Zahlungsmoral in den USA sinkt

Ludovic Subran
Ludovic Subran, Chefökonom von Euler Hermes. (Foto: Euler Hermes)

Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. (Foto: Euler Hermes)

Zürich – Nicht nur im Osten, wo in China und wichtigen anderen Schwellenländern die Insolvenzen stark ansteigen, müssen sich die Schweizer Exporteure Sorgen machen, sondern auch im Westen: In den USA sinkt die Zahlungsmoral, so eine aktuelle Euler Hermes Studie. Zudem steigen die Insolvenzen 2016 nach Einschätzungen der Volkswirte des führenden Kreditversicherers an.

USA: Zahlungsmoral sinkt deutlich – Insolvenzen steigen um 3% in 2016
„Nach sechs Jahren des stetigen Rückgangs erwarten wir in den USA 2016 erstmals wieder einen Anstieg der Insolvenzen um 3 Prozent“, sagte Ludovic Subran, Chefökonom der Euler Hermes Gruppe. „Unser ‚Payment Behavior Index‘ (PBI) ist im vergangenen Jahr zudem deutlich gesunken, was auf steigende Zahlungsverzögerungen und damit auf eine schlechtere Zahlungsmoral amerikanischer Unternehmen schliessen lässt. Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) spricht eine ähnliche Sprache: Das Wachstum hat sich Ende 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgeschwächt. Auch für 2016 erwarten wir mit einem BIP-Plus von 2,3% in den USA eine eher laue Wachstumsbrise. Hauptgrund ist der schwache Welthandel.“

In den Euler Hermes „Payment Behavior Index“ (PBI) fliessen die Informationen des Weltmarktführers in der Kreditversicherung über Zahlungsverzögerungen und Nichtzahlungen bei den Versicherungsnehmern ein. Der Index ist von Ende 2014 auf Ende 2015 um 6,4 Punkte von 67,2 auf 60,8 Punkte gesunken, wobei 50 Punkte ein durchschnittliches Zahlungsverhalten markieren.

Risiken für Schweizer Exporteure steigen – nach China wackeln auch die USA als Handelspartner
„Die sinkende Zahlungsmoral und steigende Insolvenzen sowohl in China als nun auch beim wichtigen Handelspartner USA bedeuten signifikant steigende Risiken für die exportorientierte Schweizer Wirtschaft“, erklärt Stefan Ruf, CEO von Euler Hermes Schweiz. „Die US-Geldpolitik führt nicht nur zu einem Fed-Beben in Schwellenländern, sondern auch zu einem restriktiveren Zugang zu Krediten in den USA sowie wesentlich höheren Kapitalkosten. Um den eigenen Cash-Flow sicher zu stellen, sind amerikanische Unternehmen bereits Ende 2015 dazu übergegangen, Rechnungen deutlich später zu bezahlen. Diese Vorboten sind relativ sichere Indikatoren für steigende Insolvenzen – ein Teufelskreis, zumal Realinvestitionen und Realgewinne der Unternehmen schrumpfen, was die Unternehmen zusätzlich unter Druck setzt.“

Schwierige Aussichten für Metallbranche und Maschinenbau in USA, finanzieller Druck steigt
Für 2016 erwartet Euler Hermes einen weiterhin schwachen Welthandel, niedrige Rohstoffpreise und eine schwache Entwicklung bei den Maschinenbestellungen. US-amerikanische Metall- und Maschinenbauunternehmen sehen sich grossem finanziellen Druck gegenüber. Neben der schwachen globalen Nachfrage sind die ausbleibenden Bestellungen von Ölfirmen im Bereich Rohre und Maschinen dafür verantwortlich sowie der starke Dollar. Die starke US-Währung macht amerikanische Produkte im Export teurer und weniger wettbewerbsfähig. Gleichzeitig entsteht dadurch eine Flut an günstigen Importwaren, mit denen die amerikanischen Unternehmen schwer konkurrieren können.

US-Dollar wird nicht genug abwerten, um Wettbewerbsdruck für US-Firmen zu lindern
„Obwohl der US-Dollar in den letzten Wochen leicht gefallen ist, erwarten wir nicht, dass er weit genug fallen wird, um Exporte zu stützen oder den Wettbewerb von billigen Importen zu mindern“, sagte Subran. „Gegenläufig erwarten wir jedoch Verbesserungen in der amerikanischen Lebensmittelbranche sowie einen starken Zuwachs im Automobilsektor durch einen Absatzboom in Folge der niedrigen Benzinpreise.“

In China sinkt die Zahlungsmoral und Insolvenzen steigen – welche Probleme China im Jahr des Affen erwarten, finden Sie hier.

Die Studie zum schwächelnden Welthandel 2016 finden Sie hier. (Euler Hermes/mc/ps

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