Volkswagen warnt vor heiklem USA-Jahr – BMW mit Rekord

Martin Winterkorn
Martin Winterkorn, ehemaliger VW-Konzernchef.

VW-Chef Martin Winterkorn.

Detroit – Europas grösster Autobauer Volkswagen fürchtet im Kampf gegen seine Schwäche auf dem wichtigen US-Markt eine schwierige Aufholjagd. «Es wird kein Spaziergang», sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Montag zum Start der US-Automesse in Detroit. Die Verkäufe der wichtigen Kernmarke VW-Pkw waren 2013 um sieben Prozent abgesackt, obwohl der US-Markt eigentlich boomt.

Anders als Volkswagen geben sich die deutschen Premiumhersteller Daimler und BMW zuversichtlicher. Daimler-Chef Dieter Zetsche sprach in Detroit von guten Vorzeichen für ein weiteres starkes Autojahr in den USA. Die konjunkturelle Lage verspreche ein rundum positives Umfeld. Nach einem prozentual zweistelligem Verkaufsplus im vergangenen Jahr wolle Mercedes auch 2014 profitieren.

BMW mit Rekordabsatz
Auch BMW ist bester Dinge. Die Münchner teilten zur Detroit-Messe einen neuen Rekordabsatz mit und wuchsen 2013 in den USA mit acht Prozent schneller als der Gesamtmarkt. 2014 solle es weiter aufwärts gehen, stellte BMW-Vertriebsvorstand Ian Robertson in Aussicht.

Die Neuwagenverkäufe in den USA, die nach China der weltgrösste Automarkt sind, hatten vergangenes Jahr um annähernd acht Prozent zugelegt und mit 15,6 Millionen Zulassungen fast wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Dieses Tempo dürfte der Markt 2014 nicht mehr hergeben. Branchenanalyst William Strauss von der US-Notenbank Fed sagte, 2013 sei absehbar das letzte Jahr mit spürbarem Wachstum gewesen. Die Vorhersagen für die Neuzulassungen 2014 lägen bei knapp drei Prozent. Auch für 2015 sei ein solcher Wert derzeit realistisch.

Harter Automarkt
Für die deutschen Hersteller ist der US-Trend ein wichtiges Gegengewicht für den kriselnden Heimatkontinent. Einzig Europas Branchenprimus Volkswagen tut sich in den USA schwer. «Amerika ist der weltweit härteste Automarkt», räumte Winterkorn in Detroit ein. Anders als die Premiummarken muss VW im Massenmarkt gegen starke amerikanische, japanische und südkoreanische Rivalen antreten.

In der Volkswagen-Gesamtrechnung verhalfen die VW-Töchter Audi und Porsche der Verkaufsbilanz zu einem kleinen Plus, das allerdings deutlich unter dem des US-Gesamtmarkts liegt. Für die Premiumtöchter läuft es ähnlich gut wie bei Mercedes und BMW.

Verkaufsschlager sind in die Jahre gekommen
Die Hoffnungen der Wolfsburger hängen unter anderem an einem neuen, eigens für den US-Markt entwickelten Modell. Doch die siebensitzige Geländelimousine erscheint frühestens in zwei Jahren; nämlich 2016, wie Winterkorn ankündigte. Der Manager hatte die «Crossblue» genannte Studie der besagten Geländelimousine schon im vergangenen Jahr in Detroit vorgestellt.

Heute, ein Jahr später, ist aber der Produktionsstandort noch immer unklar, die Werke in den USA und Mexiko buhlen um den Zuschlag. Der «Crossblue» soll in den USA die zwei in die Jahre gekommenen VW-Verkaufsschlager Passat und Jetta ergänzen. Ersterer rollt im US-Werk in Chattanooga vom Band.

Betriebsrat
Auch der «Crossblue» könnte dort gebaut werden. Querelen um ein Gremium für die Mitarbeitermitbestimmung lähmten das Thema aber zuletzt. Alle 105 VW-Fabriken auf der Welt haben ein solches Organ, nur die US-Fabrik in den Südstaaten noch nicht. Dem mächtigen VW-Betriebsrat ist das ein Dorn im Auge. Im VW-Aufsichtsrat müsste die Arbeitnehmerseite bei der Wahl der «Crossblue»-Fabrik zustimmen. (awp/mc/ps)

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