Ukraine bittet um mehr westliche Waffen

Ukraine bittet um mehr westliche Waffen
Die umkämpfte Stadt Sjewjerodonezk im Südosten der Ukraine.

Kiew / Moskau – Für den zähen Abwehrkampf gegen die russische Armee erwartet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj deutlich mehr Unterstützung des Westens. «Wir müssen noch viel mehr gemeinsam tun, um diesen Krieg zu gewinnen», sagte Selenskyj der «Zeit» in einem am Dienstag veröffentlichten Interview. Insbesondere brauche sein Land mehr moderne Artilleriegeschütze wie etwa Mehrfachraketenwerfer. Zur Unterstützung Deutschlands sagte er, die Waffenlieferungen seien «immer noch geringer, als sie sein könnten».

Selenskyj sagte auf die Frage, ob er sich von Bundeskanzler Olaf Scholz die klare Formulierung wünsche, die Ukraine müsse den Krieg gewinnen: «Wie auch immer der Wortlaut ist: Jeden Tag sterben Dutzende von Menschen hier in der Ukraine. Jeden Tag. Wie soll ich da ruhig bleiben?» Russlands Präsident Wladimir Putin hasse die Idee eines freien und vereinten Lebens in Europa, und seine Soldaten hielten dagegen. «Also sagt, was ihr wollt und wie ihr es wollt, aber helft uns. Bitte.» Bereits tags zuvor hatte Selenskyj gewarnt, Deutschland dürfe keinen Spagat zwischen der Ukraine und den Beziehungen zu Russland versuchen.

Scholz, der französische Präsident Emmanuel Macron und Italiens Regierungschef Mario Draghi könnten schon Mitte der Woche die Ukraine besuchen. Eine offizielle Terminangabe steht aber noch aus.

Ukraine: Zivilisten im Chemiewerk Azot in Sjewjerodonezk
Nachdem die dritte und damit letzte Brücke der Stadt Sjewjerodonezk über den Fluss Si?werskyj Donez zerstört wurde, wachsen die Sorgen um die in der Stadt verbliebenen Zivilisten. Die Lage rund um das örtliche Chemiewerk Azot sei besonders schwer, sagte der Chef der städtischen Militärverwaltung, Olexander Strjuk, im ukrainischen Fernsehen. Auf dem Werksgelände sollen demnach in Bombenschutzkellern etwa 540 bis 560 Zivilisten ausharren. «Gewisse Vorräte wurden ins Azot-Werk geschaffen», sagte Strjuk. Zudem leisteten Polizisten und Militärs Hilfe. Das Gelände stehe aber unter ständigem Beschuss, auch die Strassenkämpfe dauerten an.

Die Situation in dem Werk erinnert an jene der Hafenstadt Mariupol im Südosten der Ukraine, wo sich im Asovstal-Werk ukrainische Soldaten und Zivilisten verschanzt hatten. Inzwischen ist die Stadt inklusive des Stahlwerks unter russischer Kontrolle.

Russland kündigte für Mittwoch die Einrichtung eines Fluchtkorridors für die eingekesselten Zivilisten im Chemiewerk Azot an. Der Fluchtweg soll in nördliche Richtung in die Stadt Swatowe (Swatowo) im Gebiet Luhansk führen, wie der Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums, Michail Misinzew, sagte. Der Ort Swatowe liegt in der von prorussischen Separatisten kontrollierten und von Moskau als Staat anerkannten Volksrepublik Luhansk. (awp/mc/pg)

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