Adrian Steiner, CEO Thermoplan

Adrian Steiner

Adrian Steiner, CEO Thermoplan. (Foto: Thermoplan)

von Patrick Gunti

Moneycab: Herr Steiner, Starbucks will im kommenden Jahr allein in China und im asiatischen Raum 800 neue Filialen eröffnen. Werden diese – wie alle anderen der weltweit rund 21’000 Starbucks-Filialen – mit Kaffee-Vollautomaten von Thermoplan ausgerüstet?

Adrian Steiner: In der Tat verfolgt Starbucks im asiatischen Raum eine offensive Expansionsstrategie. Zumindest in den asiatischen Metropolen unterscheidet sich der Lebensstil des urbanen Zielpublikums nicht wesentlich von dem in San Francisco, Sao Paulo oder London. Auch wenn Starbucks unweigerlich mit Kaffee in Verbindung gebracht wird, hat sich das Angebotsportfolio in den vergangenen Jahren etwas gewandelt – die Zukäufe von La Boulange oder Teavana verdeutlichen dies. Das ermöglicht auch eine gewisse Flexibilisierung und Anpassung des Angebots. Starbucks ist ja bereits seit über 15 Jahren in Asien aktiv und betritt kein Neuland – die Präsenz wird jetzt eben auf eine breitere Basis gestellt. Wir werden die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten und sind dankbar, diese Expansion begleiten zu dürfen.

Welchen Stellenwert wird der asiatische Markt für Thermoplan – unabhängig von Starbucks – in den kommenden Jahren erlangen?

Thermoplan hat seine Hauptabsatzmärkte gegenwärtig in den Wirtschaftsräumen Europa, mittlerer Osten und hat durch seinen starken Marktpartner ein hervorragendes Entree in den amerikanischen Markt. Der asiatische Markt entwickelt sich beständig und hat in der Tat ein enormes Wachstumspotenzial. Darum hat sich die Thermoplan AG bereits im Jahr 2007 mit 20 Prozent am chinesischen Vertriebspartner „Jascaffe“ beteiligt. Aktuell haben wir in Asien über 17 Vertriebspartner vertreten – davon alleine acht in China und zwei in Japan.

Ihr Kundenportfolio umfasst neben Starbucks zahlreiche weitere grosse Unternehmen wie McDonald’s, Subway, Nespresso, Statoil oder Costa Kaffee. Wie abhängig ist Thermoplan heute noch von Starbucks?

Starbucks ist nach wie vor ein bedeutender Kunde von Thermoplan und wir haben Starbucks viel zu verdanken. Allerdings ist die Abhängigkeit heute nicht mehr so stark, wie es z.B. vor 10 Jahren der Fall war. Thermoplan hat durch die Akquisition von namhaften, international agierenden Key-Account-Kunden darauf hingearbeitet, gewisse Abhängigkeiten abzubauen. Im Zuge der unternehmenseigenen Expansion wurde massiv in neue Fertigungskapazitäten, Effizienz und Personal investiert. Also sind wir auf der einen Seite bestrebt diese Kapazitäten bestmöglich auszulasten und auf der anderen Seite stehen wir natürlich gegenüber unseren Mitarbeitenden in der Verantwortung.

«Die Situation war wirklich skurril, denn niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, dass „die Grossen“ aus Seattle, „die Kleinen“ aus Weggis als Partner auswählen würden – doch genau das ist passiert…»
Adrian Steiner, CEO Thermoplan

Wie kam es zu der mittlerweile schon über 15 Jahre dauernden Zusammenarbeit mit dem Giganten Starbucks und wie kann man sich diese vorstellen?

Das ist eine wirklich unglaubliche Geschichte, die ich immer wieder gerne erzähle. Anfang 1998 kontaktierte Starbucks alle Hersteller von Kaffeeautomaten weltweit, weil im Rahmen des Projekts „Espresso 2000“ ein Wechsel von traditionellen Halbautomaten zu Kaffeevollautomaten vollzogen werden sollte. Die Company hatte zwar damals schon rund 2000 Outlets, war in Europa – mit Ausnahme von England –  jedoch noch praktisch unbekannt. Thermoplan behauptete sich gegen zwölf Mitbewerber; zuletzt in einem sechs Monate dauernden Feldtest gegen zwei weitere Wettbewerber, mit jeweils zehn Maschinen in verschiedenen Starbucks-Geschäften. Die Situation war wirklich skurril, denn niemand hatte ernsthaft damit gerechnet, dass „die Grossen“ aus Seattle, „die Kleinen“ aus Weggis als Partner auswählen würden – doch genau das ist passiert…

Mittlerweile begegnen wir uns auf Augenhöhe und es hat sich eine wunderbare Partnerschaft entwickelt. Abgesehen von der überzeugenden Produktqualität basiert die gute Zusammenarbeit auch auf einer ähnlichen Unternehmenskultur und den gelebten Verhaltensgrundsätzen – Kundenorientierung, Flexibilität, Schnelligkeit und Servicequalität.

Die Zahl der Starbucks-Filialen hat sich in dieser Zeit fast verzehnfacht. Ist Thermoplan in ähnlichem Umfang gewachsen?

