Volkswagen steigert Quartalsgewinn kräftig dank China

Martin Winterkorn
Martin Winterkorn, ehemaliger VW-Konzernchef.

VW-Chef Martin Winterkorn.

Wolfsburg – Zahlt sich der Sparkurs schon aus? Europas grösster Autobauer Volkswagen hat ein starkes Sommerquartal eingefahren und die Börse mit einem deutlich höheren Gewinn überrascht. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) blieben mit 3,23 Milliarden Euro gut 16 Prozent mehr als vor einem Jahr. Damit hatten Analysten nicht gerechnet, VW-Aktien gewannen in Frankfurt rund vier Prozent und schossen an die Dax-Spitze. Dabei hatte der Konzern ausserhalb China mit scharfem Gegenwind zu kämpfen. „Wir haben uns im bisherigen Jahresverlauf ordentlich entwickelt“, sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Donnerstag.

Von seinem im Sommer eingeschlagenen milliardenschweren Sparkurs weicht der Konzernlenker aber nicht ab. VW müsse weiter intensiv daran arbeiten, „dass wir die grossen technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen der Automobilindustrie stemmen können“. Dabei lief es im vergangenen Quartal für den Konzern sehr ordentlich: Der Umsatz legte um vier Prozent auf 48,9 Milliarden Euro zu. Unter dem Strich konnte VW den Überschuss zwischen Juli und September sogar um fast 60 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro steigern.

China-Gewinn legt weiter zu – Kernmarke verbessert Marge
Ein Grund für den Erfolg ist und bleibt China, wo der Konzern mehr als ein Drittel seiner Autos verkauft. In den ersten neun Monaten warfen Volkswagens lokale Gemeinschaftsunternehmen 3,9 Milliarden Euro ab und damit elf Prozent mehr als vor einem Jahr. Doch ausgerechnet dort hat VW mit einer Rückrufaktion Kunden gegen sich aufgebracht: In mehreren Metropolen protestierten jüngst hunderte Menschen vor VW-Händlern, fast 400 lassen sich von einer Pekinger Anwaltskanzlei vertreten. Sie sind unzufrieden, wie VW mit möglichen Schäden an den Hinterachsen von bis zu einer halben Million Autos umgeht.

Zufriedener kann VW hingegen mit der Entwicklung seines wichtigsten Umsatzbringers sein: Die Kernmarke Volkswagen Pkw kam im dritten Quartal nach Berechnungen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX auf 2,8 Prozent Ebit-Marge. Zum Jahresauftakt hatte sie nur 1,8 Prozent ihrer Erlöse als Gewinn einbehalten können. Konzernchef Winterkorn hatte der Marke daraufhin einen strammen Sparkurs verordnet, der fünf Milliarden Euro mehr Gewinn bringen soll. Auch andere Bereiche sollen ihre Kosten trimmen.

Skoda mausert sich zum Renditebringer
Während die Kernmarke von ihrer 2018-Vorgabe (6 Prozent Marge) noch weit entfernt ist, könnte die kleine Tochter Skoda schon jetzt einen Haken hinter das Margenziel machen – und entpuppt sich dabei als heimliche Renditeperle: In den ersten neun Monaten fuhr die tschechische Marke dank einer ganzen Reihe neuer Modelle mit 651 Millionen Euro Gewinn eine Ebit-Marge von 7,4 Prozent ein. Daimlers Pkw-Sparte rund um die Premiummarke Mercedes-Benz schafft mit 7,8 Prozent nur wenig mehr.

Damit konnte Skoda den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr um drei Viertel steigern. Mit Audi und Porsche steuerten die übrigen Gewinnbringer weniger zum Ergebnisanstieg bei. Die Premiumtöchter, die nur ein Drittel zum Umsatz, aber zwei Drittel zum Gewinn beitragen, bleiben aber Garant dafür, dass VW seinen Wachstumskurs finanzieren kann.

Ausblick bestätigt – Nach neun Monaten auf Kurs zum oberen Ende
Angesichts der überraschend guten Resultate hält Analyst Michael Punzet von der DZ Bank nun eher das obere Ende der von VW angepeilten Ebit-Spanne für realistisch. Zu einer Anhebung der Ziele liess sich der Vorstand aber nicht hinreissen. Er sieht den Umsatz weiterhin bis zu drei Prozent höher oder niedriger als die 197 Milliarden Euro aus 2013 und eine Ebit-Marge von 5,5 bis 6,5 Prozent. Nach neun Monaten liegt VW mit 147,7 Milliarden Euro Umsatz 1,4 Prozent besser als vor einem Jahr und konnte das Ebit sogar um zehn Prozent auf 9,4 Milliarden Euro (6,4 Prozent Marge) steigern. (awp/mc/upd/ps)

 

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