Hiobsbotschaft zum Jahresstart: China-Sorgen verunsichern Anleger

China
(Foto: JohnKwan - Fotolia.com)

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Peking / Frankfurt – Die kriselnde chinesische Wirtschaft ist mit weiteren Signalen der Schwäche ins neue Jahr gestartet und hat die Laune der Anleger weltweit getrübt. Eine überraschend schlechte Stimmung in Chinas Industrieunternehmen führte zu massiven Kursverlusten an den chinesischen Börsen und machte sich auch auf dem Frankfurter Börsenparkett bemerkbar. Der chinesische Aktienhandel wurde für den Rest des Tages eingestellt. Experten rechnen mit weiteren Eingriffen seitens der chinesischen Führung.

Der vom chinesischen Wirtschaftsmagazin «Caixin» ermittelte Einkaufsmanagerindex (PMI) sank im Dezember überraschend. Er fiel nach Angaben vom Montag von 48,6 auf 48,2 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit September. Experten hatten mit einem Anstieg gerechnet. Der Indikator lag zudem zum zehnten Mal in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, was auf ein Schrumpfen der industriellen Fertigung hindeutet.

«Risiko einer Abschwächung»
Analysten hatten eigentlich eine Beruhigung der Lage erwartet. Der Index, der besonders die Stimmung in den Chefetagen kleiner und mittelgrosser privater Industrieunternehmen berücksichtigt, ist damit in sieben der vergangenen acht Monate rückläufig.

«Das zeigt, dass die Kräfte für eine wirtschaftliche Erholung auf Hürden gestossen sind und die Wirtschaft vor einem grösseren Risiko einer Abschwächung steht», sagte der Chefökonom He Fan von «Caixin». Nach der Zinserhöhung in den USA Mitte Dezember seien jetzt grössere Kursschwankungen auf den globalen Finanzmärkten zu erwarten.

Märkte reagieren stark verunsichert
Die Finanzmärkte reagierten stark verunsichert auf die Zahlen. An Chinas Börsen rauschten die Kurse um mehr als sieben Prozent bergab. Der chinesische Aktienhandel wurde daraufhin für den Rest des Tages ausgesetzt. Gleich am ersten Tag seiner Einführung kam damit ein neuer Sicherungsmechanismus zum Zuge, der zu grosse Kursschwankungen verhindern soll.

Auch andere asiatische Börsen wie in Tokio gaben deutlich nach. Zudem reichten die China-Sorgen bis nach Frankfurt: Der deutsche Aktienindex Dax gab am Morgen um mehr als drei Prozent nach. Die chinesische Landeswährung Yuan (auch: Renminbi) verlor ebenfalls deutlich. Die Zentralbank in Peking setzte den Referenzkurs für einen Dollar am Montag über der Marke von 6,50 Yuan fest. Damit ist der Yuan so schwach wie zuletzt im Mai 2011.

Hiobsbotschaft mit Einschränkungen
Dabei sehen nicht alle Experten die Zahlen als uneingeschränkte Hiobsbotschaft. Dirk Gojny, Analyst bei der National-Bank, betrachtet die Entwicklung eher von der positiven Seite. «Das verarbeitende Gewerbe schwächelt, während sich der Dienstleistungssektor ganz ordentlich entwickelt. Das könnte man durchaus als erste Zeichen für den Erfolg der Umsteuerung des chinesischen Geschäftsmodells verstehen», sagte Gojny.

Zudem sehen die Zahlen beim offiziellen Stimmungsindikator für die Industrie etwas besser aus. Hier lag der vom chinesischen Handelsverband CFLP am Freitag veröffentlichte Wert im Dezember bei 49,7 Punkten und damit leicht höher als im November. Der offizielle PMI basiert auf einer Umfrage bei 3000 relativ grossen Unternehmen.

Experten: Weitere Eingriffe wahrscheinlich
Experten halten es dennoch für wahrscheinlich, dass die chinesische Führung künftig weitere Eingriffe vornehmen wird, um die Konjunktur zu stützen. «Wirtschaftspolitische Massnahmen liegen nahe, um Überkapazitäten abzubauen und die landesweite Urbanisierung voranzutreiben», sagte Rainer Sartoris, Analyst bei der Bank HSBC Trinkaus. «Daher rechnen wir 2016 mit einer Ausweitung der Neuverschuldung auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.» Zudem sei mit einer weiteren Senkung der Leitzinsen sowie des Reservesatzes durch die Zentralbank zu rechnen. (awp/mc/upd/ps)

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