Die Anzahl der Outlets beeinflusst natürlich die Produktionskapazität und damit den Mitarbeiterbestand. Zum Vergleich: Im Jahr 1999 unterhielt die Thermoplan AG eine Produktionsstätte und beschäftigte 28 Mitarbeitende – heute haben wir vier Betriebsstätten und rund 230 Beschäftigte. Der Personalbestand hat sich innert 15 Jahren also ebenfalls fast verzehnfacht – das ist respektabel. Dieses Wachstum begründet sich jedoch nicht alleine auf der Expansion von Starbucks. Wir haben mit den Kaffeemaschinen der beiden BLACK&WHITE-Baureihen sehr erfolgreiche Produktlinien im Programm, die unter eigenem Namen weltweit vermarktet werden. Zudem entwickeln und fertigen wir exklusiv Kaffeeautomaten für namhafte Partner wie Nespresso oder Costa Coffee. Thermoplan zeigt sich im Jahr 2014 also insgesamt breiter aufgestellt.

Sie beschäftigen in der Forschungs- und Entwicklungs-Abteilung rund 40 Mitarbeitende. Sind ständig neue Ideen und technische Verbesserungen die Basis des Thermoplan-Erfolgs?

Unbedingt! Die Entwicklung hat seit jeher einen grossen Anteil an der Reputation und am wirtschaftlichen Erfolg von Thermoplan. Ohne eine kontinuierliche Entwicklungsarbeit – sei es für bestehende Maschinen oder für Zukunftsprojekte – hätten wir ja Stillstand; und Stillstand bedeutet unweigerlich Rückschritt. Der Kaffeemarkt entwickelt sich rasant und differenziert sich immer weiter aus. Daraus resultieren gestiegene Anforderungen aus dem Markt hinsichtlich der Kapazität und Standfestigkeit aber auch hinsichtlich der Produktevielfalt und Produktequalität. Das Entwicklungs-Team in unserem neu gestalteten Kreativcenter hat also die anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe, kreative Ideen und innovative Lösungen zu entwickeln und auszuarbeiten.

«Die Entwicklung hat seit jeher einen grossen Anteil an der Reputation und am wirtschaftlichen Erfolg von Thermoplan.»

Wodurch heben sich die Kaffeemaschinen und Milch-/Sahne-Geräte von der Konkurrenz ab?

Thermoplan-Kaffeemaschinen bieten eine Reihe einzigartiger Vorteile – lassen Sie mich nur zwei exemplarisch herausgreifen: die Milchschaumtechnik und die modulare Konstruktion.

Im Bereich der Milch- bzw. Milchschaumtechnik ist Thermoplan weltweit führend. Die Vollautomaten der BLACK&WHITE ONE-Baureihe wie auch die BLACK&WHITE 3-Geräte verfügen über ein Milchsystem, mit dem auf Knopfdruck heisser oder kalter Milchschaum in einer feinen und dennoch stabilen Konsistenz abgerufen werden kann. Bei der Zubereitung von kaltem Milchschaum wird der Milch über ein Pumpensystem Luft zugesetzt, so dass ein Schaum entsteht, der cremig ins Glas rinnt. Die Zubereitung von heissem Milchschaum erfolgt über das patentierte Wendelsystem, bei dem kalte Milch durch eine dünne Stahlröhre geleitet wird. Dieser Wendel wird durch das heisse Wasser um die Heizung im Hydraulikboiler geleitet und nutzt dessen Temperatur um die Milch auf die optimale Temperatur zu erhitzen, bevor sie ebenfalls unter Zugabe von Luft geschäumt wird. Am Ende steht ein Schaum, der – egal ob heiss oder kalt – ein unvergleichliches Genusserlebnis bietet.

Die modulare Konstruktion geht hingegen auf eine Entwicklung aus dem Jahr 1994 zurück und kommt bis heute bei der Top-Baureihe BLACK&WHITE 3 zum Einsatz. Dieses Prinzip beruht darauf, dass die für die Produktzubereitung zuständigen Komponenten in separaten, funktionalen Baugruppen zusammengefasst sind, den sogenannten Modulen (z.B. dem Mechanikmodul oder dem Hydraulikmodul). Der modulare Aufbau ermöglicht es, jede Baugruppe einzeln und in kürzester Zeit ein- und auszubauen. Durch diesen bauartbedingten Vorteil kann die Maschine besonders schnell gewartet oder instandgesetzt werden.

Inwieweit sind Ihre Grosskunden in die Entwicklung neuer Maschinen involviert?

Grosskunden geben uns in der Tat wichtige Hinweise, wie die Maschinen verbessert werden könnten – manchmal ganz profane Dinge. Selbst wenn Kaffeemaschinen hausintern lange Versuchszyklen durchlaufen, bleiben es doch immer nur Tests unter Laborbedingungen. Bei den Kunden sind die Geräte dann monate- oder jahrelang im Alltagseinsatz. Und dort zeigen sich dann Verbesserungsmöglichkeiten oder auch Schwachstellen. Entscheidend ist, dass diese „Reklamationen“ ernst genommen werden und engagiert versucht wird, für allfällige Probleme eine gute Lösung zu finden.

