Lufthansa überrascht mit Gewinnsprung im Streiksommer

Lufthansa
(Foto: Lufthansa/Rolf Bewersdorf)

(Foto: Lufthansa/Rolf Bewersdorf)

Frankfurt am Main – Höhere Ticketerlöse und gute Geschäfte mit der Bordverpflegung haben der Lufthansa im Streiksommer 2012 einen überraschenden Gewinnsprung beschert. Weil die Aussichten für das Passagier- und Frachtgeschäft mau bleiben, dreht Europas grösste Fluggesellschaft aber erneut an der Kostenschraube. Zusätzlich zum laufenden Sparprogramm «Score» soll das Streckennetz der Kernmarke Lufthansa noch einmal auf den Prüfstand. Für das laufende Jahr erwartet die Konzernführung um Vorstandschef Christoph Franz weiterhin einen operativen Gewinn im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich, wie das Unternehmen am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Bei der Prognose hat Franz allerdings die Kosten für die Umstrukturierungen herausgerechnet, die in diesem Jahr nun unter 100 Millionen Euro bleiben sollen. Mit einem operativen Gewinn von 628 Millionen Euro in den ersten neun Monaten ist Lufthansa dafür auf Kurs. Für den Konzernüberschuss traut sich das Management aber noch keine Prognose zu.

Umsatz legt um 6 Prozent zu
Von Juli bis September lief es für die Lufthansa trotz des Flugbegleiter-Streiks und hoher Treibstoffkosten besser als erwartet. Der Umsatz legte um sechs Prozent auf 8,3 Milliarden Euro zu. Der operative Gewinn stieg um sechs Prozent auf 648 Millionen Euro, während Analysten mit einem Rückgang gerechnet hatten. Der Überschuss kletterte um 30 Prozent auf 642 Millionen Euro. Dazu trugen auch die vollzogene Trennung vom Verlustbringer BMI sowie Bewertungseffekte bei Treibstoffgeschäften bei.

Streik-Effekt aufgefangen
Im Passagiergeschäft profitierte die Gesellschaft vom schwachen Euro, der die Tickets der deutschen Fluggesellschaft in Nicht-Euro-Ländern billiger machte. Weil jedes Ticket im Schnitt 4,5 Prozent mehr Umsatz brachte, konnte die Kernmarke Lufthansa den Streik-Effekt im Sommer mehr als ausgleichen. Der Ausstand der Flugbegleiter Ende August und Anfang September kostete das Unternehmen 33 Millionen Euro. Dennoch verdiente die Marke mit dem Kranich 80 Millionen Euro und damit gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Auch bei der Catering-Tochter LSG Sky Chefs lief es besser, während vor allem die Frachtsparte Cargo unter der schwächeren Weltwirtschaft zu leiden hatte.

Zufrieden ist die Konzernspitze mit den Ergebnissen nicht, auch wenn sie die Zahlen immerhin «respektabel» nannte. «Wir haben nicht die Ertragskraft erzielt, die wir brauchen, um notwendige Investitionen tätigen zu können», sagte Franz. Das Umfeld wird aus Sicht des Vorstands nicht besser: Für den Rest des Jahres erwartet die Konzernspitze grössere Unsicherheiten beim Ticketabsatz. Schon warteten die Kunden immer länger mit der Buchung ihrer Flüge.

Sparprogramm wird ausgeweitet
Das laufende Sparprogramm, das den operativen Gewinn bis 2015 um 1,5 Milliarden Euro verbessern soll, reicht nach Ansicht des Managements nicht aus. Weitere Massnahmen sollten «einen nachhaltigen Turnaround in der Ergebnisentwicklung» erreichen, heisst es im Geschäftsbericht. Dazu soll der Umfang des Flugangebots bei der Kernmarke erneut auf den Prüfstand, ebenso das Streckennetz. Ausserdem sollen geschäftliche Strukturen weiter vereinfacht werden.

Die Lufthansa will bereits 3.500 Stellen in der Verwaltung abbauen und rund 700 Jobs aus Deutschland ins Ausland verlagern. Ausserdem trifft die geplante Verlagerung des Europa-Direktverkehrs zur Billigtochter Germanwings auf Widerstand bei den Arbeitnehmern.

Stellenabbau und Passagiergeschäft bringen Air France-KLM nach vorne
Ein hartes Sparprogramm und die Reiselust der Passagiere haben bei der Fluggesellschaft Air France-KLM im Sommerquartal die Belastungen durch höhere Treibstoffkosten wettgemacht. Der operative Gewinn verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um knapp 28 Prozent auf 506 Millionen Euro, wie der Konzern mitteilte. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 306 Millionen Euro nach 14 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz von Air France-KLM stieg zwischen Juli und September um 5,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. (awp/mc/pg)

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