloud Abstriche beim Gewinn

SAP-CEO Bill McDermott. (Copyright: SAP)

Walldorf – Europas grösster Softwarehersteller SAP nimmt für ein schnelles Wachstum seines neuen Standbeins mit Mietsoftware Abstriche beim Gewinn in Kauf. Aus dem operativen Geschäft rechnet das Management um Vorstandschef Bill McDermott nun mit rund 200 Millionen Euro weniger Gewinn, weil Kunden immer stärker auf den Bezug der Software übers Internet setzten, wie SAP am Montag mitteilte. Kunden zahlen die Software in der sogenannten Cloud über Abo-Gebühren und nicht wie bei herkömmlichen Lizenzen auf einen Schlag. Daneben seien höhere Investitionen in Rechenzentren nötig, sagte Finanzchef Luka Mucic.

Konzerchef McDermott liess keinen Zweifel daran, dass es ihm ernst ist mit dem Umbau des Geschäftsmodells. Die Zahlen aus dem dritten Quartal sprechen für ihn: Die Cloud legte weiter zu, in den abgelaufenen drei Monaten zog der um Sondereffekte bereinigte Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum um 41 Prozent auf 278 Millionen Euro an. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Zum zweiten Mal hintereinander hob SAP auch die Messlatte für das Jahr an, zwischen 1,04 und 1,07 Milliarden Euro Cloud-Erlös sollen dann in den Büchern stehen. Der geplante Zukauf des US-Reisekostenspezialisten Concur ist darin noch nicht enthalten. Der Bereich für herkömmlich installierte Software schwächelte dagegen.

Händler: Gewinnerwartungen am Markt ohnehin niedriger
Der um Währungsschwankungen und Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern des Konzerns soll zwischen 5,6 und 5,8 Milliarden Euro landen – bislang wollte SAP 5,8 bis 6 Milliarden erreichen. Das kam vorbörslich am Markt nicht gut an, die Aktie gab knapp zwei Prozent nach. Händler waren am Morgen geteilter Meinung. Einer sprach davon, dass die Gewinnerwartungen nach der Ankündigung der Concur-Übernahme am Markt ohnehin niedriger gelegen hätten. Für die Firma legt SAP 8,3 Milliarden US-Dollar auf den Tisch.

McDermott trimmt das Unternehmen mit dem Zukauf weiter auf das neue Erlösmodell Cloud – auch wenn es unbequem ist. Beim personellen Umbau fallen einige der weltweit fast 69 000 Stellen weg, die Mitarbeiter sollen neue Aufgaben im stärker wachsenden Geschäft bekommen. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Zum Stichtag Ende des Jahres will der Konzern aber mehr Mitarbeiter beschäftigen als Ende 2013.

Robustes Geschäft stützt Umbau
Das restliche Geschäft schafft dem Management den nötigen Raum für den Schwenk zum Abo-Modell. Beim Gesamtumsatz erwirtschaftete SAP in den drei Monaten bis September einen Zuwachs von 5 Prozent auf 4,25 Milliarden Euro. Der Produktumsatz mit Software und softwarebezogenen Dienstleistungen (SSRS) stieg währungsbereinigt um 7 Prozent und damit in der Mitte der Prognosespanne. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern wuchs um 5 Prozent auf 1,36 Milliarden Euro. Erst vor kurzem hatte Finanzchef Mucic einen Einstellungsstopp ausgerufen und auf Kostendisziplin gepocht.

McDermott weiss, dass er sich in der Cloud beeilen muss – Konkurrenten wie der Vertriebsspezialist Salesforce und der Personaldienstleister Workday sind schnell und wendig, sie setzen den Weltmarktführer von Unternehmenssoftware auch mit Kooperationen zunehmend unter Druck. Salesforce etwa ist SAP bei den Cloud-Umsätzen noch voraus – SAP wächst allerdings nach eigenen Angaben schneller. (awp/mc/upd/ps)

 

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