Genauso kann es vorkommen, dass ein Grosskunde eine bestimmte Maschine in einer Spezifikation wünscht, die wir so nicht vorgesehen haben – das war unlängst bei McDonald’s der Fall. Kurzum: Die Maschine wurde entwickelt, getestet und wird in Kürze ins Thermoplan-Programm aufgenommen.

Weltweit sind Zehntausende Thermoplan-Maschinen im Einsatz. Welche Serviceleistungen bieten Sie an, wenn die Maschinen das Werk verlassen haben?

Im internationalen Geschäft arbeitet Thermoplan mit einem weltumspannenden Netz zuverlässiger, hoch spezialisierter Vertriebs- und Servicepartner zusammen. Rund 160 Partner sorgen in über 60 Ländern für einwandfreie Wartungs- und Unterhaltsarbeiten. Wir unterstützen unsere Partner sowie deren Servicetechniker und Kundendienstmitarbeiter und stellen sicher, dass diese auf dem neusten Stand sind. Wir führen auf allen Kontinenten technische Trainings durch. In Europa werden wir durch die Kollegen von Thermoplan Deutschland unterstützt und in Amerika stehen uns zwei weitere Mitarbeiter beiseite.

«Mit der Inbetriebnahme von Werk 4 haben wir einen bedeutenden Schritt getan, um Thermoplan für die Zukunft fit zu machen.»

Ende Mai haben Sie in Weggis das vierte Produktionswerk eröffnet, der dritte Erweiterungsbau innerhalb von 14 Jahren. Welche zusätzlichen Kapazitäten bringt dies mit sich?

Mit der Inbetriebnahme von Werk 4 haben wir einen bedeutenden Schritt getan, um Thermoplan für die Zukunft fit zu machen. Durch den Neubau haben wir auf drei Etagen insgesamt rund 3‘900 Quadratmeter dringend benötigte Betriebsfläche hinzugewonnen (1900 m2 Produktion; 1400 m2 Lager; 640 m2 Logistik). Durch die stützenfreie Bauweise sind diese Flächen flexibel nutzbar. Das Dachgeschoss ist als Showroom mit Dachterrasse konzipiert. Die beiden unteren Geschosse werden genutzt, um die Produktionskapazität aufzustocken und um die gesamte Prozesskette in der Produktion – von der Warenanlieferung über die Lagerhaltung bis zur Spedition – effizient zu gestalten. Knapp die Hälfte der geschaffenen Fläche dient der Warenlogistik.

Sie produzieren alle Maschinen hier in Weggis und exportieren gleichzeitig 98 Prozent der Produkte in alle Welt. War die Auslagerung der Produktion nie ein Thema?

Wie jedes Unternehmen machen wir uns natürlich Gedanken darüber, wie man die Produktion effizienter oder kostengünstiger organisieren könnte. Die Schweiz ist ein Land mit einem hohen Lohnniveau und der Wettbewerb unter den Anbietern von professionellen Kaffeemaschinen ist hart und wird auch über den Preis geführt.
Aus unserer Historie betrachtet ist Thermoplan ein in der Zentralschweiz verwurzeltes Unternehmen und typische Schweizer Tugenden – Erfindungsreichtum, Präzision, Schaffenslust – haben uns dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Ich denke, eine Verlagerung von Unternehmensteilen käme einem Verlust unserer Identität gleich, den unsere Kunden sicher nicht gutheissen würden. Der Imageschaden und Glaubwürdigkeitsverlust wären für ein Unternehmen, welches das Schweizerkreuz im Signet führt, langfristig durch die betriebswirtschaftlichen Vorteile kaum aufzuwiegen. Eine Verlagerung der Produktion in ein Niedriglohnland – sei es in Osteuropa oder in Asien – war deshalb noch nie eine ernsthaft in Betracht gezogene Option.

Die Schweiz bietet alles, was wir brauchen: Stabile wirtschaftliche Verhältnisse, ein liberales Wirtschaftssystem, eine hervorragende Infrastruktur sowie gut qualifiziertes Personal. Aus diesen Gründen bekennen wir uns zu unseren Schweizer Wurzeln und haben dies durch den Neubau der vierten Betriebsstätte nochmals untermauert. Für die Thermoplan AG ist „Made in Switzerland“ eine Herzensangelegenheit!

Herr Steiner, herzlichen Dank für das Interview.

Zur Person:
Adrian Steiner, Jahrgang 1975, ist gelernter Elektromonteur und hat anschliessend betriebswirtschaftliche Ausbildungen absolviert. Er ist seit 2009 CEO der Thermoplan AG in Weggis mit gut 200 Mitarbeitenden. Das Unternehmen entwickelt und produziert Kaffeevollautomaten mit Vertrieb in weltweit über 60 Länder. Unter anderem betreut Thermoplan amerikanische Grosskunden wie Starbucks mit Trainings, Verkaufsunterstützung und Kundenberatung vor Ort.  Adrian Steiner ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

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