Schwacher Dollar und Generika: Merck erwartet Gewinnrückgang
Darmstadt – Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck stellt sich wegen harter Konkurrenz und des schwachen US-Dollars auf schwierige Zeiten ein. 2026 dürfte das operative Ergebnis zurückgehen und der Umsatz bestenfalls das Vorjahresniveau erreichen, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Bereits 2025 bremsten negative Währungseffekte: Zwar verdiente Merck operativ etwas mehr als im Jahr zuvor, musste aber leichte Umsatzeinbussen und unter dem Strich einen Gewinnrückgang hinnehmen. Die Dividende soll jedoch stabil bei 2,20 Euro je Anteil bleiben.
Der Ausblick liege unter den Markterwartungen, die nun sinken dürften, schrieb Richard Vosser von der US-Bank JPMorgan in einer ersten Reaktion. Der Kurs der im Dax notierten Aktie sank am Vormittag um gut ein halbes Prozent auf 122,25 Euro.
In diesem Jahr dürfte das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf 5,5 bis 6,0 Milliarden Euro sinken, hiess es vom Unternehmen. Der Umsatz wird bei 20,0 bis 21,1 Milliarden Euro erwartet. Erheblichen Gegenwind erwartet das Merck vom schwachen Dollar, der unter US-Präsident Donald Trump deutlich an Wert verloren hat. Wegen seiner aggressiven Zollpolitik hat das Vertrauen in die Vereinigten Staaten an den Finanzmärkten gelitten. Da Merck rund ein Viertel seines globalen Jahresumsatzes in den USA macht, trifft das die Darmstädter spürbar. Dort beschäftigt der Konzern rund 14.000 Menschen – mehr als am Hauptsitz in Darmstadt.
Zudem stellt sich Merck darauf ein, dass ab März US-Umsätze mit dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad wegfallen – wegen des Wettbewerbs durch Nachahmerarzneien. Darüber hinaus berücksichtige der Ausblick keine positiven Effekte aus einer möglichen US-Marktzulassung des Fruchtbarkeitsmedikaments Pergoveris, für die derzeit eine beschleunigte Prüfung beantragt wird.
Schon im vergangenen Jahr hatten der schwache Dollar und Effekte bei asiatischen Währungen Merck belastet. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Prozent auf 21,1 Milliarden Euro zurück. Organisch – also ohne Wechselkurs- und Portfolioeffekte – verbuchte das Unternehmen ein Plus von 3,1 Prozent. Zuwächse erzielten das Laborgeschäft und die Pharmasparte, die auf Halbleitermaterialien ausgerichtete Sparte Electronics verbuchte hingegen deutlich weniger Erlös als im Vorjahr.
Konzernweit erzielte Merck ein bereinigtes Ebitda von 6,1 Milliarden Euro, das waren 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch unter dem Strich mussten die Südhessen für das Gesamtjahr einen Gewinnrückgang um rund 6 Prozent auf gut 2,6 Milliarden hinnehmen.
Im Laborgeschäft zogen im vergangenen Jahr insbesondere die Geschäfte rund um Produkte für die Arzneimittelproduktion wieder an und erholten sich vom Nachfrageknick der Postcorona-Zeit. Im Arzneimittelbereich profitierte Merck vorrangig von einem starken Geschäft mit Medikamenten gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen, auch trug die Übernahme des US-Krebsspezialisten Springwork Therapeutics zum Wachstum bei. Und im Geschäftsbereich Electronics boomten zwar die Geschäfte rund um Künstliche Intelligenz (KI), doch belasteten anhaltende Verzögerungen bei grossen Kundenprojekten.
Belen Garijo, die in weniger als zwei Monaten als neue Chefin zum Pharmakonzern Sanofi wechselt, erklärte zum Abschied: «Wir haben 2025 erneut unsere Widerstandsfähigkeit unter Beweis gestellt – trotz erheblicher geopolitischer Herausforderungen und starker Währungsgegenwinde». Der Konzern sei mit seinem robusten Portfolio und zentralen Wachstumstreibern in allen drei Sparten gut aufgestellt «für das kommende Jahrzehnt, in dem ein neues Kapitel für Merck beginnt».
Garijo steht seit Mai 2021 an der Spitze des Dax-Unternehmens, Ende April reicht sie nun die Führung an Kai Beckmann weiter, der derzeit noch die Elektronik-Sparte der Darmstädter leitet. Die spanische Managerin steuerte Merck durch die Corona-Pandemie, in der die Darmstädter erheblich von einer hohen Nachfrage der Impfstoffforscher und -hersteller profitierten. Zudem managte sie mehrere Zukäufe, wie zuletzt die milliardenschwere Übernahme des US-Krebsspezialisten Springworks Therapeutics. Den versprochenen Zukauf für die Laborsparte blieb sie aber schuldig. (awp/mc/ps)