Tesco mit sagenhaftem Jahresverlust von 5,74 Mrd Pfund

Dave Lewis
Tesco-CEO Dave Lewis. (Foto: Tesco)

Tesco-CEO Dave Lewis. (Foto: Tesco)

London – Nach einem regelrechten Horrorjahr mit mehreren Gewinnwarnungen und Bilanzskandalen hat der britische Einzelhandelsriese Tesco Bilanz gezogen: Konzernchef Dave Lewis musste am Mittwoch in London den höchsten Verlust in der 96-jährigen Geschichte von Tesco einräumen. Im Geschäftsjahr 2014/15 (Ende Februar) verlor das angeschlagene Unternehmen unter dem Strich 5,74 Milliarden britische Pfund (8 Mrd Euro).

Vor allem Sonderbelastungen von rund 7 Milliarden Pfund rissen den grössten Einzelhändler in Grossbritannien in die roten Zahlen, weil das Unternehmen unter anderem den Bilanzwert seiner Supermärkte und Immobilien spürbar senken musste.

Aldi und Lidl nehmen Tesco Marktanteile ab
Neben den Sonderbelastungen lief es auch im eigentlichen Geschäft nicht rund. Der Jahresumsatz sank um 3 Prozent auf 69,65 Milliarden Pfund. Tesco steht im Heimatmarkt unter Druck von Discountern wie Aldi und Lidl, die dem Konzern Marktanteile abgraben. Im operativen Geschäft meldete Tesco zwar einen Jahresgewinn von 1,4 Milliarden Pfund – aber auch das waren knapp 60 Prozent weniger als vor einem Jahr. Insbesondere in Grossbritannien sackte der Profit ab – die Gewinnmarge beträgt dort nur noch gut 1 Prozent.

Auch boomender Onlinehandel macht Tesco zu schaffen
Die Sonderabschreibungen auf eigene Supermärkte resultieren auch daraus, dass alteingesessene Betreiber wie Tesco gleich von mehreren Seiten in die Zange genommen werden: Neben der Billigkonkurrenz der deutschen Discounter boomt der Onlinehandel, und spezielle Läden wie Biomärkte punkten mit besonderer Produktauswahl bei den Kunden. Auch Konkurrenten von Tesco hatten deswegen schon Abschreibungen auf den Wert ihrer Läden vorgenommen.

Buchhaltungsskandal und Chefwechsel
Die Misere bei Tesco geht aber auch über die scharfe Konkurrenz hinaus: Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen neben schrumpfenden Verkäufen auch unter einem Buchhaltungsskandal zu leiden. Zudem hat Tesco Wechsel an der Führungsspitze hinter sich. Mittlerweile nagen die Probleme an der finanziellen Substanz. Die Nettofinanzschulden stiegen im vergangenen Geschäftsjahr um 1,9 Milliarden auf 8,5 Milliarden Pfund. Dazu kommen noch milliardenschwere Verpflichtungen für Pensionszahlungen.

Dividende gestrichen, Investitionen begrenzt
Konzernchef Lewis will Vertrauen bei Kunden und Geschäftspartnern zurückgewinnen und die Bilanz stärken. Die Schlussdividende strich der Konzern, die Ausgaben für Investitionen sollen im laufenden Geschäftsjahr die Marke von 1 Milliarde Pfund nicht überschreiten. Was der Konzern schon geändert habe und noch ändern werde, stärke Tesco dabei, in der Gunst des Kunden wieder vorne zu landen, sagte Lewis. Zugleich warnte er aber vor einem kurzfristig weiter turbulenten Umfeld.

Am Markt hatten viele Experten die Milliardenabschreibungen und das Zahlendebakel schon vorausgesehen. Die Aktie gewann London am Vormittag im leicht abröckelnden Leitindex FTSE 100 um 0,38 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier mehr als ein Viertel zugelegt. Von den Kursniveaus der vergangenen Jahre vor dem Absturz sind die Anteile aber noch weit entfernt. (awp/mc/pg)

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