Ukraine-Krieg verknappt Stahlangebot – Indien sieht Chance

Ukraine-Krieg verknappt Stahlangebot – Indien sieht Chance

Neu Dehli – Der Ukraine-Krieg und die deswegen gegen Russland verhängten Sanktionen haben das Stahlangebot weltweit verknappt und Preise in die Höhe schnellen lassen. Die Ukraine und Russland seien für rund zehn Prozent des internationalen Stahlhandels verantwortlich, sagte Stahlexperte Jayanta Roy von der indischen Ratingagentur ICRA der Deutschen Presse-Agentur. Kriegs- und sanktionsbedingt könnte der Export beider Länder nun ausfallen.

Die EU hatte sich gestern gemeinsam mit den USA und weitere Verbündeten auf weitere Strafmassnahmen gegen Russland verständigt. Unter anderem sieht das neue EU-Sanktionspaket vor, die Einfuhr von «wesentlichen Gütern im Eisen- und Stahlsektor aus der Russischen Föderation» zu verbieten, wie aus einer Erklärung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hervorgeht.

China und Indien können Wegfall wettmachen – Hohe Frachtraten
Stahlexperte Roy geht davon aus, dass die zwei weltgrössten Stahlproduzenten China und Indien den Wegfall wettmachen können. Bislang ging nach Angaben der indischen Ratingagentur CRISIL mehr als ein Drittel von Indiens Stahlexporten nach Europa. Der Bundesverband Deutscher Stahlhandel (BDS) äusserte sich jedoch skeptisch zu Stahllieferungen aus Fernost. Die Frachtraten seien weltweit um ein Mehrfaches gestiegen, was Lieferungen aus entfernten Regionen unrentabler mache, sagte BDS-Vorstand Oliver Ellermann. Von den jährlich rund 150 Millionen Tonnen Stahlverbrauch in der EU kämen 20 Prozent über Importe, davon wiederum stammten 40 Prozent aus Russland, der Ukraine und Belarus.

Auch in Deutschland seien die Stahlpreise gestiegen, so Ellermann weiter. So habe etwa der Preis für Stahlmatten für die Bauindustrie im Vergleich zum Herbst 2021 um 72 Prozent zugelegt. Betonstahl sei 46 Prozent teurer. «Ohnehin befanden sich die Preise pandemiebedingt in den letzten beiden Jahren auf einem historisch hohem Niveau», erklärte Ellermann. Gründe dafür waren den Angaben nach bis zum Kriegsbeginn in der Ukraine vor allem die gestiegenen Energiekosten, «feste Preisfronten» bei den Rohstoffen Erz, Kokskohle und Schrott sowie verteuerte Frachten. Der BDS rechnet auch in den kommenden Wochen und Monaten mit weiter steigenden Preisen. (awp/mc/pg)

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