Trump verschiebt Ultimatum – «Produktive» Gespräche mit Iran
Washington – US-Präsident Donald Trump hat angeordnet, in den nächsten fünf Tagen keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und die Energieinfrastruktur zu fliegen. Dies sei das Ergebnis «sehr guter und produktiver Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten» in den vergangenen beiden Tagen, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social in Versalien. An den Finanzmärkten zogen die Aktiennotierungen an, während die Öl- und Gaspreise deutlich sanken.
Der US-Präsident hatte dem Iran zuvor mit der Zerstörung seiner Energieanlagen gedroht, sollte das Land nicht innerhalb von 48 Stunden die für die Weltwirtschaft bedeutende Strasse von Hormus vollständig und «ohne Drohungen» öffnen. Diese Frist wäre in der deutschen Nacht zum Dienstag ausgelaufen. Der Iran drohte daraufhin mit der vollständigen Schliessung der Meerenge für den Fall von US-Angriffen.
Jetzt schrieb Trump von «detaillierten und konstruktiven Gespräche», die in dieser Woche fortgesetzt werden sollen. Die Aussetzung der Angriffe sei vorbehaltlich des Erfolgs der weiteren Treffen und Verhandlungen.

Der von den USA und Israel angegriffene Iran hatte seit Kriegsbeginn wiederholt Schiffe in der Strasse von Hormus per Funk dazu aufgerufen, diese nicht zu passieren. Teheran griff in der Region seither wiederholt auch Schiffe an – mit gravierenden Auswirkungen auf den weltweiten Handel von Gas und Öl.
Die Meerenge ist die einzige Verbindung des Persischen Golfs mit den Weltmeeren und gilt als eine der wichtigsten Routen der Seefahrt weltweit. Rund ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs wird durch die Passage transportiert. Der grösste Teil davon geht in Richtung China, Indien und in andere asiatische Länder. Auch etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssiggashandels läuft durch die Meerenge.
Iran dementiert Verhandlungen mit den USA
Der Iran selbst hat Aussagen von US-Präsident Donald Trump dementiert, wonach Verhandlungen zwischen Teheran und Washington laufen. Es gebe keinerlei direkte Kontakte zu Trump, auch nicht über Vermittler, hiess es in Berichten der Nachrichtenagenturen Fars und Tasnim, die Irans mächtigen Revolutionswächtern nahestehen. Die Agentur Fars zitierte eine anonyme Quelle im iranischen Machtapparat, wonach Trump zurückgerudert sei, nachdem er gehört habe, dass alle Kraftwerke in Westasien Ziele iranischer Angriffe sein würden. Tasnim schrieb, Trump habe sich «vom Druck der Finanzmärkte» überzeugen lassen. Der Iran werde die Verteidigung fortsetzen, «bis die notwendige Abschreckung erreicht ist». (awp/mc/pg)